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Suche nach der richtigen Strategie gegen Corona: Anne Will und ihre Gäste
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TV-Talk „Anne Will“ zu Corona: „Der Lockdown ist nicht das Allheilmittel“

Hat Deutschland noch die richtige Strategie gegen das Coronavirus? Bei Anne Will wird deutlich, dass ein echter Fahrplan nicht in Sicht ist.

Sechs Gäste, mindestens genauso viele Ansätze: Schon bei möglichen Lockdowns ging es los bei Anne Will und ihren Talkgästen am Sonntagabend. Während Berlins Bürgermeister Michael Müller keine genaue Infektionszahl nennen wollte, ab wann noch strengere Kontaktbeschränkungen in Kraft treten könnten, hat sich der Berliner Senat zumindest auf einen Corona-Stufenplan geeinigt:  Demzufolge könnten auch Schulen und Kitas der Stadt wieder geschlossen werden.

Angestrebt wird weiteres Homeschooling zwar weder von Müller noch von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der „Schulen, Kitas und das wirtschaftliche Leben möglichst unberührt lassen“ will. Nicht wirklich hilfreich waren allerdings Anne Wills häufige Nachfragen an die Politiker, ob sie diese oder jene Maßnahmen wirklich „ausschließen“ könnten.

Ausgeschlossen ist zumindest nach aktueller Lage gar nichts, auch wenn Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie, betonte: „Der Lockdown ist nicht das Allheilmittel“. Er verwies etwa auf Italien und Spanien, die im Gegensatz zu Deutschland wirklich harte Lockdowns umgesetzt haben – und derzeit – wieder – schlechter dastehen als die Bundesrepublik.

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Nida-Rümelin fand einen anderen Problempunkt der Pandemie, der da heißt: Digitalisierung. Munter seine Maske schwingend kritisierte er, das Infektionsgeschehen sei digital schlecht oder kaum verfolgbar. Ein Grund: Die durchlässige Corona-App, ein weiterer: unter anderem der Datenschutz, die besagte App so durchlässig macht.

Diskussion um Datenschutz und die App

Dass der Infektionsschutz derzeit den Kürzeren gegen den Datenschutz zieht, kommt Nida-Rümelin falsch vor; der ehemalige FDP-Bundesinnenminister Gerhart Baum hielt dagegen, der „Datenschutz könne nicht der Prügelknabe“ sein. „Die App ist darauf angewiesen, dass die Leute mitmachen“, sagte Baum – ein Problem, dessen Ursachen er allerdings teils selbst erklärte: „Die Leute in Köln verstehen zum Beispiel nicht, dass sie in eine volle Straßenbahn steigen sollen, aber dann nur 250 Leute in die Philharmonie dürfen, die für mehr als 2.000 Menschen Platz hat“. „Ständiges Drohen mit Strafen“ hält Baum für kontraproduktiv, „man müsse die Leute überzeugen“. Dass das leicht gesagt, aber schwer getan ist, zeigen nicht nur die Querdenker-Demos in Berlin und anderen Städten.

Erstaunlich wenig zu Wort kam Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, ihres Zeichens auch Geschäftsführerin des Biotechnologieunternehmens AiCuris. Während Armin Laschet gleich zu Beginn ausbreiten durfte, ob und warum die CDU (k)einen Präsenz-Parteitag veranstalten will – eine Veranstaltung, die er interessanterweise mehrfach mit Beerdigungen verglich – kam Rübsamen-Schaeff nur zweimal länger zu Wort. Sie plädierte für das Tragen von FFP2-Masken an belebten Orten mit vielen Menschen; zusätzlich sollten flächendeckende Schnelltests ausgewertet werden: So könnten Infizierte binnen 20 Minuten „erkannt“ und im Ernstfall von Veranstaltungen, Flügen etc. ausgeschlossen werden. Die Auslieferung dieser Tests beginnt laut Michael Müller allerdings gerade erst. Zur Verfügung stehen sollen sie zunächst vor allem in kritischen Bereichen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

„Wir werden auch im Juni nicht damit durch sein“

Ein wenig erfreuliches Bild der Situation zeichnete auch Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamtes Wiesbaden. „Wir können die Kontaktverfolgung nicht mehr zeitnah leisten“, sagte sie. Die neue Berliner Regel, Infizierte möchten bitte ihre Kontaktpersonen selbst informieren, hält sie für „der Not geschuldet“. Für sinnvoll nicht. Sehr interessant dazu eine Bemerkung Laschets, die Gesundheitsämter sollten „flexibel reagieren“. Wie es um Flexibilität bei bereits eingetretener oder bevorstehender totaler Überlastung bestellt sein dürfte, durften sich die Zuschauer selbst ausmalen.

Ein kleiner Lichtblick kam gegen Ende des Talks von Ruebsamen-Schaeff, die sagte: „Die Wissenschaft wird das Problem lösen, aber nicht über Nacht.“ Dämpfer: „Wir werden im Januar nicht damit durch sein, wir werden auch im Juni nicht damit durch sein.“ Fährt Deutschland also noch die richtige Strategie? Die Runde zeigte deutlich: Die Meinungen gehen weit auseinander – und von einem echten „Fahrplan“ ist nichts in Sicht.

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