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Thema

Argentinien

Eigentlich sollte Rodolfo Cardoso ganz behutsam aufgebaut werden nach seiner Knieverletzung. Es ist schließlich fast ein Jahr her, dass der Spielmacher aus Argentinien zum letzten Mal in einer Anfangsformation des Hamburger SV stand.

Alte Woody-Allen-Fans erinnern sich mit Begeisterung an den Film "Bananas", in dem die Revolutionspolitik der Entwicklungsländer in den 50-er und 60-er Jahren auf die Schippe genommen wird. Wer heute richtig verrückte Wirtschaftspolitik sehen will, muss gar nicht ins Kino gehen; ein Blick nach Argentinien genügt.

Wenn Berti Vogts seinen neuen Job als schottischer Nationaltrainer antritt, dann wird er schnell merken, dass sich diese Lebenswende bereits 1978 abgezeichnet hat. In jenem Jahr starteten die Schotten bei der Weltmeisterschaft in Argentinien - in der vollen Überzeugung, das Turnier zu gewinnen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich in der Debatte um Globalisierung und die Reform der internationalen Finanzmärkte zu Wort gemeldet. Gerade werde in Argentinien wieder einmal deutlich, dass vor allem die Armen die Opfer von wirtschaftlicher Instabilität und von Finanz- und Währungskrisen seien, sagte der Bochumer Professor Joachim Wiemeyer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik" am Dienstag in Frankfurt.

Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde hat indirekt den Verlust von Dollar-Guthaben in Milliardenhöhe hunderttausender Bürger zugegeben. Die Bankeinlagen könnten nicht mehr "in der Originalwährung" zurückgezahlt werden, weil die Dollar schlicht "nicht da sind", sagte der Staatschef.

Die argentinische Regierung hat angesichts der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise des Landes bis zum Jahresende einen Lebensmittelnotstand ausgerufen. Zugleich gewährte der Internationale Währungsfonds einen einjährigen Rückzalungsaufschub für einen Kredit von 1,05 Mrd.

Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, ist das Geschrei meist nicht zu überhören. So auch im Falle Argentiniens: Laut streiten die Regierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) darüber, wer die Schuld an der schweren Wirtschaftskrise des Landes trägt und, vor allem, welcher Weg in eine bessere Zukunft einzuschlagen wäre.

Von Carsten Brönstrup

Der argentinische Vize-Wirtschaftsminister Jorge Todesca hat scharfe Kritik am Internationalen Währungsfonds (IWF) geübt und diesem mangelndes Verständnis für sein Land vorgeworfen, das in einer schweren Finanzkrise steckt. Die Regierung in Buenos Aires arbeite sehr hart an einem schlüssigen Konzept, um die schwere Rezession in den Griff zu bekommen.

In der vergangenen Woche wurde der argentinische Peso abgewertet und ist nun wieder frei handelbar. Damit hat die allgemeine wirtschaftliche Weisheit wieder die Oberhand gewonnen.

In Argentinien herrscht nach der Abwertung des Peso um 29 Prozent weiter große Verunsicherung über die künftige Wechselkursentwicklung. Die Zentralbank verschob am Dienstagabend die eigentlich für Mittwoch vorgesehene Wiederaufnahme des Devisenhandels auf Donnerstag.

Die zahlungsunfähige argentinische Regierung will vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen Geldgebern 15 Milliarden Dollar (16,8 Milliarden Euro) an neuen Krediten, um die schwere Wirtschaftskrise zu überwinden. Wie die Zeitung "La Nación" am Dienstag unter Berufung auf Beamte des Finanzministeriums berichtete, hofft die Regierung von Präsident Eduardo Duhalde darauf, dass der Fonds eine Kredittranche von neun Milliarden Dollar aus einem Ende 2000 vereinbarten Hilfspaket freigibt.

Die argentinische Wirtschaft liegt darnieder, das Land steht am ökonomischen Abgrund. Da grenzt es fast an ein Wunder, wenn am Rio de la Plata ein neues Museum eingeweiht wird, das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires, kurz "Malba" genannt.

Ob der britische Premier, so ein Zuschauer in der politischen Fragesendung der BBC, nach seinen Vermittlungsgesprächen in der Kaschmirkrise nicht gleich zur Rettung des Peso nach Argentinien weiterfliegen und unterwegs die Buschfeuer in Sydney bekämpfen solle? Nun ist Tony Blair wieder dort, wo er nach Meinung seiner Kritiker hingehört.

Von Matthias Thibaut

Crashzeiten sind Boomzeiten für die Börse, jedenfalls in Buenos Aires. Am Mittwoch legte der argentinische Börsenindex Merval um 9,58 Prozent zu.

Wegen seiner bulligen Statur nennen seine Landsleute ihn "den Großkopf": Argentiniens neuer Präsident Eduardo Duhalde, 60, gilt als Dickschädel. Den wird er brauchen, um nicht nur als Fußnote in die Geschichte einzugehen.

Argentinien lässt sich nicht ohne die Peronisten regieren, aber mit ihnen auch nicht - jedenfalls nicht, solange sich die wichtigste Massenbewegung nicht auf einen neuen Chef geeinigt hat. Das ist die Lehre aus den politischen Wirren der vergangenen Wochen.

Ganze sieben Tage regierte der peronistische Präsident Adolfo Rodríguez Saá, dann jagte das Volk sein Kabinett davon. Der Mann ist dem Amt nicht gewachsen, das haben die ersten 48 Stunden in der Casa Rosada gezeigt.

Die neue argentinische Währung "Argentino" könnte nach Angaben eines Regierungsvertreters bereits in 15 Tagen im Umlauf sein. Bis zum späten Freitag dürfte dem Kongress ein Antrag für die Bildung einer neuen Währung zugehen, sagte Luis Luquinos, Stabschef im Präsidialamt des Übergangsministers Adolfo Rodriguez Saa, am Donnerstag.

Argentinien will mit der Einführung einer neuen Währung namens "Argentino" nach Angaben des neuen Finanzsekretärs Rodolfo Frigeri den Ausstieg aus dem System der Bindung der bisherigen Landeswährung Peso an den Dollar bewältigen. Mit dem "Argentino" werde das Land den geordneten Ausstieg aus der jahrzehntelangen Bindung des Peso an den Dollar schaffen, erklärte Frigeri am Mittwoch.

Erst die Fernsehberichte über Plünderungen und Ausnahmezustand in Buenos Aires haben die argentinische Krise ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Nach vier Jahren Rezession steht Argentinien vor der Pleite.

"Fremdsein ist nicht das A und O meines Schaffens, aber ein Gefühl, das mir erlaubt, mit dem Körper an einem Ort, mit dem Kopf oft ganz woanders zu sein ..

Der Peronist Adolfo Rodriguez Saa wird neuer Übergangspräsident von Argentinien. Der 54-jährige Provinzgouverneur soll das südamerikanische Land nach dem Rücktritt von Staatschef Fernando de la Rua bis zur Abhaltung neuer Wahlen in gut zwei Monaten regieren.

Nach dem Rücktritt des bisherigen Präsidenten Fernando de la Rua ist Senatspräsident Ramon Puerta am Freitag zum Übergangspräsidenten Argentiniens ernannt worden. Der 50 Jahre alte peronistische Politiker aus der Nordostprovinz Misiones wurde auf einer Sondersitzung beider Häuser des Kongresses zum Nachfolger de la Ruas berufen.

Das Weihnachtspostamt Himmelpfort an der nördlichen Brandenburger Landesgrenze steuert auf einen Rekord zu. Mehr als 210 000 Briefe und Karten aus aller Welt sind seit der diesjährigen Eröffnung Ende November eingetroffen und zum größten Teil beantwortet worden - 30 000 mehr als beim vergangenen Weihnachtsfest.

Von Claus-Dieter Steyer

Die Geduld des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit der argentinischen Regierung scheint endgültig am Ende zu sein. Die Mischung aus Steuerpolitik, Schulden und Wechselkurs sei eindeutig nicht tragbar, sagte IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff in Washington.

Argentinien versinkt im Chaos, und die Welt schaut zu. Zu dieser neuen schönen Welt aber wollte Argentinien unbedingt gehören.

Von Armin Lehmann

Das Instrument, das vor zehn Jahren eines der größten Probleme Argentiniens löste, bringt das Land nun in Bedrängnis: die Bindung des Peso an den US-Dollar (Currency Board). Damit vertrieb die Regierung Hyperinflation und Staatsverschuldung.

Der Tango ist traurig, es gibt kein Happy End. Das genau ist jetzt die große Gefahr für Argentinien, dem Land, das den Tanz geboren hat.

Von Armin Lehmann

Jetzt, wo Weihnachten naht, muss man sich vorsehen. Die Städte haben ihre Märkte; zu Tausenden drängen sich die Erwartungsfrohen um Lebkuchenhäuser und Christbaumschmuck.

Von Robert von Rimscha

Immer mehr Tänzer lockt es in die immer zahlreicheren Tangosäle. Mitten in diesem Boom hat die lange Zeit wichtigste Institution des argentinischen Tangos in Berlin jetzt endgültig geschlossen.

Von Andreas Oswald

"Es ist die Rückkehr des weißen Ritters", wurde an der Wall Street geschwärmt, als Domingo Cavallo im März diesen Jahres erneut in die Regierung berufe wurde. In der Tat: Dieser Mann hatte einen Ruf zu verlieren.

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