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Bei der Abschlusskundgebung wurde vor einem großen Weihnachtsbaum in der Bahnhofstraße gesungen.
© Christoph M. Kluge

Weihnachtslieder, Bill Gates und die Banken: Hunderte demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen in Königs Wusterhausen und Berlin

In Königs Wusterhausen protestieren Montagabend rund 800 Menschen gegen die Corona-Regeln. Auch in Berlin gab es mehrere kleinere Versammlungen.

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Etwa 800 Menschen haben am Montagabend in Königs Wusterhausen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. In Redebeiträgen wurde unter anderem der Rücktritt von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gefordert, der am Nachmittag im Landtag eine Verschärfung der Corona-Regeln angekündigt hatte. Der Rechtsextremist und ehemalige AfD-Landeschef Andreas Kalbitz (parteilos) nahm an dem Aufzug teil. In Berlin gab es derweil kleinere, unangemeldete Proteste.

Organisiert wurde die Demonstration von der Gruppierung „Freiheitsboten Königs Wusterhausen“, die regelmäßig solche Veranstaltungen durchführt. In deren Telegram-Kanal war auch Devid R. aus dem Ortsteil Senzig angemeldet gewesen. R. hat Anfang Dezember seine Ehefrau, seine drei Kinder und sich selbst erschossen.

In einem Abschiedsbrief bezog er sich auf Verschwörungsmythen und äußerte Angst vor Repressionen gegen sich und seine Familie. Auf der Demo am Montag war die Bluttat jedoch kein Thema.

Die Abschlusskundgebung wurde vor einem großen Weihnachtsbaum in der Bahnhofstraße abgehalten. Die Stimmung war teils euphorisch. Offenbar waren mehr Menschen gekommen, als die „Freiheitsboten“ erwartet hatten. Mehrere Redner verglichen die Proteste mit der Zeit der politischen Wende in der DDR. Passend dazu sangen alle gemeinsam eine abgewandelte Version des Lieds „Die Gedanken sind frei“.

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Der geänderte Text warf „Bill Gates und den Banken“ vor, die Gedanken der Menschen zu „lenken“. Viele Teilnehmende trugen Warnwesten in Anlehnung an die französische Gelbwesten-Bewegung. Einige hatten ihr Outfit zudem mit Lichterketten oder Weihnachtsmannmützen ergänzt. Auf selbstgemalten Schildern brachten sie ihren Unmut über Impfungen und Corona-Maßnahmen, aber auch allgemein über die Politik zum Ausdruck.

Der Anmelder Tamir Al-Abadi warf den Medien vor, die Proteste verzerrt darzustellen. „Die Presse“ schreibe immer, bei den Protesten seien „böse Menschen“, aber das sei falsch. „Ich sehe hier keine Impfgegner, keine Verweigerer“, sagte er, „sondern normale Mitmenschen“, die um „ihre Freiheit“ besorgt seien. Es gebe auf den Demos auch keine Rechtsextremisten. Während Al Abadi das sagte, stand Andreas Kalbitz wenige Meter entfernt und rauchte eine Zigarette. 

Andreas Kalbitz (2.v.l.) nahm am Montagabend an den Veranstaltungen in Königs Wusterhausen teil.
Andreas Kalbitz (2.v.l.) nahm am Montagabend an den Veranstaltungen in Königs Wusterhausen teil.
© Christoph M. Kluge

Vor der Veranstaltung hatte die Gruppe „Christen in der AfD“ auf dem Kirchplatz Weihnachtslieder gesungen. Das Singen war – ebenso wie die Demonstration - schon vor dem Verbrechen von Senzig geplant gewesen. Birgit Bessin, die stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Brandenburg sang dort Lieder wie „O Tannenbaum“ und „Leise rieselt der Schnee“. Neben ihr stand Andreas Kalbitz, der jedoch nicht sang.

Vor der Veranstaltung sang die Gruppe „Christen in der AfD“ auf dem Kirchplatz Weihnachtslieder.
Vor der Veranstaltung sang die Gruppe „Christen in der AfD“ auf dem Kirchplatz Weihnachtslieder.
© Christoph M. Kluge

Etwa 100 Menschen nahmen an dem Event teil. Etwa die Hälfte davon ging danach zur Demo der „Freiheitsboten“. Brandenburgs Landtag hat am Montag die epidemische Corona-Notlage ausgerufen. Die Entscheidung wurde auf Antrag der Regierungsfraktionen von SPD, CDU und Grünen am Montag in einer Sondersitzung des Parlaments in Potsdam getroffen. Ministerpräsident Woidke kündigte unter anderem die Schließung von Clubs und Diskotheken an. Die Landesregierung ziehe auch weitere Maßnahmen in Betracht, „um der Pandemie Herr zu werden“, sagte Woidke.

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Außerdem kritisierte er Aufmärsche gegen die Corona-Schutzmaßnahmen scharf. Es sei absolut inakzeptabel, wenn Kommunal- und Landespolitiker und andere Menschen „persönlich bedroht werden“. Das Land werde dies nicht dulden, sagte der Ministerpräsident. Dahinter stünden nicht besorgte Bürger, sondern „die altbekannten Feinde der Demokratie“. Dieses Zitat wurde auf der Abschlusskundgebung in König Wusterhausen über einen Lautsprecher abgespielt. Die Demonstrierenden buhten und riefen „Woidke muss weg!“.

Mehrere hundert Demonstranten in Berlin

Auch in Berlin haben mehrere hundert Menschen am Montagabend an verschiedenen Orten in der Stadt gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Diese Versammlungen waren allerdings nicht angemeldet, das sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei dem Tagesspiegel. Ab 18 Uhr hätten sich die Gruppen zu „Spaziergängen“ zusammengefunden, um gegen die Covid-Schutzmaßnahmen zu demonstrieren.

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Über die genaue Anzahl der Versammlungsorte machte die Polizeisprecherin keine Angaben. Doch es sei klar, dass sich Demonstranten sowohl am Rathaus Pankow, am Rathaus Schöneberg, an der Gethsemanekirche und in der Knaackstraße in Prenzlauer Berg als auch am Teltower Damm/Kirchstraße in Zehlendorf trafen.

Laut Polizei seien Abstände nicht eingehalten und die Maskenpflicht nicht beachtet worden. Als die Polizei an den verschiedenen Orten eintraf, lösten sich die Gruppen auf. Mehrere Personen sollen kontrolliert worden sein. Gegen einige wurde Anzeige wegen Nicht-Einhaltung der Corona-Regeln erstattet.

Wie viele Demonstranten genau sich an den verschiedenen Orten versammelten, konnte die Polizeisprecherin nicht sagen. Je nach Standort seien die Teilnehmerzahlen „zweistellig bis dreistellig“ gewesen. Die Demonstrationen sollen laut Polizei auch in der Bundeshauptstadt über einen Messengerdienst organisiert worden sein. (mit epd/dpa)

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