Mit den Waffen der IRA könnten nach einer Rechnung der "Times" zwei Armeebataillone ausgerüstet werden. Die IRA gilt als die am besten ausgestattete Terror-Organisation der Welt.
Nordirland
Nach 20 Monaten droht in Nordirland das Ende der Regionalregierung. Protestantenführer David Trimble lehnte am Dienstag das Angebot der katholischen Untergrundorganisation IRA zur Entwaffnung ab.
Einen Tag nach dem Entwaffnungsvorschlag der IRA haben sich die Friedensaussichten in Nordirland am Dienstag wieder verschlechtert. Der zurückgetretene nordirische Regierungschef und Protestantenführer David Trimble verweigerte seine Zustimmung zum Friedenspaket der britischen und irischen Regierung.
Die Zahl der Waffen, mit denen die Nordiren tagtäglich konfrontiert sind, soll geringer werden. Zu verdanken ist dies - nein, nicht der IRA, sondern zunächst einem Vorschlag der britischen Regierung, die ihre Truppen in der Provinz reduzieren will.
Die protestantischen Ulster Unionisten haben zurückhaltend auf das Friedenssignal der IRA reagiert: Ein Fortschritt, aber die entscheidende Frage bleibe unbeantwortet - die nach der Entwaffnung der IRA. Erst wenn die wirklich begonnen habe, sagte Unionistenführer David Trimble, könne er in die durch das Friedensabkommen ausgehandelte Allparteienregierung zurückkehren.
Was immer die "Real IRA" erreichen wollte, mit ihrer jüngsten Londoner Bombe hat sie einmal mehr unterstrichen, in welch erbärmlichem Zustand der nordirische Friedensprozess ist. Kaum hatten die Premiers Blair und Ahern ihr Maßnahmenpaket vorgelegt und dabei weitere Zugeständnisse an die republikanisch-irischen Paramilitärs gemacht - unter anderem eine Amnestie für flüchtige Terroristen - da zündet die "Real IRA" in London ihre 40 Kilo Sprengstoff.
Protestantische Paramilitärs haben in Nordirland einen 18-jährigen Protestanten erschossen, den sie für einen Katholiken hielten. Ein weiterer Jugendlicher wurde bei der Attacke in der Nacht zum Montag in dem Dorf Glengormley nördlich von Belfast verletzt.
Der britische Premierminister Tony Blair hat mit seinem irischen Kollegen Bertie Ahern die Beratungen über ein Friedenspaket für Nordirland abgeschlossen. Die Vorschläge zur Rettung der Belfaster Allparteienregierung sollten aber erst Mitte kommender Woche veröffentlicht werden, sagte Blair nach dem zweistündigen Treffen am Freitag in Sedgefield, seinem Wahlkreis im Nordosten Englands.
Nordirland ist nicht Nahost. Die handgreiflichen Nachrichten aus dem Nordostzipfel Irlands könnten das Gefühl wecken, alles sei verloren, aber das würde der komplexen Wirklichkeit kaum gerecht.
Die ungezügelte Wut von Katholiken hat sich in der Nacht zum Freitag über den Helmen der nordirischen Polizei entladen. Stundenlang attackierten die überwiegend jugendlichen Randalierer im Ardoyne-Viertel von Nord-Belfast die Beamten mit etwa 250 Brandbomben, Säurekanistern und Wurfgeschossen.
Fast hätte man aufgeatmet. Tagelang waren die befürchteten Meldungen über Unruhen in Nordirland ausgeblieben - obwohl doch seit Sonntag wieder Hochspannung angesagt ist: Die Jahreszeit der protestantischen Oraniermärsche hat begonnen.
Am 10. April 1998, an einem klirrend kalten Frostmorgen, einigte sich die überwiegende Mehrheit der nordirischen Parteien mit den Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Republik Irland auf einen historischen Neubeginn: Eine breite Koalition sollte Nordirland innerhalb des Vereinigten Königreichs einvernehmlich verwalten, aber die Zugehörigkeit zur irischen Insel sollte sich in einer engen Zusammenarbeit mit der benachbarten Republik ausdrücken.
David Ervine (47) sitzt für die Progressive Unionist Party (PUP) im nordirischen Parlament. Die PUP ist aus den Friedensgesprächen ausgestiegen.
Die seit Montag andauernden Verhandlungen über die Zukunft der nordirischen Regierung sind am Mittwoch ergebnislos vertagt worden. An diesem Donnerstag finden beinahe zwanzig Paraden des protestantischen Oranier-Ordens in allen Ecken Nordirlands statt, und am Freitag soll in England weiter verhandelt werden.
Es gibt Krieg, es gibt Frieden, und es gibt ein Mittelding, das jeder aus der Zeitung kennt, aber keiner sich so genau vorstellen kann - den so genannten Friedensprozess. Der Prozess, so signalisiert dieses Wort, bewegt sich vom Krieg zum Frieden, und immer ist das Prinzip Hoffnung dabei.
Während der britische und der irische Premierminister am Dienstag in einem englischen Landschloss weiter mit den größeren Parteien Nordirlands verhandelten, um den Fortbestand der nordirischen Regierung zu gewährleisten, kamen aus Belfast unheilvolle Nachrichten: Die Ulster Freedom Fighters (UFF), ein Teil der größten Protestantenmiliz, der ebenfalls verbotenen Ulster Defence Association (UDA), verkündeten, sie seien ab sofort gegen das Friedensabkommen vom Karfreitag 1998, wollten aber an ihrem Waffenstillstand festhalten. Diese überaus gewalttätige Gruppierung hatte in den letzten Wochen konfessionelle Krawalle in Nord-Belfast geschürt und auch anderswo Anschläge auf Katholiken verübt.
Die Logenbrüder des protestantischen Oranier-Ordens von Portadown marschierten gestern Nachmittag grimmig an die stählerne Barrikade der britischen Armee, die ihnen die Parade-Route durch das katholische Wohnviertel der Stadt versperrte. Etwa 3000 Soldaten und Polizisten sollten gewalttätige Zusammenstöße zwischen militanten Protestanten und Katholiken verhindern.
Im Sommer schlagen sich die Nordiren gegenseitig aufs Haupt. Der Wahn verfliegt im Laufe des August, dann wird man wieder sachlich, bisweilen gar versöhnlich.
Die Internationale Entwaffnungskommission hat am Montag in Belfast bestätigt, dass keine der nordirischen Untergrundorganisationen mit der Abrüstung begonnen hat. Der Chefminister Nordirlands, David Trimble, ist deswegen übers Wochenende von seinem Amt zurückgetreten und hat seinen Parteigenossen Reg Empey mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt.
Das sterile Drehbuch musste wohl bis zum bitteren Ende durchexerziert werden: Nordirlands Chefminister hat gestern mit seinem Rücktritt den Beweis erbracht, dass er Ultimaten einhält. Damit gewinnt er in den Reihen seiner zerstrittenen, skeptischen Partei paradoxerweise an Statur: Der Vorwurf, Trimble lenke schließlich doch immer ein, ist entkräftet.
Vor dem patriotischen Hintergrund eines französischen Denkmals für die im Ersten Weltkrieg gefallenen nordirischen Soldaten bestätigte David Trimble am Sonntag, er sei als Erster Minister der nordirischen Provinzregierung zurückgetreten. Trimble warf sich damit auch bildlich in die Pose eines Retters des Vaterlandes, denn die traditionellen protestantischen Märsche dieser Tage gelten - entgegen anders lautenden Behauptungen über den historischen Hintergrund aus dem 17.
Wenn es zutrifft, dass die Politik einen Rahmen für die Lösung gesellschaftlicher Probleme abstecken sollte, dann kriegen Nordirlands Praktiker mal wieder schlechte Zensuren. Gestern flogen die Regierungschefs aus London und Dublin erneut in den wilden Norden, aber im Gegensatz zu früheren diplomatischen Kraftakten wurde jeder Funken Optimismus gleich vorweg erstickt: Der protestantische Chefminister David Trimble wird am Sonntag zurücktreten, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.
Für "Himmel unter der Stadt" ist er in die New Yorker U-Bahn-Schächte hinab gestiegen. Dort hat er, wie kürzlich in einem Interview zu lesen war, Zigaretten verteilt, die wichtigste Währung der dort unten lebenden Underdogs.
Katholische Eltern und ihre Kinder sind am Donnerstagmorgen in Belfast erneut von protestantischen Nachbarn daran gehindert worden, zur Volksschule des Hl. Kreuzes im Nordteil der nordirischen Hauptstadt zu gelangen.
Fußball-Weltmeister Frankreich und Japan bestreiten am Sonntag das Endspiel um den Konföderationen-Pokal. Die Franzosen gewannen gegen Rekord-Weltmeister Brasilien 2:1 und verteidigten damit ihre Führung in der Weltrangliste.
Michael Schumacher hat nach einem schwarzen Tag für die Mercedes-Silberpfeil-Piloten und seinem ungefährdeten Sieg in Monte Carlo nun beste Aussichten, zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister zu werden. Der Mann im Ferrari feierte vor 100 000 Zuschauern nach 78 Runden seinen fünften Sieg beim Großen Preis von Monaco.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat am Freitag Großbritannien wegen der Tötung von 14 Menschen in Nordirland bei Einsätzen der britischen Anti-Terror-Polizei und Armee verurteilt. Die Regierung in London wurde angewiesen, den Familien Schadenersatz in Höhe von insgesamt 115 000 Pfund (rund 361 000 Mark) zu zahlen.
Vielleicht behält der alte, dicke Ägypterkönig Faruk Recht, der bei seinem Sturz einst prophezeite: "Im nächsten Jahrtausend wird es auf der Welt nur noch fünf Könige geben. Vier im Kartenspiel und einer auf dem britischen Thron.
Die britische Regierung prüft eine regionale Impfung von Herden gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS). Zwar äußerte sich der Chefberater David King gegenüber der BBC ablehnend gegenüber Schutzimpfungen.
Die Hiobsbotschaft, vor der sich die Republik Irland seit einem Monat fürchtet, kam am Donnerstagmittag: Der erste Fall von Maul- und Klauenseuche wurde in einer Schafherde in der Grafschaft Louth bestätigt. Die vorsorglich bereits am Mittwoch geschlachteten Tiere befanden sich unmittelbar an der Grenze zu Nordirland, nur wenige Kilometer vom einzigen nordirischen Seuchenfall in der Grafschaft Armagh entfernt.
Die IRA hat am Donnerstag überraschend ihre Kontakte zur internationalen Entwaffnungskommission wieder aufgenommen. Dies meldete die nordirische BBC.
Obwohl sich der Verdacht auf Maul- und Klauenseuche in Brandenburg nicht bestätigt hat, bereitet sich Berlin darauf vor, dass die Seuche auch hiesige Viehbestände gefährden könnte. Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler gründete einen Arbeitsstab, der am Montag abend vorbeugende Maßnahmen beschlossen hat.
Erstmals seit vergangenem Herbst werden die Konfliktparteien Nordirlands wieder direkt miteinander sprechen. Noch in dieser Woche ist ein Treffen zwischen pro-britischen Protestanten und republikanischen Katholiken zum festgefahrenen Friedensprozess geplant.
Nach England und Wales hat die Maul- und Klauenseuche (MKS) in Großbritannien am Donnerstag erstmals auch Schottland und Nordirland erfasst. Die Gesamtzahl der Orte, an denen die Tierkrankheit festgestellt wurde, wuchs auf 31.
Die Helm-Affäre kommt Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher teuer zu stehen. 250 000 Mark pro Tag muss der Kerpener nach einem Brüsseler Gerichtsurteil zahlen, falls er nicht sofort wieder den Kopfschutz von "Sports Europe - Bell Racing" trägt.
Wegen der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien will der Betreiber des Eurotunnels alle Fahrzeuge desinfizieren lassen, die von der Insel auf das Festland kommen. Das gelte für Lastwagen ab Donnerstagabend und für alle anderen Fahrzeuge ab Freitag, sagte eine Unternehmenssprecherin in Paris.
Nach dem spektakulären Rücktritt des Nordirland-Ministers Peter Mandelson am Mittwoch hat der britische Premierminister Tony Blair schnell einen Nachfolger bestimmt. Er berief den bisherigen Schottlandminister John Reid (53) in das Amt.
Vor einem Jahr, stellen wir uns vor, spitzte Bill seinen Bleistift und begann, seine Vorsätze für das letzte Amtsjahr aufzuschreiben. Erstens, mehr als eine Fußnote in den Geschichtsbüchern.
Knapp sechs Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit versucht sich US-Präsident Bill Clinton noch einmal in der Rolle des ehrlichen Maklers im nordirischen Friedensprozess. Am Dienstag traf Clinton in Dublin ein, der ersten Etappe seiner dreitägigen Reise nach Irland, Nordirland und Großbritannien.
Wer sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich (Großbritannien und Nordirland) aufgehalten hat, sollte aus Gründen der Risikovorsorge bis auf Weiteres auch in Deutschland von Blut- und Plasmaspende ausgeschlossen werden. Eine entsprechende Stellungnahme hat der Arbeitskreis Blut auf seiner Sitzung am Dienstag beschlossen.