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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spricht beim Pressebriefing zum Anschlag auf das Berliner Stromnetz.

© dpa/Britta Pedersen

Nach dem Mega-Stromausfall: Wegners Tennis-Blackout ist ein Sinnbild für Berlins katastrophales Krisenmanagement

Die Auszeit des Regierenden Bürgermeisters mitten in der Not zeigt ein tiefergehendes Problem: Abläufe und Zuständigkeiten sind in der Hauptstadt nicht klar geregelt. Das muss sich dringend ändern.

Robert Ide
Ein Kommentar von Robert Ide

Stand:

Nach den schlimmen Tagen des größten Berliner Stromausfalls seit dem Zweiten Weltkrieg folgen nun wichtige Wochen der Aufarbeitung – und die fangen ganz oben an: beim Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Der war mit seiner Lebenspartnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), am Tag des Terroranschlags am frühen Nachmittag Tennis spielen – zu dem Zeitpunkt stand schon fest, dass der Blackout länger dauern würde. 

Der wichtigste Bürger der Stadt hat die Prioritäten seiner Stadt und seines Amtes falsch eingeschätzt, als er beim Sport abschalten wollte, während 45.000 Haushalte abgeschaltet waren. Fatal angesichts des Umstands, dass Wegner an diesem Tag weder ins Rote Rathaus oder die Innenverwaltung noch zu den Betroffenen gefahren war. Dass er darüber auch noch lange die Unwahrheit gesagt hat, könnte ihn nun Amt und Karriere kosten.

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Der Kommentar von Robert Ide zu Kai Wegners Verhalten zum Nachhören:

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Natürlich hat Stephan Weh von der Polizeigewerkschaft recht, wenn er mahnt, dass es für Polizei und Feuerwehr in Krisenlagen „keinerlei Mehrwert hat, wenn Politiker draußen sind“. Doch die falsche Kommunikation und schlechte politische Koordination offenbaren ein grundsätzlich beunruhigendes Problem: Bisher ist unklar, wer wofür wann zuständig ist in einer Großlage. 

Der Katastrophenschutz ist in Berlin katastrophal organisiert.

Tagesspiegel-Autor Robert Ide

Der Katastrophenschutz ist in Berlin katastrophal organisiert: Es gibt zu wenige Stellen auch in den Bezirken, zu selten digitale Vernetzung, keine klaren Abläufe, kaum Gesamtübersichten über alle verfügbaren Hilfskräfte. Das ist ein schweres Versäumnis nicht nur des aktuellen Senats und muss dringend geändert werden.

Schauen wir noch einmal genau hin: Der Brand an der Kabelbrücke wurde am Samstag um 6.13 Uhr gemeldet. Um 8.07 Uhr hat Wegner nach eigener Aussage davon erfahren. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf war schnell mit der Lage überfordert. Im Bezirksamt war am Wochenende zum Beispiel keine Datei mit alten Menschen verfügbar, die alleine leben.

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Der Senat unter dem im Homeoffice und auf dem Tennisplatz agierenden Wegner schaltete sich viel zu spät ein: Ein zentraler Krisenstab wurde erst Samstagabend einberufen; die Großschadenslage erst am Sonntagmittag ausgerufen. Da hatten 45.000 Haushalte bereits die erste kalte Nacht durchlebt. 

Wegners Abwesenheit ist ein Sinnbild für fehlende Strukturen in Krisenfällen. Vor mehr als drei Jahren hatte der Senat angekündigt, ein Landesamt für Katastrophenschutz aufzubauen. Bis heute gibt es das nicht, sondern nun ein Referat in der Innenverwaltung.

Es braucht dringend einen stadtweit gültigen Ablaufplan: Wie werden Betroffene informiert ohne Handyempfang? Wann übernimmt wer die Koordination? Wie wird gewährleistet, dass alten und kranken Menschen schnell geholfen wird? Wie wird die Energieversorgung besser gesichert, auch gegen Cyberangriffe?

Berlin braucht einen klaren Plan für Krisenfälle. Bis zu den Wahlen im Herbst muss dieser aufgelegt sein. Daraus ergeben sich dann auch leichter die Abläufe für Regierende. Wer auch immer die dann sind.


Jeden Donnerstag ab 6 Uhr kommentiert Robert Ide stadtpolitische Themen bei Simone Panteleit und Team im Berliner Rundfunk 91.4. Im Tagesspiegel finden Sie den Kommentar zum Nachlesen und Nachhören.

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