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An den Kühlregalen im Supermarkt könnte es besonders warm sein - oder eben gerade nicht. Je nachdem, wo man steht.
© Oliver Berg/dpa

Tipps für warme Orte im Januar: Berlin ist kalt? Hier nicht!

Das Wetter ungemütlich, die Straßen unwirtlich, das Alltagsleben unwirklich – der Januar in Berlin ist wahrlich keine Freude. Hier sind ein paar Tipps, sich einzuheizen: in künstlichen Tropen, verstopften Bahnen oder beim edlen Tee.

Brr, was für ein Wetter - alles ist kalt und nass und trüb. Abends berieseln Schneeflocken die Stadt, und es gibt nicht mal mehr Glühweinstände, an denen man sich noch aufwärmen könnte - aber Moment! Wir haben hier noch ein paar Ideen für Sie, wenn Sie das nächste Mal vor Kälte ihre Zehen nicht mehr spüren.

Schlendern an der Kühltheke

Die Kälte kriecht besonders nachts in die Knochen. Da ist jeder geöffnete Supermarkt ein Segen. Es bietet sich an, langsam durch die Regalreihen zu schlendern, natürlich mit Einkaufswagen, damit Ladendetektive keinen Verdacht schöpfen. Einen weiten Bogen um die Frischeabteilungen und Kühltheken machen. Oder auch gezielt aufsuchen, denn jede Fleisch- oder Käsetheke strahlt irgendwo warme Luft ab. Ab und zu sollte man etwas in den Wagen packen, zur Tarnung, und auf der nächsten Runde zurückstellen. Reichelt bietet derzeit drei durchgehend geöffnete Märkte an: in der Berliner Straße in Wilmersdorf, der Siemensstraße in Lankwitz und am Wilhelmsruher Damm in Wittenau. Sonntags beliebt sind der Lidl unterm Innsbrucker Platz und die Supermärkte in großen Bahnhöfen. Heute aber kann man sich überall in der Stadt aufwärmen: Beim verkaufsoffenen Sonntag gibt es Heizungsluft im Sonderangebot. Thomas Loy

Träumen im Tropenhaus

Im Schatten der Kakteen flanieren - das geht im Botanischen Garten. Und angenehm temperiert ist es auch.
Im Schatten der Kakteen flanieren - das geht im Botanischen Garten. Und angenehm temperiert ist es auch.
© Picture Alliance/dpa

Mein Mann hat das unverschämte Glück, für ein paar Tage in die Karibik entfliehen zu können. Mich lässt er zurück im garstigen Berliner Winter! Um keinen Neid zu entwickeln, verabrede ich mich im Tropenhaus des Botanischen Gartens. Für 30 feuchtheiße Grad muss ich keinen zehnstündigen Flug auf mich nehmen, sondern nur eine Fahrt nach Steglitz. Inmitten der üppigen, wunderbar duftenden Pflanzen kann ich mich in tropische Paradiese träumen. Ich wandele zwischen Palmen umher, betrachte neidisch einen Riesenbambus – warum geht meiner eigentlich ein, bevor er nur 1,50 Meter erreicht? Ich streife knorrige Baumstämme und bewundere saftige Farne, die ihre Arme ausstrecken. Doch egal, wie lang diese werden, die prächtige Glaskuppel hoch über uns werden sie nie erreichen. Ich erfreue mich an schön-skurrilen Namen wie dem der Paradiesvogelblume und fühle mich einen Moment lang wie eine von ihnen: als Prinzessin der Nacht! Patricia Wolf

Saunieren am Bahnhof

"Bitte reduzieren Sie den Austausch von Zärtlichkeiten auf ein Minimum" - die Betreiber des Vabali Spa werden ihre Gründe für diesen Hinweis haben...
"Bitte reduzieren Sie den Austausch von Zärtlichkeiten auf ein Minimum" - die Betreiber des Vabali Spa werden ihre Gründe für diesen Hinweis haben...
© Promo

Ich kenne niemanden, der den Berliner Winter mag. Ich kenne auch niemanden, der die Gegend rund um den Hauptbahnhof mag. Und ich kenne niemanden, der nicht gerne mal abschalten will von seiner Dauersendung Alltagsleben. Deshalb ist man hier im neuen Vabali Spa, inmitten einer unwirtlichen Gegend, inmitten eines ungemütlichen Januars, inmitten eines manchmal unwirklichen Alltagslebens genau richtig. In zahlreichen Saunen lässt sich spontan Kurzurlaub machen, die Ruheräume sind mit warmem asiatischen Interior eingerichtet; und nach einer Pause im Wasserbett kann man sich im Kaminzimmer noch einmal einheizen. Alle sind nackt hier auf dem großen Areal mit Freiluft-Schwimmbecken, aber zumindest für Ost-Berliner ist das ja nicht ungewöhnlich. Angesichts der warmen Atmosphäre ist der Hinweis am Eingang durchaus angebracht: „Bitte reduzieren Sie den Austausch von Zärtlichkeiten auf ein Minimum.“ Robert Ide

Schwitzen in der U2

 Heiß wird einem auch in der U-Bahn oder heute am verkaufsoffenen Sonntag.
Heiß wird einem auch in der U-Bahn oder heute am verkaufsoffenen Sonntag.
© picture alliance / dpa

Keine Zeit, nach der Arbeit in die Sauna zu gehen? Macht nichts, das lässt sich auf dem Heimweg erledigen. Dank der S-Bahn, die ihren Nord-Süd-Tunnel kundenfreundlich genau dann sperrt, wenn es draußen kalt und grau ist. Denn so finden sich die Verfrorenen der Stadt zusammen, Nase an Schulter, Knie an Wade, Wange an Haupthaar, in der U2 zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz. Kein Kubikzentimeter bleibt ungenutzt, die dicken Winterjacken und Schals stopfen die Lücken, so wie es Sockenpaare in einem gut gepackten Koffer tun. Frischluft? Sorry, passt leider nicht mehr rein. Jacke ausziehen? Gute Idee. Wenn die zehn Passagiere, mit denen man gerade einen Quadratmeter Bodenfläche teilt, sich bitte mal kurz in Luft auflösen könnten? U2-Profis sind daran zu erkennen, dass sie ihre Jacke vor dem Einsteigen ausziehen. Aber wer eine solche über dem dann zwangsläufig ein Stück weit auszuklappenden Arm tragen will, braucht dafür zusätzlichen Platz, der nicht existiert. Außerdem bräuchte er Extrazeit für den Sauna-Besuch, und die hat er ja auch nicht, schließlich hält die U2 auf dem Heimweg an jeder Teekanne. Spittelmuseum, Mohrenmarkt, Märkische Straße. Da will doch keiner hin. Schon gar nicht, wenn ihm gerade der Schweiß herunterläuft. Karin Christmann

Aufblühen in Potsdam

Ein Chamäleon hat es sich schonmal in der Biosphäre in Potsdam gemütlich gemacht - bei angenehmen Temperaturen.
Ein Chamäleon hat es sich schonmal in der Biosphäre in Potsdam gemütlich gemacht - bei angenehmen Temperaturen.
© Ralf Hirschberger/dpa

„Ewigen Sommer“ verspricht die Biosphäre im Norden von Potsdam. In der einstigen Blumenhalle, deren baldiges Ende immer wieder einmal aus wirtschaftlichen Gründen vorausgesagt wird, blüht es bei Temperaturen zwischen 23 und 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von fast 80 Prozent kräftig. Orchideen, Epiphyten und anderen Kostbarkeiten zeigen sich in schönsten Farben. Stündlich wird die Fantasie der Besucher sogar mit einem kleinen Trick angeheizt. Dann kracht es gewaltig und irgendwo ist sogar ein kräftiger Regenguss zu hören. Ein Gewitter zieht wie in den richtigen Tropen auf, auch wenn es in Potsdam nur aus Lautsprechern klingt. Mehr als 20 000 Tropenpflanzen und viele exotische Tiere machen es möglich, sich in den Urwald zu träumen. Es gibt einen Wasserfall, ein Schmetterlingshaus und einen Weg oberhalb der bis zu 14 Meter hohen Bäume. Mittendrin haben es sich Reptilien und Amphibien bequem gemacht, bunte Vögel flattern durch die Halle und in einer Extra-Abteilung hüpfen sogar Schlammspringer durch Mangrovenwälder und durchstreifen Clownfische ihre Korallenriffe. Hoffentlich dauert dieser Sommer noch ewig. Claus-Dieter Steyer

Rühren in der Teetasse

Nass und trüb am Potsdamer Platz? Dann einmal umgedreht und sich in der Tea Lounge im Ritz-Carlton stilvoll aufwärmen!
Nass und trüb am Potsdamer Platz? Dann einmal umgedreht und sich in der Tea Lounge im Ritz-Carlton stilvoll aufwärmen!
© dpa

Ringsum Säulen mit Gold, edles Porzellan und weite Fauteuils wie Thronsessel: In so einem Ambiente fühlen sich kleine Mädchen sofort wie Prinzessinnen, besonders wenn sie ihre schönsten Kleider tragen. Aber auch die vom grauen Nieselwetter gebeutelten Großen können sich täglich von 14 bis 18 Uhr in der Tea Lounge im Ritz-Carlton stilvoll vom Winter erholen. Die Tee-Sommeliers des Hauses bieten 68 verschiedene Aromen an, darunter luxuriöse Varianten wie Lotus Blanc, bei der wohl jedes Teeblatt eine Nacht in einer Lotusblüte verbracht haben muss. Mithilfe von Schnüffelboxen läuft sich der Appetit rasch warm. Auf den Etageren finden sich Limetten-Erdbeer-Cupcakes oder Gurkensandwiches mit Gelee. Für noch mehr Wärme und mehr Euros gibt es den Ladies Tea mit Champagner und den Gentlemen’s Tea mit Brandy. Auch andere Berliner Luxushotels bieten den warmen Service. Wer lieber nüchtern, aber lernend ins Schwitzen gerät, kann im Ritz auch eine Tee-Schulung buchen. Livemusik vom Piano gehört eigentlich immer dazu, nicht immer wird freilich das nicht nur für kleine Prinzessinnen passende „Puttin’ on the Ritz“ gespielt. Elisabeth Binder

Warmsitzen am Beckenrand

Das Stadtbad Neukölln ist über 100 Jahre alt. Bei seiner Eröffnung 1914 zählte es zu den schönsten Bädern Europas - heute zumindest zu den wärmsten Berlins. Schön ist es aber natürlich trotzdem.
Das Stadtbad Neukölln ist über 100 Jahre alt. Bei seiner Eröffnung 1914 zählte es zu den schönsten Bädern Europas - heute zumindest zu den wärmsten Berlins. Schön ist es aber natürlich trotzdem.
© Jörg Carstensen/dpa

Berliner Schwimmwasser war früher kalt. Seit der Däne Ole Bested Hensing die Bäderbetriebe regiert, wird es wärmer. Inzwischen liegt die Wassertemperatur in fast allen Bädern bei 27 oder 28 Grad. Gegen Aufpreis gibt es in sieben Bädern auch 30 Grad, etwa im Bad am Spreewaldplatz und in den Stadtbädern Lankwitz und Neukölln. In einigen Babybecken ist es sogar 32 Grad warm; fast wie in der Badewanne. Wer den Eintritt von 7 Euro sparen will, kann sich auch im Foyer warmsitzen. Dort gibt es Bänke zum Warten auf die Umkleide-Nachzügler. Am besten eine Sporttasche mitnehmen, damit der eigentliche Zweck des Herumsitzens nicht so auffällt. Das Warmbaden ist natürlich unter echten Schwimmern verpönt. Die heizen ihren Körper von innen auf und geraten bei 30 Grad schnell ins Schwitzen. Dafür dann noch einen Aufpreis zu zahlen, grenzt für viele an Körperverletzung. Alle anderen freut’s. Thomas Loy

Liegen an der Lagune

Der Name ist Programm: In der ursprünglich für gigantische Luftschiffe gebauten Halle des Freizeitparks „Tropical Islands“ in Brand, 65 Kilometer südlich Berlins, wird die Lufttemperatur auf 26 Grad Celsius gehalten. Das ist zwar weniger als in den richtigen Tropen, aber die Wassertemperatur in der Lagune entspricht mit 32 Grad schon eher dem Urlaubsgefühl. Da lassen es sich nicht nur Kinder gut gehen. Auch Erwachsene vergessen hier das kalte Wetter vor der stählernen Außenhaut. Und sie drängeln sich auch um die beiden Rutschen in das Lagunenbecken, wobei kein Licht das rasante Abenteuer erleuchtet. Beim Blick auf die vielen Besucher in Badebekleidung will man gar nicht glauben, dass es draußen stürmt oder nieselt. Es gibt auch nur wenige Möglichkeiten für den Blick nach draußen, denn die auf einer Hallenseite transparent gemachte Außenhaut dient nur dem Wachstum der vielen Palmen. Den Himmel kann hier niemand erkennen. Und kaum jemand will das überhaupt. Am Abend legt man sich zum Schlafen oder Ruhen ins Zelt oder ins Hotelzimmer, wo eine Klimaanlage die Temperatur etwas herunterkühlt. Es geht aber auch ohne. Claus-Dieter Steyer

Hier ist es auf jeden Fall warm: Die Freizeithalle "Tropical Island".
Hier ist es auf jeden Fall warm: Die Freizeithalle "Tropical Island".
© picture alliance / dpa

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