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Hoffen. Ein Pfleger wartet auf einen Patienten, der möglicherweise infiziert ist.
© (Archiv) John Wessels/AFP

Von einer Fledermaus übertragen?: Ebola ist zurück

Im Osten hat die Demokratische Republik Kongo die gefährliche Virusepidemie erfolgreich bekämpft – jetzt ist der Erreger im Westen des Landes erneut vom Tier auf den Menschen übergesprungen.

Seit Mitte 2018 kämpft die Demokratische Republik Kongo (DRC) gegen eine Ebola-Epidemie im Nordosten des Landes. 2280 Menschen fielen der Seuche bislang zum Opfer. Ende Mai schien das Virus endlich unter Kontrolle zu sein, der zehnte Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land gestoppt. Doch nun ist das Fieber im 1200 Kilometer entfernten Mbandaka in der nordwestlichen Provinz Equateur erneut aufgetaucht.

Elf Menschen haben sich infiziert, neun sind gestorben, so die offizielle Zählung des Gesundheitsministeriums in DRC. Drei weitere stehen unter Verdacht, sich mit Ebola angesteckt zu haben – und zwar mit einer Virus-Variante, die offenbar neu von Tieren auf den Menschen übergesprungen ist, also nicht etwa aus dem Nordosten nach Bikoro verschleppt wurde. Das belegen Erbgutanalysen.

Eigentlich standen die Weltgesundheitsorganisation WHO, die vielen weiteren Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und die Gesundheitsbehörden der DRC kurz vor dem Triumph, nach zwei Jahren Arbeit unter widrigsten Bedingungen, in der unwegsamen und vom Bürgerkrieg heimgesuchten Region, die Ausbreitung von Ebola fast vollständig gestoppt zu haben.

Mithilfe der ersten zwei, nachweislich wirksamen Impfstoffe gegen die Infektionskrankheit, die seit August 2018 fast 400.000 Menschen in der Region verabreicht wurden, konnte die Ausbreitung allmählich eingedämmt werden. Seit etwa vier Wochen ist dort kein neuer Fall mehr registriert worden, doch offiziell kann der Ausbruch erst nach 42 Tagen ohne Neuinfektionsmeldungen als beendet erklärt werden.

Doch selbst wenn dieses Ziel in Sicht ist – inzwischen erreichten die WHO Meldungen über fünf Todesfälle, unter ihnen ein 15-jähriges Mädchen, die zwischen dem 18. und 30. Mai in Mbandaka registriert wurden und bei denen im Nachhinein eine Ebola-Infektion festgestellt wurde. Vier weitere Infizierte wurden identifiziert und im Wangata-Krankenhaus der Stadt auf einer Isolierstation behandelt. Auch potentielle Kontakte der Infizierten werden dort betreut.

Die Erstinfizierte ist gefunden - wen hat sie noch angesteckt?

Als „Index-Patientin“, als Erstinfizierte, gilt eine 27-Jährige, die am 18. Mai in der Klinik starb. Dort steckte sich wohl auch ein Krankenpfleger an, der wiederum seine Frau infizierte. Bislang lassen sich alle Infektionen auf einen Kontakt mit der Indexpatientin oder deren Kontakten zurückführen.

Blutproben der Infizierten wurden ans „Institut National de Recherche Biomédicale“ (INRB) in Kinshasa geschickt, wo nicht nur das Erbgut des Ebolavirus nachgewiesen werden konnte, sondern auch charakteristische DNA-Unterschiede zu den Viren entdeckt wurden, die in den vergangenen 22 Monaten in den Provinzen Ituri und Tumba im Nordwesten des Landes kursierten. „Aufgrund des Ausmaßes der Unterschiede zu ]Ituri (mehr als 350 Abweichungen) und Tumba (mehr als 150 Abweichungen) repräsentiert dieses Genom wahrscheinlich ein neues Übersprung-Ereignis“ von Tieren (wahrscheinlich Fledermäusen) auf Menschen, schreibt das Forschungsteam um Jean Jacques Muyembe-Tamfum vom INRB und Catherine Pratt von der Universität Nebraska auf der Virologie-Website „Virological.org“.

Damit wird das Land, wo 1975 der erste Ausbruch in der Nähe des Ebola-Flusses dokumentiert wurde, von seinem insgesamt elften Ebola-Ausbruch heimgesucht, dem dritten innerhalb von drei Jahren. Schon einmal, im Mai 2018, gab es in der Provinz Equateur einen Ebola-Ausbruch. Bis zum August 2018 starben dort 33 Menschen. Der erneute Ausbruch sei eine Erinnerung, dass Ebolaviren in den Tieren der Region kursiere und dass ein Überspringen auf den Menschen eine kontinuierliche Gefahr sei, erklärte der WHO-Generalsekretär Tedros in einem Statement.

Das Gesundheitssystem ist völlig geschwächt

Neben der WHO hat auch die Europäische Union Hilfsmaterial – etwa Masken, Handschuhe und Wasseraufbereiter – in die Region geschickt. Die Hilfe wird dringend benötigt, denn Ebola ist bei Weitem nicht die einzige und noch nicht einmal die tödlichste Infektionskrankheit, mit der das Land ringt. Die hochansteckenden Masern haben bereits über 370.000 infiziert und 6800 Todesfälle verursacht. Und auch Sars-CoV-2 ist in DRC inzwischen präsent: etwa 4600 Infizierte und 100 Tote zählt das Land.

Die Viren kursieren in einem Staat, dessen „Gesundheitssystem seit Jahren durch Konflikte und Vernachlässigung geschwächt ist“, sagt Chantal Umutoni vom United Nations Children’s Fund (Unicef) in DRC. Die Ausbrüche werden das Gesundheitssystem weiter schwächen und vor allem Kinder, Mütter und Schwangere werden darunter leiden, wenn jetzt die medizinische Grundversorgung, etwa mit Kinderschutzimpfungen oder Malaria Schutzmaßnahmen, zu kurz kommen. Die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre zeige, dass während des Ebola-Ausbruchs Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen vernachlässigt wurden und sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV und ungewollte Schwangerschaften gestiegen sind, so ein Bericht der Hilfsorganisation IRC.

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