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Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne).
© Christian Latz

Offensive für attraktiven Nahverkehr: Jarasch fordert dauerhaft günstiges Einsteiger-Abo für Berlins ÖPNV

Verkehrssenatorin Bettina Jarasch spricht sich für ein günstiges Einsteiger-Abo für den Nahverkehr aus. Neukunden würden sonst schnell wieder aufs Auto umsteigen.

Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) spricht sich angesichts der Pläne zur Absenkung des Abopreises im ÖPNV für die Einführung eines günstigen Einsteiger-Abos im Berliner Nahverkehr aus.

„Wir müssen das Entlastungspaket mit einer Attraktivitätssteigerung des ÖPNV verbinden, sonst kehren die Leute danach wieder zum Auto zurück. Wir wollen deshalb eine Offensive für Neukunden starten und überlegen, ob wir ein attraktives Einsteiger-Abo einführen“, sagte Jarasch am Montag am Rande eines Pressetermins.

Dazu würden derzeit Gespräche im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und der S-Bahn geführt. Wie genau ein solches Angebot aussehen könne, sei jedoch noch vollkommen offen, so die Senatorin.

Angesichts der hohen Spritpreise hatte die Bundesregierung in der vergangenen Woche ein Entlastungspaket beschlossen, das unter anderem die dreimonatige Preisabsenkung von Abonnements im Nahverkehr auf 9 Euro je Monat vorsieht.

Die Verkehrsministerkonferenz der Bundesländer hatte im Anschluss gefordert, Abonnenten stattdessen für drei Monate kostenlos fahren zu lassen, um bei den Verkehrsunternehmen einen zu großen administrativen Aufwand zu vermeiden. Auch die BVG hatte einen Nulltarif für bestehende und Neuabonnenten gefordert und sich zugleich für die Einführung eines autofreien Sonntags in Berlin bei gleichzeitiger Erweiterung des Fahrplan-Angebots ausgesprochen.

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Angesprochen darauf dämpfte Jarasch die Erwartungen an die Pläne der BVG. „Das sind gute Vorschläge, aber keiner davon ist in Tagen oder Wochen umzusetzen“, sagte die Verkehrssenatorin. Dafür bräuchte es wohl eher Monate. Die Ideen seien daher nicht, was man im Rahmen der kurzfristig geplanten Preissenkungen im Nahverkehr einsetzen könne.

Jarasch erklärte, die Preissenkungen für Abonnenten zum 1. Mai einführen zu können. „Das Ziel ist, bis zum ersten Mai alle offenen Fragen geklärt zu haben.“ Allerdings sei derzeit vieles noch unklar, schränkte sie ein. Zunächst befasst sich ein Bund-Länder-Ausschuss mit der genauen Ausgestaltung der Pläne. Anschließend müsse auch noch Bundestag und Bundesrat dem Vorhaben zustimmen.

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Nicht unwahrscheinlich also, dass die dreimonatige Preissenkung zum ersten Juni starten wird – und damit die Berliner Sommerferien umfasst und insgesamt jene Periode des Jahres, in der die wenigsten Menschen Bus und Bahn nutzen. „Das wäre wenig attraktiv für die Berliner“, sagte Jarasch.

"Die BVG hat eine gute Vorlage geliefert, auf der man aufbauen kann", sagte Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands Igeb. Er schloss sich zudem dem Vorschlag Jaraschs für neue Tarif-Angebote an. "Wir brauchen Maßnahmen um die Kunden zu halten, das ist völlig klar", sagt er.

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