Sie ist das achte Opfer in diesem Jahr – und war vermutlich unvorsichtig
BVG

Auf Fahrgäste der BVG kommt im neuen Jahr einiges zu: Auf drei U-Bahnlinien wird gebaut, der Verkehr muss dafür sogar unterbrochen werden. Auch der Straßenbahnverkehr ist betroffen.
In vier Fällen wurden am Freitagabend und in der Nacht zu Sonnabend Busfahrer und Kontrolleure der BVG attackiert oder bedroht. In Marzahn bedrohte ein Schwarzfahrer zwei Kontrolleure in einer Straßenbahn mit dem Messer.
Die Gewalt im öffentlichen Nahverkehr Berlins reißt nicht ab: Allein in der vergangenen Nacht sind in vier Bezirken Berlins mehrere Bus- und Tramfahrer von Fahrgästen beleidigt, mit Waffen bedroht und angegriffen worden.

Im Streit um eine baldige Erhöhung der BVG-Preise hat Finanzsenator Thilo Sarrazin am Donnerstag scharfe Kritik einstecken müssen – auch aus den eigenen Reihen.
Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat seine Senatskollegen verblüfft: Nur einen Tag, nachdem Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verkündet hatte, dass es im nächsten Jahr keine Tariferhöhung im Nahverkehr geben werde, erklärte Sarrazin, einen solchen Beschluss des Senats habe es nicht gegeben.
Die Sicherheitsfirma Securitas, die die Fahrscheinkontrolleure für die Berliner Verkehrsbetriebe stellen, will mehr Geld für zusätzlich geschaffene Stellen. Doch die BVG betrachtet das Aufstocken des Personals als Folgeauftrag.

Mit höheren Preisen bei der BVG wollten Berliner Innenpolitiker von SPD und CDU mehr Sicherheitspersonal bezahlen. Nun müssen sie sich eine neue Geldquelle suchen.
Die BVG will den Auftrag für Sicherheitsdienste neu ausschreiben, weil die Firma Securitas hohe Nachforderungen stellt. Der Hintergrund: Die Mitarbeiter sind wegen tätlicher Angriffe oft krank.

Eine Frage der Taktik: Die Attacken auf Berliner Busfahrer werden immer brutaler. Nun trainieren sie den Umgang mit aggressiven Fahrgästen.

Das Naturkundemuseum an der Invalidenstraße in Mitte muss noch ein Jahr warten, ehe der wenige hundert Meter entfernte U-Bahnhof Zinnowitzer Straße an der U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf) in Naturkundemuseum umbenannt wird.
Die Kontolleure der BVG erwischten dieses Jahr bereits 376.677 Sünder beim Fahren ohne Fahrschein. Allerdings konnten 60.000 der Fahrer nachträglich ihr Ticket vorzeigen.
Die gute Nachricht: Künftig könnte es ein verbilligtes Seniorenticket für die Region geben. Die schlechte: In Berlin ist nicht ausgeschlossen, dass für alle anderen Passagiere die Fahrpreise steigen. Dafür ist zumindest BVG-Aufsichtsratschef Thilo Sarrazin. Nächste Woche will der Senat entscheiden.
Die neuesten Fahrzeuge stehen wegen defekter Achsen in der Werkstatt, täglich fehlen 14 Wagen für den Betrieb. Ähnliche Probleme gibt es auch bei der S-Bahn. Auf einen Reservebestand verzichten beide.
Klaus Kurpjuweit glaubt nicht an die Wunderscheibe in den BVG-Bussen
Um die Busfahrer besser zu schützen, werden in alle Fahrzeuge Seitenscheiben eingebaut. So sollen die Übergriffe, die sich in letzter Zeit gehäuft haben, verhindert werden. Zusätzlich wird die Videoüberwachung ausgebaut.
Nach den zahlreichen Übergriffen auf Busfahrer wird das BVG-Personal besser geschützt. Alle Busse erhalten Sicherheitsscheiben. Kabinen soll es aber nicht geben.

Gerd Nowakowski über die Gewalt gegen Berliner Busfahrer und Passagiere
Die Gewalt in den Bussen und Bahnen der BVG nimmt nicht ab: In der Nacht zu Sonntag kam es zu sieben Attacken gegen Busfahrer, Fahrgäste und Fahrzeuge.
Ein Randalierer prügelt in Wittenau einen Busfahrer krankenhausreif. Wenige Minuten später kommt es in einem Bus in Wedding ebenfalls zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung.
Am 1. März diesen Jahres soll er einen Busfahrer auf der Linie M 29 mit einem Messer niedergestochen haben. Dafür wurde der 25-Jährige bereits verurteilt. Doch dagegen hat die Staatsanwaltschaft nun erfolgreich Beschwerde eingelegt.

Die BVG hat möglicherweise 157 Millionen Dollar in den Sand gesetzt - durch so genannte Cross-Border-Leasing-Geschäfte. Schon 2003 gab es Warnungen vor solchen Deals. Nun steht der BVG-Aufsichtsratschef in der Kritik - das ist SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin.

Ulrich Zawatka-Gerlach über die Verstrickung der BVG in das allgemeine Finanzdebakel

2002 hatte die BVG mehr als 900 U- und Straßenbahnwagen an US-Investoren vermietet und anschließend zurückgemietet. Doch jetzt verwandelt die Finanzkrise das einträgliche Geschäft in ein Risiko für das Verkehrsunternehmen - in Höhe von 157 Millionen Euro.
Erneut sind BVG-Fahrer bespuckt, geschlagen und gebissen worden - bis zum Jahresende sollen alle 2540 Buslenker ein Deeskalationstraining absolviert haben.
Gebissen und geschlagen: Ein Unbekannter hat in der Nacht zum Mittwoch einen Tramfahrer attackiert. Zuvor hatte er in einer Straßenbahn randaliert. Wenig später wurde auch ein Busfahrer von einem Unbekannten angegriffen.
Wie lange sollen Videoaufzeichnungen bei der BVG gespeichert werden? Die Verkehrsbetriebe wollten die Aufnahmen 48 Stunden lang speichern. Jetzt wurden sie von Innensenator Körting zurückgepfiffen.
Das wird hart im nächsten Frühjahr: Vier Monate lang wird die U2 wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Die Straßenbahn kann während dieser Zeit auch nicht fahren.
Die Gewaltserie gegen Busfahrer reißt nicht ab. Mit einem Faustschlag wollte ein Mann vergangene Nacht seine Mitfahrt erkaufen. Der BVG-Mitarbeiter trug leichte Verletzungen davon.
Ein Busfahrerin ist auf ihrer Tour in Neukölln, als sie plötzlich von Jugendlichen mit Laserpointern geblendet wird. Die 53-Jährige kann den Bus gerade noch stoppen. Die Frau erleidet einen Schock.
Die Berliner Polizei wertet die Bilder aus der Videoüberwachung nun verstärkt aus und hat bereits mehrfach Straftäter ermittelt. Die Gewerkschaft will aber lieber wieder Streifen von Polizei und BVG-Mitarbeitern.
Der Vorschlag des Berliner Polizeichefs Dieter Glietsch auf Fahrscheinkontrollen zu verzichten, stößt bei den Busfahrern nur auf wenig Zustimmung. Mit schützenden Fahrerkabinen könnten sie sich jedoch anfreunden.
Erst randalierte er an einer Haltestelle, dann wurde der 15-Jährige handgreiflich. Doch bei der Attacke gegen einen Tramfahrer in Marzahn behielt der Fahrer die Oberhand.

Die BVG reagiert auf die Kritik des Polizeipräsidenten, Fahrer zu wenig zu schützen. Jetzt wird geprüft, ob die Pflicht zum Vordereinstieg beibehalten werden soll. Was meinen Sie? Sollten Busfahrer aufhören, Tickets zu kontrollieren und alle Türen zum Einstieg öffnen?
Mit einem Messer ängstigte ein 23-Jähriger mehrere Fahrgäste der Linie M48. Der Busfahrer konnte die Polizei verständigen, die das Fahrzeug stürmte.

Drogenhandel, Pöbeleien und Übergriffe: Wird der Nahverkehr immer unsicherer? Nein, sagt Polizeipräsident Glietsch. Die BVG müsse aber mehr für Busfahrer tun.

Der Senat gibt kein Geld für zusätzliches Sicherheitspersonal im öffentlichen Nahverkehr, anders sieht es im Regionalverkehr aus. BVG-Mitarbeiter sind verärgert.
PRODie Angst fährt immer mit“, sagen Fahrer der BVG wie Passagiere, die Zeugen oder gar Opfer von Übergriffen wurden. Man muss kein Hasenfuß sein, um diese Angst nachvollziehen zu können.

Ein 81-Jähriger wurde am Donnerstag von einer Straßenbahn getötet - er ist damit bereits das siebte Opfer in diesem Jahr. Die BVG fühlt sich dafür nicht verantwortlich, sondern meint, dass die Verkehrsteilnehmer zu unachtsam sind. Was denken Sie, sind die Trams zu unauffällig oder die Leute nicht aufmerksam genug?

Finanzsenator Sarrazin stellt kein zusätzliches Geld für mehr Sicherheit bei der BVG zur Verfügung. Grund: Die Verkehrsbetriebe erwarten in diesem Jahr weniger Gewaltvorfälle als in den Jahren zuvor.