Charles Darwins epochales Werk über die "Entstehung der Arten" ist ein wahrlich wichtiges Buch, das auch viele Biologen zu kennen glauben, selbst wenn es die wenigsten von ihnen gelesen haben. Zeitgleich mit dem weit weniger bekannten britischen Naturforscher Alfred Russel Wallace hatte Darwin vor 140 Jahren eine revolutionäre Antwort auf die Frage gefunden, wie sich Leben mit seinen unendlich vielen Facetten entwickelt und wie Evolution funktioniert.
Geisteswissenschaften
Wieder einmal sorgt die Judikative in Deutschland für Politik, und es entsteht eine längst fällige öffentliche Debatte. Aufgrund zweier Urteile des Bundesverfassungsgerichts sind die Kinder als Renten- und Pflegeversicherungszahler von morgen zum Thema geworden.
Bachelor- und Masterstudiengänge wollen alle - jedenfalls all diejenigen, die in Wissenschaftsorganisationen und in der Politik Studienreformen planen. Denn das Studium dauert bis zum ersten Abschluss, dem Bachelor, sechs Semester und ist damit mindestens zwei Semester kürzer als bis zum traditionellen Diplom oder Magister.
Vorlesungsverzeichnisse wirken oft wie Grabbeltische im Neonlicht. Haupt-, Ober- und Proseminare buhlen auf notdürftig von einer Heftklammer zusammengehaltenem Billig-Papier um die Gunst des Kunden, des Studenten.
Die längsten Studienzeiten gibt es in Berlin. Und das in einer Häufung, die in Deutschland ihresgleichen sucht.
Ein Barockdichter reimte "Straf und Rache legt beiseit, liebet die Vergessenheit". Dass allein das Vergessen zu einem beständigen Frieden führt, davon gingen die Herrschenden im Abendland 2000 Jahre lang aus.
Die genügsamste aller Pflanzen im Garten der Hochschuldozenten ist - wie man seit langem weiß - die des Lehrbeauftragten. Für einen Lohn, der seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr angehoben wurde, hat er sich zu einer maßgeblichen Stütze des Lehrbetriebs an den Hochschulen entwickelt.
In allen Bundesländern steuert die große Pensionierungswelle unter den Professoren dem Höhepunkt zu. Baden-Württemberg hat dann gegenüber Berlin einen unschätzbaren Vorteil: Die Pensionierungskosten müssen die Universitäten nicht aus ihrem eigenen Etat aufbringen, wie das in Berlin seit Jahrzehnten üblich ist.
Den einen sind sie die letzten noch nicht geschleiften Denkmale wahrer Gelehrsamkeit, den anderen skurrile Fossilien aus einer vergangenen Zeit - die deutschen Akademien der Wissenschaften. Als sie gegründet wurden, sollten sie Forschungsergebnisse erörtern und zu neuen Forschungsleistungen anregen.
Faszination, Charme und Existenz der Philosophie beruhen auf den großen Fragen nach dem menschlichen Leben, nach unserer Situation in der Welt. Doch heute dominieren die Naturwissenschaften, und zugleich sind wir, Kinder einer fast vergangenen Postmoderne, skeptisch geworden gegenüber großen Theorien.
Geisteswissenschaftler können ein erstaunliches Selbstbewusstsein entwickeln. "Die Humanwissenschaften machen immer den Fehler, sich zu rechtfertigen - warum?
Hinter der heilen Welt verbarg sich möglicherweise ein Ehe- und Beziehungsdrama. Nach dem Mord an dem deutschstämmigen Professorenehepaar Susanne und Half Zantop in dem US-Städtchen Dartmouth fahnden Polizei und Justiz derzeit fieberhaft nach Robert W.
Weg vom Autor, hin zu Text und Subtext ist die Philologie gewandert, auf einem Straßengeflecht, das viele Richtungen kennt, aber keine zurück zur autorzentrierten Lektüre. Trotzdem liest man mit jener ambivalenten Bernhard-Liebe, die zwischen Sucht und Überdruss changieren kann, diesen kleinen Band - Joachim Hoells Thomas Bernhard-dtv-portrait - von der ersten Seite wie einen Romanführer durch das Reale, von dem man eigentlich weiß, dass es nicht existiert.
Die alte Universität soll einer Totaloperation unterzogen werden, einer großen Reform an Haupt und Gliedern. Dazu gehört, dass alle Studierenden in nicht allzu ferner Zukunft auf die neuen Master- und Bachelorstudiengänge umsteigen sollen.
Die Spitzenforschung in Deutschland soll einen entscheidenden Schub bekommen. Dafür sollen DFG-Forschungszentren an den Universitäten sorgen, die neu eingerichtet werden.
Literatur kann lebensrettend sein: Stephen Greenblatt berichtet, dass sie in England seit dem 14. Jahrhundert darüber entschied, ob ein Verbrecher an den Galgen kam.
Ein elementares Englisch ist die Verkehrssprache der heutigen Welt. An dieser Tatsache kommt niemand mehr vorbei.
Wenn Elizabeth Dunn morgens vor ihr Seminar tritt, blickt sie in einigermaßen unbedarfte Gesichter: Die Mehrheit der Studenten an der Universität Colorado ist weiß, entstammt der Mittelschicht und war noch nie im Ausland. "Wie kann ich denen klar machen, wie verstrickt wir alle sind?
Edson Mitchell gilt als der Mann, der die spektakulärste Bankenfusion Europas, den Zusammenschluss von Deutscher und Dresdner Bank, zum Scheitern gebracht hat. Der 47-jährige Amerikaner und Chef der Deutsche Bank-Investmentsparte pochte darauf, dass das Investmentgeschäft der Dresdner Bank abgestoßen werden sollte.
"Mein stärkstes Argument für die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist: Denjenigen, die üblicherweise bei uns einen Hochschulabschluss erwerben, schadet es nicht. Bei einer Reihe anderer Fragen ist es sehr nützlich.
Einen König vom Thron zu stoßen, war schon immer kompliziert. Meist war eine erfolgreiche Absetzung nur mit Gewalt zu haben, wobei häufig nicht nur die Krone in den Staub fiel, sondern das gekrönte Haupt gleich mit.
Ob Literatur oder Müll oder Wohnorte: Scott Bradfield will sich nicht entscheiden. Der rothaarige Mittvierziger im Jeanshemd verspricht kalifornische Frische in die Berliner Samuel-Fischer-Gastprofessur zu bringen, die sich dem Ideal der Weltoffenheit verpflichtet sieht.
Warum er den Leibniz-Preis bekommen hat? "Das fragen Sie lieber die, die ihn mir gegeben haben", sagt Joachim Küpper.
Was ein Krieg ist - darüber scheint im Prinzip weitgehend Einigkeit zu herrschen. Womit sich hingegen eine moderne Geschichtswissenschaft beschäftigt, die die verschiedenen Facetten von Krieg und Gewalt untersuchen will, ist indes nicht immer so ganz klar.
Ein Genussmensch, denkt man, wenn man Antonio Skármeta sieht, ein Gourmet, ein Ironiker. Sein blanker Kopf glänzt über dem schwarzen Haarkranz, heiter blinzeln seine Augen.
Traditionell zeichnet die FU an ihrem Gründungstag, dem vierten Dezember, Stipendiaten und Nachwuchswissenschaftler aus: Von den Partneruniversitäten der FU erhalten drei Studenten Ernst-Reuter Stipendien: Mandana Covindassamy von der École Normale Supérieure, Paris. Sie wird über den Schriftsteller Robert Walser forschen.
Sein Gang war schwankend, unkontrolliert. "Wer Christian Skrzyposzek sah, dachte er sei Alkoholiker", sagt Wojciech Mroz, polnischer Radiojournalist und Nachbar von Skrzyposzek.
Die Max-Planck-Gesellschaft und die Alexander von Humboldt-Stiftung haben in Berlin die Max-Planck-Forschungspreise verliehen. Zwölf Forscher erhielten die mit jeweils bis zu 250 000 Mark dotierte Auszeichnung.
Als Edward Saids Autobiografie im letzten Jahr im Original in den USA erschien, erregte ein Artikel des israelischen Wissenschaftlers Justus Reid Weiner in der US-Zeitschrift "Commentary" großes Aufsehen. Der Autor warf Said vor, Stationen seines Lebens "gefälscht" zu haben.
Wenn Gerd Krüger über seine Bewerbung um eine Professur spricht, klingt er wie ein verschuldeter Spieler, der die Roulettekugel beschwören will: "Diesmal müsste es was werden", sagt er. Dabei denkt er an die Berufungskommission, eine "Löwengrube", in der ihm noch "einige hungrige Exemplare das Handwerk legen wollen".
Die Sorge stand den etwa 30, fast ausnahmslos männlichen und angegrauten Hochschullehrern ins Gesicht geschrieben. Sie waren am Sonntag zur Eröffnung einer deutsch-amerikanischen Konferenz über die Perspektiven der Geisteswissenschaften in die Berliner Humboldt-Universität gekommen, und sahen sich gleich zu Beginn durch eine schonungslose Dia-Projektion mit ihrer möglichen Zukunft konfrontiert: Gulliver, der Riese, bewegungsunfähig am Boden, gepeinigt von Zwergen.
In Sachsen ringt die regierungstragende CDU der Staatsregierung beim Haushaltsentwurf 2001/02 Zugeständnisse ab. Allerdings nur auf familien- und sozialpolitischem Gebiet.
Berlin will ja eigentlich eine Dienstleistungsmetropole sein, aber so viel Service war den Meisten dann doch etwas suspekt. "Ich putz meine Schuhe schon selbst, und das regelmäßig", plärrten viele Passanten auf dem Alexanderplatz, fast schon ein bißchen beleidigt, dass Daniel Lehmann sich anbot, ihnen kostenlos die Schuhe zu putzen.
Die Romanistin Brigitte Schlieben-Lange, Nachfolgerin ihres Lehrers Eugenio Coseriu auf dem Tübinger Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft, ist kurz vor ihrem 57. Geburtstag in Frankfurt gestorben.
Wenn von Genen die Rede ist, dann geht es meist auch um Geschäfte, um neue Medikamente und um Nahrungsmittel. Für Gottfried Schatz ist das zu wenig, viel zu wenig.
Der 55-jährige Philosoph und Berliner Schriftsteller wird damit für sein soeben erschienenes Buch "Nietzsche. Biografie seines Denkens" (siehe Tagesspiegel vom 19.
Auch Profesoren sind Menschen, die wenig altruistisch denken. Bisher sind die Professoren wegen des Geldes auf die Barrikaden gegangen.
Heute gilt es einem Phänomen die Reverenz zu erweisen, das in der deutschen Wissenschaft zu den Ausnahmen zählt. Einem Geisteswissenschaftler, der sich in frühen Werken der alten Literatur annahm: Dem Meister Eckhart war eine der ersten Schriften gewidmet, die Wolfgang Frühwald verfasst hat.
Klaus Ulrich Werner ist ab August neuer Leiter der Germanistik-Bibiliothek der Freien Universität. Der 44-Jährige studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg und Wien.
Fehlende Detailkenntnis und Oberflächlichkeit: Mit diesen Vorwürfen hat der Akademische Senat der Technischen Universität (TU) wichtige Teile der Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur größten technischen Hochschule Deutschlands kritisiert. Vor allem die Ausbildung von Lehrern und die Zukunft der Geisteswissenschaften standen im Mittelpunkt der Debatte.