Marc Vallendar, AfD: Mann ohne Illusionen

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Zum ersten Mal im Berliner Parlament : Wir sind die Neuen im Abgeordnetenhaus
Clara Lipkowski Jonas Schaible
Trägt eine Deutschlandfahne am Revers: Marc Vallendar, AfD
Trägt eine Deutschlandfahne am Revers: Marc Vallendar, AfDFoto: Mike Wolff

Name: Marc Vallendar
Alter: 30
Partei: AfD
Versuche, in ein Parlament zu kommen: 1
Was mich umtreibt: Euro-Rettung, Verwaltung.
Das wird sich verändern: Fürs Privatleben wird weniger Zeit sein. Aber ich bin seit einiger Zeit Single.
Das will ich lernen: Bessere Reden vor großem Publikum zu halten.

Wenn ein Parlament neu besetzt wird, sind die Plätze in den Ausschüssen innerhalb der Fraktionen umkämpft. Marc Vallendar, AfD, 30 Jahre, Listenplatz 13, nicht ganz hinten, aber auch nicht weit vorne, stellvertretender Vorsitzender der Jungen Alternative Berlin, aber nicht Vorsitzender, Marc Vallendar also möchte in den Innenausschuss. "Aber das wollen fast alle in der Fraktion." Also werden andere den Vortritt bekommen – und Vallendar? "Ich werde dann wohl in den Verfassungsausschuss müssen". Da sei ein Volljurist wie er sehr gut aufgehoben.

Er fürchtet die Isolation

Vallendar gibt sich auch sonst keinen Illusionen hin. Er fürchte, sagt er, dass die anderen Fraktionen seine Partei schneiden werden, isolieren, sogar innerhalb der Opposition. Vielleicht könne man hinter den Kulissen zusammenarbeiten. Öffentlich würde man gewiss auf Distanz bleiben, sagt er, am Revers ein Deutschlandfähnchen.

Zunächst sind aber Mitarbeiter das große Thema bei der künftigen AfD-Fraktion – er selbst hat schon eine Kandidatin im Blick, er kennt sie aus der Jungen Alternative, bald will er alles mit dem Abgeordnetenhaus klären. In einer blauen Plastikmappe mit transparentem Deckel trägt Vallendar die Tagesordnung für die Fraktionssitzung an diesem Tag, dazu Parlamentsrichtlinien, eine Immobilienanzeige für ein Wahlkreis-Büro. "Ich bin recht diszipliniert", sagt er, dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, hellblaue Krawatte.

Und beständig: Vallendar zog im Grundschulalter nach Berlin, weiterer Lebensweg: Abitur, Bundeswehr, Jura in Potsdam, Referendariat wieder in Berlin, seit einem Jahr eine Anwaltskanzlei in Charlottenburg. Er sei aber auch im Land herumgekommen, als Soldat und als Verbindungsstudent, nach Göttingen, Erlangen, Marburg.

Große Kanzler? Brandt und Schmidt

Im Studium trat er der FDP bei. Die Eurorettungspolitik hat ihn zur AfD gebracht. Politische Idole: Gustav Stresemann; Robert Blum; Graf Stauffenberg. Irgendjemand aus der jüngeren Vergangenheit? "Ich finde, Helmut Schmidt und Willy Brandt waren auch große Kanzler." Wie jetzt, nicht Adenauer oder Kohl? "Adenauer war auch gut. Kohl hatte schon seine Schwächen." Eigentlich werde aber sowieso nur Merkel in die Geschichte eingehen als schlechte Kanzlerin. Wegen der Euro-Rettung und der Flüchtlingspolitik, die Vallendar oft kritisiert, ohne dabei scharf im Ton zu werden. Er fordert Sammellager für Asylbewerber auf Inseln. Er träumt von der AfD als Volkspartei und einem Europa der Nationen, alles rückgebaut und subsidiär – und dann zurückziehen aus der Politik, so wie der Brite Nigel Farage, wenn der Job erledigt ist, da lacht Vallendar ganz kurz.

Aber welches Ziel hat jemand wie er, ein womöglich von den anderen Fraktionen isolierter Oppositionspolitiker, hier und heute? Was will er anstoßen, woran soll man sich erinnern, wenn man in fünf Jahren an ihn denkt? Er habe da schon Material, in das er sich einlesen wolle. Vallendar klopft auf seinen blauen Plastikhefter. Er könnte sich dafür einsetzen, dass Stadträte einen verbeamteten Profi als Beisitzer bekommen. Und dann gibt es noch ein Ziel, ein wagemutiges: "Es wäre schön, wenn wir die Landesregierung überzeugen können, dass Tegel offen bleibt." Gemeinsam mit der FDP.

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