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Berliner Feuerwehr im Einsatz (Archivbild aus dem Jahr 2011)
© dpa
Update

Silvesternacht: Berliner Feuerwehr löscht mehr als 600 Brände

In ihrer Bilanz zum Silvestereinsatz zählt die Berliner Feuerwehr 53 Prozent mehr Brände als im Vorjahr. Schlimme Einsätze blieben aus, doch es brannten bereits drei Autos. Die BSR verspricht eine schnelle Reinigung der Stadt, die Polizei musste zu knapp 100 Schlägereien ausrücken.

Die Berliner Feuerwehr musste in der vergangenen Nacht öfter ausrücken als in vorigen Silvesternächten. Neben der deutlichen Steigerung bei den Bränden nahm auch die Gesamtzahl der Einsätze nach den Worten eines Sprechers der Berliner Feuerwehr leicht zu. So rückten die Einsatzwagen zwischen 19 Uhr bis zum frühen Neujahrsmorgen um 5 Uhr 1779 Mal aus. Davon waren 1085 Notfalleinsätze, etwa um Verletzte durch Feuerwerkskörper oder Alkoholvergiftete zu behandeln, und 607 Brände.

Im vergangenen Jahr waren 1583 Einsätze und 397 Brände gezählt worden, was bei den Bränden einer Steigerung um 53 Prozent entspricht. 2012 ist damit bereits das vierte Jahr in Folge, das eine Steigerung bei den Bränden aufweist. Zu den Jahreswechseln 2009/10 und 2010/11 hatten Eis und Schnee viele Feuer verhindert, im vergangenen Jahr blieb es trocken. Noch deutlich über der aktuellen Zahl lag der Jahreswechsel 2003/2004, bei dem es knapp 800 Mal brannte.

Bei den Löscheinsätzen der vergangenen Nacht handelte es sich überwiegend um kleinere Feuer, spektakuläre Großbrände blieben aus. Unter anderem brannte in der Elsenstraße in Neukölln ein Zimmer. Die Flammen konnten erst gelöscht werden, nachdem sie auf zwei angrenzende Balkone übergegriffen hatten. Zwei Verletzte gab es bei einem Wohnungsbrand am Britzer Damm, ebenfalls in Neukölln. Einer der Verletzten musste reanimiert werden, danach wurden beide in ein Krankenhaus gebracht.

In der Straße Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg wurden ebenfalls zwei Bewohner bei einem Zimmerbrand verletzt. Auch am Wilhelmruher Damm im Märkischen Viertel musste die Feuerwehr zu einem Brand ausrücken. Dort brannte es in einem Zimmer. Zwei Personen mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Einen Fall von Brandstiftung ereignete sich gegen 0.30 Uhr in der Scheelestraße in Lichterfelde. Laut Polizei beobachteten Zeugen mehrere Jugendliche, die Feuerwerkskörper auf das Gelände eines Stadtteilzentrums warfen. Kurz darauf sei in einem Aufenthaltsraum und einer Kleiderkammer des Zentrums ein Brand ausgebrochen. Die Täter konnten unerkannt entkommen, verletzt wurde niemand.

Ihr Interesse am Silvesterfeuerwerk bezahlte eine 51-Jährige aus Baumschulenweg mit Wirbelsäulenverletzungen und einem Beckenbruch. Sie war laut Polizeiangaben auf einen Stuhl am Fenster ihrer Wohnung gestiegen, um das Feuerwerk besser beobachten zu können. Dabei habe sie das Gleichgewicht verloren und sei vornüber in einen Vorgarten gestürzt.

Neben den Wohnungsbränden fingen auch drei Autos in der Nacht Feuer. Gegen 20 Uhr brannte laut Polizeiangaben in der Krefelder Straße in Moabit ein Auto unbekannten Fabrikats komplett aus. Die Flammen beschädigten auch den Rahmen eines Fensters einer Parterre-Wohnung. Um kurz vor Mitternacht brannte ein vier Jahre alter BMW in der Winkelriedstraße ebenfalls in Moabit aus. Ein zwölf Jahre alter Mercedes brannte gegen 2.30 Uhr in Alt-Pichelsdorf in Spandau komplett aus. Alle Fahrzeugbrände konnten rechtzeitig gelöscht werden, bevor weitere Autos beschädigt wurden. In allen Fällen wird Brandstiftung vermutet.

Die Party am Brandenburger Tor verlief nach Einschätzung von Feuerwehr und Polizei überwiegend friedlich. Trotzdem hätten 332 Personen Hilfe durch Sanitäter benötigt. 24 von ihnen benötigten einen Transport ins Krankenhaus, das waren weniger als die Hälfte des Vorjahres. Die Polizei war mit 1200 Beamten auf der Festmeile vertreten. Ab 18 Uhr mussten die Kontrollstellen wegen zu hohen Andrangs geschlossen werden.
Nach bisheriger Zählung nahm die Polizei sieben Männer unter anderem wegen Verstößen gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz fest.

Insgesamt sei es an Silvester damit zwar zu zahlreichen Einsätzen, nicht aber zu besonders schlimmen Fällen gekommen, resümierte der Feuerwehrsprecher am frühen Dienstagmorgen. Im Einsatz waren rund 1500 Feuerwehrleute, Unfallhelfer und anderer Rettungsdienste.

Die Berliner Polizei sprach in ihrer Bilanz am Dienstagmittag von 4.335 eingegangenen Notrufen, eine gegenüber dem Vorjahr leicht erhöhte Zahl. 98 Mal musste demnach ein Funkwagen wegen Schlägereien ausrücken, 33 Mal wegen anderer Streitigkeiten. Mehr als 100 Einsätze mussten wegen Sachbeschädigungen und unsachgemäßen Umgangs mit Pyrotechnik gefahren werden.

BSR rollte ab drei Uhr morgens mit Spezialfahrzeugen an

Ab drei Uhr früh rollten die ersten Spezialfahrzeuge der Berliner Stadtreinigung (BSR) Unter den Linden an: Wendige Kehrmaschinen, die auch Flaschen aufnehmen und sofort zu Glassplittern zerkleinern können. Das war die Vorhut. Sie bereitete nach der großen Böllerei zum Jahreswechsel das Terrain vor für die Truppe der BSR-Feger, die ab 5 Uhr früh an zentralen Orten der Stadt ihren Einsatz begannen: Rund 600 Mitarbeiter kehrten und sammelten die Reste des Feuerwerks ein. ,,Sie hatten mehr zu tun als an den Neujahrsmorgen der vergangenen Jahre", fasste BSR-Sprecher Bernd Müller den ersten Eindruck der Stadtreiniger vor Ort zusammen. ,,Die Berliner haben diesmal wesentlich mehr geböllert."

Das habe vermutlich auch ,,an den lauen nächtlichen Temperaturen" gelegen. Tatsächlich vergnügten sich die Menschen nach Mitternacht erheblich länger auf den Straßen mit Raketen, Krachern, Knallfröschen und anderer Pyrotechnik. Die Finger schmerzten nicht beim Anzünden der Feuerwerkskörper wie an manchen bitterkalten Silvesternächten, man brauchte nicht mal Schals und Mützen. So trug die BSR schon bis zum Morgengrauen tonnenweise die schäbigen Reste des glitzernden Himmelszaubers zusammen. Auch rund um die Partymeile am Brandenburger Tor waren die Reiniger gut beschäftigt. Denn Tausende, die ab 23 Uhr nicht mehr auf die völlig überfüllte Mega-Fête gelassen wurden, feierten auf den umliegenden Straßen, beispielsweise zwischen großem Stern und Hansaviertel.

In den kommenden Tagen will die BSR dann ,,recht bald" auch in den weniger zentral gelegenen Vierteln anrücken. Rund 1800 Frauen und Männer sollen vom 2. Januar an im Einsatz sein. Und da nach den Wetterprognosen der Winter vorerst nicht zurückkehren soll, werde es ,,wohl rasch vorangehen", verspricht BSR Mann Bernd Müller. Behalten die Meteorologen Recht, muss die BSR keine Reinigungskräfte zur Schnee- und Eisbeseitigung abziehen.

Lesen Sie in unserem Silvester-Blog mehr über die Feiern in Berlin. Wie haben Sie Silvester erlebt? Senden Sie uns Ihre Fotos und Erlebnisberichte an leserbilder@tagesspiegel.de

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