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Schießerei am Tempelhofer Feld : Clan-Intensivtäter in Neukölln getötet

Am Sonntagabend wird in Berlin ein bekannter Intensivtäter aus dem Clan-Milieu erschossen. Die Politik fordert bessere Ausstattung für die Polizei.

Polizisten am Sonntag am Tempelhofer Feld.
Polizisten am Sonntag am Tempelhofer Feld.Foto: Paul Zinken/dpa

Nach den tödlichen Schüssen am Sonntagabend auf das Clan-Mitglied Nidal R., ermittelt die Polizei weiterhin die Hintergründe der Tat. Der 36-Jährige wurde am östlichen Rand des Tempelhofer Feldes niedergeschossen, er ist ein Zögling der großen kriminellen Clans in Berlin.

Auf R. sollen mehrere Schüsse abgegeben worden sein, drei Mal sei er getroffen worden, hieß es: zwei Mal am Arm, einmal am Brustkorb. Die Rettungssanitäter mussten Reanimationsmaßnahmen einleiten - vergeblich, noch am Abend sei er den schweren Verletzungen erlegen, wie die Polizei bestätigen. Gegenüber dem rbb sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Martin Steltner, Nidal R. sei im Beisein seiner Familie erschossen worden. Eine Mordkommission habe die Ermittlungen übernommen und arbeite mit Hochdruck an dem Fall, teilte die Behörde mit. 

R. gilt als einer der berüchtigsten Intensivtäter aus dem Umfeld der Berliner Clans. Er hatte erst vor wenigen Monaten eine Haftstrafe abgesessen und soll sich nun laut "Bild" und "B.Z." mit Arafat Abou-Chaker, dem Ex-Partner von Bushido, verbündet haben. 

Auf Facebook ist ein Video des Tatorts aufgetaucht, das dem Tagesspiegel vorliegt, auf dem zu sehen ist, wie Ersthelfer versuchen, einen am Boden liegenden Mann  minutenlang mit Herzdruckmassage zu reanimieren, bevor dann die ersten Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr eintreffen.

Ein Polizeisprecher bestätigte, dass es ein Video im Internet gebe, dessen Inhalt nun geprüft werde. Bislang aber habe die Polizei keinen Clip gefunden, auf dem die Tat zu sehen ist. Entsprechende Gerüchte hatte es am Sonntagabend im Milieu gegeben.

Vor der Steglitzer Klinik, in die Nidal R. eingeliefert wurde, mussten schwer bewaffnete Polizeibeamte postiert werden. Dort hatten sich 150 Menschen versammelt und zeitweise die Zufahrt blockiert. Noch in der Nacht wurde der Leichnam über eine Nebenausfahrt der Klinik in die Gerichtsmedizin transportiert. Wütende Angehörige des 36 Jahre alten R. wollten zu ihm vordringen. Die Polizei warnte via Twitter: "Bitte kommen Sie nicht zum Krankenhaus, es darf heute Nacht niemand zu ihm."

Auf der Facebookseite des Verstorbenen sprechen in den Stunden nach dem Bekanntwerden seines Tod zahlreiche Menschen ihr Mitgefühl aus.

Doch keine Festnahme: Info-Panne bei der Polizei

Die Polizei leitete nach Tagesspiegel-Informationen wegen der brisanten Lage einen Großeinsatz ein. Der Lagedienst des Polizeipräsidiums hat der Direktion 5 den Fall abgenommen. Das Landeskriminalamt wurde eingeschaltet.

Zudem rückten zahlreiche Beamte aus, um Kontakt zu Familienangehörigen von Nidal R. aufzunehmen. Die Experten des LKA befürchten, dass die Lage eskalieren und es zu Racheakten kommen könnte.

Die Polizei musste am Abend einräumen, dass entgegen erster Mitteilungen via Twitter doch kein Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Eine Fahndung sei eingeleitet worden, hieß es am späten Abend. 

Politik fordert bessere Ausrüstung

Burkard Dregger (CDU), forderte im Interview mit dem rbb außerdem, die Polizei im Kampf gegen die organisierte Kriminalität besser auszustatten. Es mangele sowohl an Personal als auch an der technischen Ausrüstung. "Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass wir versuchen, dass unsere Polizei sich auf Augenhöhe mit diesen Verbechern beschäftigen kann", sagte Dregger.

Bundesweit bekannt wurde der Libanese schon in den Neunzigern, als Berlins schlimmster Intensivtäter - bevor er strafmündig wurde, hatte R. schon 80 Einträge in seiner Polizeiakte. Immer wieder fiel er auch als Autoraser auf, neben Gewalttaten reizten ihn offenbar StVO-Verstöße. Schon 2010 wurde in Neukölln auf ihn geschossen.

Die Rettungsdienst ist am späten Nachmittag gegen 17.45 Uhr alarmiert worden. Der Tatort liegt an der Warthestraße, Ecke Oderstraße in Neukölln. Die Frau des angeschossenen Mannes habe einen Schock erlitten, hieß es.

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