Eine Frage der Verteilung : 4000 Liter Desinfektionsmittel für die Schulämter

Plötzlich und unerwartet: Wie die Bildungsverwaltung die Bezirke mit vier 1000-Liter-Kanistern überraschte.

Kanisterweise wird Desinfektionsmittel gebraucht. Manche Mittel sind für Flächen, andere für Hände (Symbolbild).
Kanisterweise wird Desinfektionsmittel gebraucht. Manche Mittel sind für Flächen, andere für Hände (Symbolbild).Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild

Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen, dichtete einst Vergil, als es um das hölzerne Pferd für Troja ging. Vielleicht keine Furcht, aber doch ein leichter Schrecken erfasste manchen Bildungsstadtrat angesichts von 4000 Litern Desinfektionsmittel, die den Bezirken plötzlich und unerwartet von der Senatsverwaltung für Bildung angeboten wurden.

Denn das - von manchen Schulen - heiß ersehnte Produkt sollte nicht in handlichen Literflaschen geliefert werden, sondern in vier Gebinden á 1000 Liter. Und zwar dalli: um die zeitnahe Lieferung zu ermöglichen, benötigen wir bis zum 24.04.2020 (Dienstschluss) die genaue Lieferadresse, hieß es ultimativ am Vortag in der Mail von Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD).

Entsprechend durchwachsen waren die Reaktionen bei der Telefonkonferenz der Bildungsstadträte mit Stoffers am Freitag um 13 Uhr: Statt der erwarteten Dankbarkeit gab es eher kühle Reaktionen, berichten übereinstimmend mehrere Stadträte.

Die Ausgangslage ist allerdings sehr unterschiedlich: Einige Stadträte und ihre bezirklichen Schulämter haben - nach anfänglicher Verzweiflung angesichts eines leergefegten Marktes - inzwischen ihre Vorräte aufgefüllt und die Schulen ausgestattet. So twitterte der Bildungsstadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), schon am 17. April, dass mobile Desinfektionsstände, Einmalhandschuhe und Desinfektionstücher zur Flächendesinfektion bereitstehen.

Auch Spandau ist bereits gerüstet und hat auf die Lieferung der Bildungsverwaltung nicht gewartet: "Wir brauchen das Desinfektionsmittel nicht mehr", sagte Bürgermeister und Bildungsstadtrat Helmut Kleebank (SPD) am Freitag auf Anfrage.

333 Liter pro Bezirk - theoretisch

Ganz anders die Lage offenbar in Tempelhof-Schöneberg: Hier griffen Schulleiter mangels Lieferungen vom Schulamt zur Selbsthilfe und kauften sich in Apotheken Desinfektionsmittel auf eigene Rechnung zusammen, wie etwa die Leiterin der Lindenhof-Grundschule, Monika Stein, berichtet. Dass von der Senatsverwaltung für Bildung plötzlich rund 330 Liter pro Bezirk spendiert worden waren, hatte Stein vom Schulamt bis Freitagabend nicht erfahren.

Die Schulämter hatten allerdings am Freitag ganz andere Probleme als ihre Schulen zu unterrichten, da sie klären musste, wie sie die 1000-Liter-Kanister lagern und den Inhalt aufteilen sollten. Denn der Beipackzettel hat es in sich: Das Umfüllen sei grundsätzlich nicht vorgesehenund werde von den Herstellern auch nicht empfohlen, ist da zu lesen. Was aber wohl nicht wörtlich genommen werden muss, wenn man saubere Behältnisse wählt. Im Detail muss das jeder Bezirk selbst entscheiden.

"Das Umfüllen in ein anderes Gebinde ist grundsätzlich nicht vorgesehen", heißt es im Beipackzettel des Desinfektionsmittels.
"Das Umfüllen in ein anderes Gebinde ist grundsätzlich nicht vorgesehen", heißt es im Beipackzettel des Desinfektionsmittels.Screenshot: sve

Klar war am Freitag erstmal nur, dass sich die fünf Bezirke im Regionalverbund Ost 2000 Liter teilen wollten. Wohin das Technische Hilfswerk die kostbare Fracht bringen sollte, wollten die Lichtenberg, Pankow, Marzahn-Hellersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick noch unter sich ausmachen.

Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Die Schulen sind zurzeit froh, wenn sie sich nicht um das Desinfektionsthema kümmern müssen: Ab Montag erwarten die Oberschulen die Zehntklässler, daneben müssen sie die Abiturprüfungen organisieren. Die Grundschulen werden vom 4. Mai an die Sechstklässler beschulen, daneben kommen zusätzliche Schüler in die Notbetreuung. Somit muss entschieden werden, wie Unterricht und Betreuung so organisiert werden kann, dass die Infektionsgefahr möglichst gering gehalten wird.

Ob dies mit Schichtunterricht besser geht oder ob die Schülergruppen nur tageweise kommen, muss jede Schule selbst abwägen: Die Senatsverwaltung lässt ihnen freie Hand - ja nach räumlichen Voraussetzungen und je nach Personalausstattung.

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Manche Schulen haben fast alle Lehrer an Bord, andere berichten, dass rund 40 Prozent der Kollegen im Homeoffice sind, weil sie wegen Vorerkrankungen oder aus Altersgründen als Risikofälle gelten: Im Schnitt fallen zurzeit 30 Prozent aus, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zuletzt im Tagesspiegel-Interview berichtete.

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