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Thema

Nordirland

Der Vorsitzende der größten Protestantenpartei Nordirlands kämpft um seinen Parteivorsitz. Gestern verkündete der Unterhausabgeordnete Pfarrer Martin Smyth (68) überraschend, er wolle am Samstag für das höchste Parteiamt kandidieren, wenn sich die Delegierten der "Ulster Unionist Party" zu ihrer Generalversammlung treffen.

Die nordirische Partei Sinn Fein hat den Beginn einer Entwaffnung der Untergrundorganisation IRA unter der Bedingung in Aussicht gestellt, dass die britische Regierung gleichzeitig einen großen Teil der in Nordirland stationierten Soldaten abzieht. Der Vorsitzende der Sinn Fein, Mitchell McLaughlin, sagte am Montag, seine Partei sei zu Gesprächen darüber bereit, um aus der gegenwärtigen Sackgasse im nordirischen Friedensprozess herauszukommen.

Der britische und der irische Premierminister machten sich am Mittwochnachmittag in London an die mühsame Arbeit, dem demokratischen Neubeginn in Nordirland neues Leben einzuhauchen. Die Parteispitzen der nordirischen Unionisten, der gemäßigten Nationalisten und der republikanischen Sinn Fein-Partei fanden sich ebenfalls in der Downing Street ein, um Scherben zu kitten.

Die irische Geschichte ist reich an republikanischen Häutungen: Immer wieder beschlossen große Gruppen, den bewaffneten Kampf gegen die Briten aufzugeben und in die konstitutionelle Politik einzutreten. Bisher blieb jedesmal ein Rest dogmatischer Militaristen zurück.

Die Irisch-Republikanische Armee hat es in den letzten fünf Jahren nie übers Herz gebracht, einen endgültigen Verzicht auf Gewalt auszusprechen - geschweige denn, Bedauern über ihr vergangenes Tun auszudrücken. Es ist daher nicht aus der Luft gegriffen, wenn die Abrüstung der Paramilitärs als Faustpfand für friedliche Absichten verlangt wird.

Wie ein Damoklesschwert hing die Drohung am Donnerstag über der jungen Regierung Nordirlands: Nach lediglich acht Wochen gemeinsamer Arbeit sollte die buntscheckige Ministerschar in die Wüste geschickt, das Belfaster Parlament eingemottet und die gemeinsamen Behörden mit der Republik Irland auf Eis gelegt werden. Niemand mochte tatenlos zuschauen, denn alle Beteiligten wissen nur zu genau, wie unsäglich mühsam der Weg zur Regierungsbildung am 2.

Peter Mandelson erlebt gerade seine erste große Herausforderung in seinem neuen Job als britischer Nordirlandminister. Der Mann, der vor knapp drei Jahren Tony Blair die Wahl gewinnen half und mit einem erheblichen rhetorischen Talent begnadet ist, muss sämtliche Register seiner Überzeugungskunst ziehen.

Von Albrecht Meier

In dieser Woche wurden in Schottland die Studiengebühren wieder abgeschafft. Erst vor eineinhalb Jahren hatte die Labourpartei von Tony Blair ihre überwältigende Mehrheit im Londoner Parlament genutzt, um die unpopulären Gebühren für alle Hochschulen im Königreich durchzusetzen.

Seit fünf Tagen ist ein indisches Flugzeug in der Hand islamischer Terroristen. Die Bilder aus dem afghanischen Kandahar wecken Erinnerungen an den deutschen Herbst 1977, an die Entführung der "Landshut" und die Befreiung in Mogadischu.

Von Christoph von Marschall

Was 1920 und 1974 schon vergeblich versucht worden war, ist am Montag erstmals zur Wirklichkeit geworden: Minister aus dem britischen Nordirland und aus der souveränen Republik Irland setzten sich zu gemeinsamen Beratungen zusammen. Der erste Nord-Süd-Ministerrat traf sich in der traditionsreichen Kirchenkapitale der ganzen Insel, im nordirischen Städtchen Armagh - pikanterweise im ehemaligen Palast des anglikanischen Erzbischofs.

Knapp 20 Monate nach seiner Unterzeichnung ist das Friedensabkommen für Nordirland nach langen und zähen Verhandlungen am Donnerstag endlich mit Leben erfüllt worden. Nachdem die britische Regierung bereits um Mitternacht einen Teil ihrer Vollmachten über Nordirland an die neue Regierung in Belfast übertragen hatte, wurden am Vormittag in Dublin eine Reihe irisch-britischer Vereinbarungen unterzeichnet, die eine enge Zusammenarbeit zwischen der Republik Irland und Großbritannien in allen Angelegenheiten des britischen Ulster-Territoriums regeln.

Viel Zeit, sich über die Tragweite des historischen Beschlusses der größten Partei in Nordirland klar zu werden, haben die üblichen Verdächtigen in Ulster nicht gehabt. Noch am Wochenende hatte die Partei der pro-britischen Ulster Unionists - wenn auch mit etlichen Einschränkungen - der Regierungsbeteiligung der einstigen Erzfeinde aus der Sinn-Fein-Partei zugestimmt.

Von Albrecht Meier

Vor der Entscheidung der pro-britischen Unionisten Nordirlands über ihre Zustimmung zu einer Friedensregelung mit den republikanischen Katholiken hat sich die Atmosphäre im Lager der Protestanten am Donnerstag verschlechtert. Ein gefälschter Brief des Präsidenten der republikanischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, an die Delegierten der wichtigsten Unionisten-Partei UUP mit der Bitte um Zustimmung zu der Vereinbarung, wurde von maßgeblichen UUP-Politikern als "schmutziger Trick" bezeichnet.

Die ehemaligen Konfliktparteien Nordirlands haben gestern ermutigende und großzügige Erklärungen über die Erfolgsaussichten des Friedensprozesses abgegeben. Als Ergebnis der zehnwöchigen Verhandlungen unter der geduldigen Leitung des ehemaligen US-Senators George Mitchell werden nun kleine, abgesprochene Schritte vollzogen: Das Drehbuch, so scheint es, ist geschrieben, jetzt findet die Vorführung statt.

Die mühsame Suche nach einem friedlichen Zusammenleben in Nordirland hat einen kritischen Punkt erreicht: Nach zehnwöchigen, intensiven Verhandlungen der nordirischen Parteien über die Bildung einer Koalitionsregierung lag am Donnerstag ein Stufenplan vor. Doch als Chefminister David Trimble seine eigene Belfaster Parlamentsfraktion bat, diesen Kompromiss zu akzeptieren, verweigerte sie ihm die Gefolgschaft.

Die Bemühungen zur Rettung des Friedensprozesses in Nordirland sind am Montag in Belfast in eine möglicherweise entscheidende Phase getreten. Der Vermittler, der frühere US-Senator George Mitchell, nahm neue Gespräche mit den Spitzenvertretern der Konfliktparteien auf.

Unter dem Vorsitz des ehemaligen US-Senators Mitchell hat am Freitag in Belfast die letzte Phase zur Rettung des Friedensabkommens für Nordirland begonnen. Mitchell traf zunächst mit Vertretern der protestantischen Ulster-Unionisten und der katholischen Sinn Fein zusammen, die der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahe steht.

Die schwere Krise, in der sich der 1998 begonnene Friedensprozess für Nordirland befindet, hat sich am Donnerstag weiter verschärft. Der Präsident der republikanischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, zeigte sich bei einer Rede in New York so pessimistisch wie noch nie über die Aussichten auf eine Einigung zwischen Republikanern und pro-britischen Unionisten zur Bildung einer gemeinsamen nordirischen Regionalregierung.

Die folgenden Persönlichkeiten und Organisationen haben seit 1989 den Friedensnobelpreis erhalten1999: Die Organisation Ärzte ohne Grenzen für ihre Pionierarbeit im humanitären Sektor auf allen Kontinenten.1998: Die nordirischen Politiker John Hume und David Trimble für ihren Einsatz um den Friedensprozess in Nordirland.

Eine kleinere, konfessionell ausgeglichene und entpolitisierte Polizei soll künftig unter einem neuen Namen Ruhe und Ordnung in Nordirland gewährleisten. Gestern veröffentlichte in Belfast Chris Patten, der inzwischen zum EU-Kommissar aufgerückte britische Politiker, die 175 Empfehlungen seiner unabhängigen Reformkommission.

DFB-Teamchef Erich Ribbeck geht in die Offensive, zu seinem Vorgänger Berti Vogts auf Distanz und zu seinem Assistenten Uli Stielike auf Annäherungskurs. "Ich sehe meine Aufgabe nicht als Übergangsphase", sagte Ribbeck vor den EM-Qualifikationsspielen am Sonnabend in Finnland und am Mittwoch nächster Woche in Dortmund gegen Nordirland.

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