Der Altmännerhass auf die Vergnügungen der Jugend, den ich beim letztenmal gegeißelt habe, ist zu moralisierender Höchstform aufgelaufen angesichts der Toten von Erfurt. Alle üblichen Verdächtigen, die die "Spaßgesellschaft" für den Niedergang der Menschheit verantwortlich machen, haben nun auch ihren Senf dazugegeben und das böse Fernsehn oder das noch bösere Videospiel als Verderber der Jugend enttarnt, wieder einmal.
Hollywood
Vater- und Muttertag sind vorüber. Endlich rücken die kinderlosen Beziehungen zurück ins Blickfeld: Gelegentlich schnackelt es, gefolgt von heftigem Schnackseln, und dann steht wieder ein Prominenter dumm herum, diesmal Jens Riewa, der Tagesschau-Sprecher.
Unlängst ging der Fall eines - lesbischen - Elternpaares durch die Medien, das, selbst gehörlos, für den Nachwuchs das Recht auf gleiche Behinderung durch Zuchtwahl durchsetzte. Kann Taubsein glücklich machen?
Noch steht das Kartenhaus. Premiere, der Bezahlsender der schwer angeschlagenen Kirch-Gruppe, ist auf Sendung.
David Fincher, geboren 1962, dreht seit zehn Jahren in Hollywood. Herr Fincher, sind Sie selbst verantwortlich für die spektakulären Vorspänne Ihrer Filme?
Vor ein paar Monaten ging eine Schockwelle durch die französische Politik- und Medienwelt. Jean-Marie Messier, Chef von Vivendi Universal Frankreich, der weltweit zweitgrößte Medienkonzern, hatte im Dezember gesagt, was niemand hören wollte: "Die exception culturelle (die Sonderstellung französischer Kultur) ist tot.
Wenn die alleinerziehenden Mütter die neuen Heldinnen des amerikanischen Kinos sind, dann ist die Figur des leidenden Witwers der aktuelle männliche Gegenpart. Gerade erst reiste Guy Pearce in "Time Machine" auf der Suche nach der verstorbenen Verlobten durch Vergangenheit und Zukunft.
Das Kerngeschäft und ein Großteil der rund 6000 Arbeitsplätze der Kirch-Media sollen erhalten bleiben. Nach dem am Montag wie erwartet eingereichten Insolvenzantrag soll das Unternehmen im Rahmen eines so genannten "Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung" neu aufgestellt werden.
Die New Economy beklagt ihr letztes Opfer: Leo Kirch. Die größte Spekulationsblase, die es je in der deutschen Unternehmensgeschichte gegeben hat, ist geplatzt.
Die Nachricht vom Tode Billy Wilders löste in Hollywood tiefe Trauer aus. Der Regisseur starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills.
Tränen des Glücks, gemessen konzentrierte Feierlichkeit und eine ungeheuer energische, wie sich aus lebenslangem Ingrimm befreiende Freude: In dieser großen und schönen psychologischen Spannweite, ausgemessen von Halle Berry über Sidney Poitier bis zu Denzel Washington, fokussiert sich das eigentliche Ereignis dieser 74. Oscar-Nacht: die Ankunft der schwarzen Schauspieler in der Mitte Hollywoods.
Schmucklos, aber keineswegs schlicht - so lautete das modische Credo der Oscar-Nacht. Die Hollywood-Stars präsentierten sich ähnlich zurückhaltend wie im vergangenen Jahr Preisträgerin Julia Roberts, die in ihrem dezenten Valentino-Kleid und wenig Schmuck Modegeschichte geschrieben hatte.
Einen Tag vor der Vergabe der Oscars für Hollywoods Bestleistungen sind Tom Green und Mariah Carey mit den gefürchteten "Goldenen Himbeeren" als schlechteste Schauspieler des Jahres bedacht worden. Dem MTV-Moderator und Spaßmacher Green wurden bei der Vergabe der "Golden Raspberrys", die seit mehr als 20 Jahren stets am Vorband der Oscar-Gala stattfindet, gleich fünf Mal bescheinigt, dass er im zurückliegenden Kino-Jahr kräftig daneben gegriffen hat.
In unsicheren Zeiten, werden alte Fragen wieder aktuell: Wann ist ein Mann ein Held? Wenn er wie der Schauspieler Mickey Rourke vor Testosteron strotzend für einen eher unverkrampften Umgang mit Gewalt plädiert?
Die neueste Ausgabe des Fachblatts "Variety", erschienen am 18. März, hat die Sieger exklusiv.
Wer seine Geschäfte heutzutage mit dem Internet verbindet, fürchtet vor allem eine Geißel: die Hacker. Einmal in das Netzwerk eingedrungen, können diese Computerprofis großen Schaden verursachen.
Eine Überraschung erwartet die Besucher des neuen Walt Disney Studios Parks im französischen Marne-la-Vallée bereits, wenn sie die Straßenbahn über das Gelände nehmen: Anstelle von Hollywood-Stars wie Bruce Willis stammen die Stimmen der virtuellen Reiseleiter von europäischen Darstellern wie Englands Jeremy Irons oder der Italienerin Isabella Rossellini, die in ihren Muttersprachen sprechen.Anläßlich der Eröffnung von Disneyland Paris vor zehn Jahren ist Disney wegen der Ignoranz europäischer Befindlichkeiten in scharfe Kritik geraten.
Mit dem Ende der Sowjetunion wurde in den neunziger Jahren auch der Spionagethriller abgewickelt. James Bond kam noch so eben in der neuen Weltordnung an, aber die weniger stilvollen Kollegen blieben auf der Strecke.
Zwischen dem Management und dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg gibt es nach Informationen der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" einen Streit um die Zukunft von Trainer Wolfgang Wolf. Einige Mitglieder des Aufsichtsrates sollen sich gegen Wolf und für die Verpflichtung von Jürgen Röber zur neuen Saison ausgesprochen haben.
Zwei große Filme hat Hollywood über Hitler und gegen den Führer gedreht, beide mitten im Krieg, als der Diktator sich anschickte, als Herr Europas Herr der Welt zu werden, und Amerikas Filmschaffende und Emigranten fürchten mussten, Amerika könnte sich mit Hitler arrangieren und auf die Neue Welt zurückziehen, der neuen Barbarei mit ihrer atavistischen Bestialität und ihrer hoch industrialisierten Kriegs- und Herrschaftsmaschinerie Europa bis nach Asien hinein zu überlassen.Das waren die Ängste, die Ernst Lubitsch und Charlie Chaplin heimsuchten, als sie ihre Filme schufen, und der Widerstand und das Unverständnis, das die Filmindustrie ihren Projekten entgegenbrachte, gab ihren Befürchtungen Recht.
Wenn es nach dem Votum des Repräsentantenhauses in Washington geht, dürfen amerikanische Abgeordnete in Zukunft nicht mehr so viel Spendengelder annehmen wie bisher. Der Grund: Sie geraten sonst in Versuchung, mit ihren politischen Entscheidungen die Interessen ihrer Spender zu bedienen.
Wie exotisch das klingt - eine estnisch-lettische Co-Produktion. Doch die Personen laden ebenso leicht zur Identifikation ein wie die Handlung.
Als Ritter des schlechten Geschmacks haben sich die Gebrüder Farrelly in Hollywood einen Namen gemacht. Unvergessen bleibt das Kunstsperma im Haar von Cameron Diaz ("Verrückt nach Mary"), das fast so berühmt wurde wie das Präsidentensekret auf dem Kleid von Monica Lewinski.
Das erste Mal: "Irgendwie macht es Spaß, aber ein bisschen komisch ist es auch", resümierte Festivalchef Dieter Kosslick, der sich bei der sehr ausgedehnten Eröffnungsfeier mit einem erstaunlich ausführlichen, wenngleich selbstironischen und schauspielbegabten Auftritt als eine Art Festival-Columbo präsentierte. Aber wie viel Hollywood verträgt Berlin, solange Chaos aufmerksamkeitsgierig in den Wänden lauert?
Ein Schrei hallt durch die bosnische Berglandschaft. Die Kamera umkreist den Mann auf dem Gipfel, schraubt sich langsam im Helikopterflug hoch und lässt ihn allein im Gebirge und im Universum zurück.
Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr?
Wir sind nicht in der Traumfabrik Hollywood, vielmehr in einer realen Seifenoper. "Die unendliche Geschichte eines Eishockey-Klubs und seines Eigentümers" - so oder so ähnlich könnte der Titel des Dramas lauten, das die Berlin Capitals und ihr Hauptgesellschafter Egon Banghard aufführen.
Es sind Sekundenbruchteile, die Nathan Conrad braucht, um zu begreifen, dass seine Tochter Jessie verschwunden ist, gekidnappt aus dem Kinderzimmer, einfach so. Jetzt muss er zurück ins Schlafzimmer gehen und es seiner ahnungslosen Frau sagen.
Der Größte war gerührt. Assistiert von Mariah Carey und Schauspielstar Will Smith schlurfte Muhammad Ali unter einem Konfettiregen zum finalen Höhepunkt auf die Bühne, wandte sein zittriges Haupt dem gebannten Auditorium zu und hauchte leise hörbar ins Mikrofon: "Ich danke euch allen fürs Kommen.
Die erste Liebe vergisst man nie, sagt man. Was ich durchaus bestätigen kann.
Der Star scheint aus Porzellan zu sein. Blassweiß, fragil und kühl.
Die Schauspielerin Eileen Heckart, die am Broadway wie in Hollywood Erfolge feierte, ist tot. Die Oscar-Preisträgerin erlag im Alter von 82 Jahren einem Krebsleiden.
Über der Bühne baumelt gigantisch groß ihre Unterschrift. Von der Rückwand strahlt ihr Star-Antlitz, mit den berühmten Hohlwangen und den tief verschatteten Augenhöhlen.
Muhammad Ali feiert sein Comeback - auf der Leinwand. Rechtzeitig zum 60.
Ein cinephiles Milchgesicht mit übermächtiger Monstermutter im Rücken und einem scharfen Messer in der Gesäßtasche. Eine bis zur glühenden Gürtellinie gelähmte, aber noch lange nicht libidoerlöste Mutter im Hitchcockschen Psycho-Rollstuhl.
Tom Kummer, 38, interviewte Hollywood-Stars und schrieb Reportagen, nicht nur fürs "SZ-Magazin" der "Süddeutschen Zeitung", sondern auch für den "Stern", die "Frankfurter Allgemeine" und andere. Von Kummer ließen sich die Stars überraschend viel gefallen, sie redeten mit ihm ganz anders als üblich - intelligenter, offener.
Die Western-Parodie "Der Schuh des Manitu" schlägt alle Rekorde. Der Blödelstreifen lockte bisher fast zehn Millionen Zuschauer in die Kinos und wurde zum bisher erfolgreichsten deutschen Film.
Wow! Der Kameramann Michael Ballhaus, dessen Berufsbezeichnung in Amerika "Director of Photography" ist, hat es gut: Am Donnerstagabend sitzt er auf einem Ehrenplatz im Kinosaal des Cubix am Alexanderplatz, und auf der Leinwand erscheinen nacheinander Dustin Hoffman, Wolfgang Petersen und Robert Redford, um ihn, ihren "Maikl", zu beglückwünschen.
Die wahren Leser, jene, die man früher mal Romanenköpfe nannte, sie hassen Literaturverfilmungen. Weil Bücher, weil Romanfiguren in der geisterhaften weiten Welt der Leserfantasien nun mal größer, schöner oder schrecklicher wirken als in der konkreten, verkürzten Allzumenschlichkeit von Schauspielern, die manchmal Jahrhunderte (und nicht endensollende Lesetage und -wochen) auf zwei Kinostunden schrumpfen.
Menschen im Büro, vom Leistungsdruck gestaucht, vom Beförderungswillen zerrüttet, doch irgendwo in den Tiefen ihrer auf Zweckdienlichkeit und Verzicht getrimmten Seelen gibt es noch diese Restsehnsucht nach Freiheit, Liebe, Wahrhaftigkeit - das ist der Stoff, den Hollywoods Traumfabriken längst verschlissen haben. Deshalb hält Roland Schimmelpfennigs neues Stück "Push up 1-3" Deja vu-Erlebnisse bereit: Diese toughe Konzernchefin, die ihre fähigste Mitarbeiterin aus der Firma mobbt, weil sie in ihr unbedingt die Geliebte ihres Mannes sehen will - erinnert sie nicht an Sigourney Weaver in "Working girl", das fiese Weibsstück, das sich mit Männermachtmitteln ihrer Konkurrentinnen entledigt?