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Armin Laschet, CDU-Vorsitzender, noch.
© Fabrizio Bensch, Reuters

Härte und Gnadenlosigkeit in der Politik: Armin Laschet lernt gerade eine bittere Lektion

Reputation, Ansehen, Autorität sind Eigenschaften, die eine Mitwelt verleiht. Über Gunst und Missgunst urteilen stets andere – oft gnadenlos. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Malte Lehming

An der Spitze ist der Mensch manchmal allein. Seine Gegner toben und spotten, das ist er gewohnt. Aber das Schweigen der Freunde, das Gerede hinterrücks – das zermürbt.

Christian Wulff, der als Bundespräsident mit Jagdeifer demontiert worden war, erzählte von der Qual schlafloser Nächte. Wie es Armin Laschet wohl geht?

Keiner kann seine eigene Ehre verteidigen. Bei Bertolt Brecht heißt es: „Ehre ist nicht das, was ich euch über mich zurufe, sondern was ihr euch über mich zuruft.“ Reputation, Ansehen, Autorität: Das sind Eigenschaften, die eine Mitwelt verleiht. Über Gunst und Missgunst urteilen stets andere. Das ist die Grunderfahrung politischer Einsamkeit. Laschet ist nicht der erste, der es erfährt und dem es widerfährt.

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Menschlich viel Fieses. Das können Politiker aller Parteien. Joschka Fischer mobbt Gesundheitsministerin Andrea Fischer aus dem Amt. Fotos, die ihn als Steine werfenden Straßenkämpfer zeigen, werden an die Medien lanciert. Angela Merkel schreibt zwei Tage vor Heiligabend 1999, auf dem Höhepunkt der CDU-Spendenaffäre, in einem Zeitungsbeitrag, die von Helmut Kohl zugegebenen Vorgänge hätten der Partei Schaden zugefügt. Die CDU müsse daher lernen, ohne ihr „altes Schlachtross“ zu kämpfen.

Auch die Genossen pendelten lange zwischen Hauen und Stechen

Drei Jahre später verbündet sich die CDU-Vorsitzende mit Edmund Stoiber, um statt Friedrich Merz den Fraktionsvorsitz der Union zu übernehmen. Im Jahr 2012 entlässt sie als Kanzlerin Umweltminister Norbert Röttgen, weil der nach seiner Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen einen freiwilligen Rücktritt abgelehnt hatte. Die „schwäbische Hausfrau“ weiß durchaus, wie und wann sie sich potenzieller Rivalen entledigt. Das ist nicht unbedingt fies, aber hart.

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Noch härter geht’s bei der SPD zu. Herbert Wehner schimpft über Bundeskanzler Willy Brandt, der sei „entrückt“, „abgeschlafft“ und „bade gern lau“. Brandt erinnert sich später, schon vor der Guillaume-Affäre sei die Luft für ihn dünn geworden. Helmut Schmidt wird als Kanzler durch eine wankelmütige FDP zu Fall gebracht. Doch angezählt worden war er durch Parteilinke und Friedensfreunde, die die Nato-Nachrüstung ablehnten. Oskar Lafontaine wiederum bringt 1995 auf dem Parteitag in Mannheim Rudolf Scharping zu Fall.

Um ihn herum stöhnen alle nur „Sturheit“

Seit dem 22. November 2005 ist Merkel Bundeskanzlerin. Seitdem pendeln die Genossen zwischen Hauen und Stechen. Matthias Platzeck schmeißt hin – Franz Müntefering hatte ihm nachgesagt, „Kreisklasse“ zu sein. Kurt Beck wird intern als „Tölpelhans“ verspottet und am Schwielowsee entmachtet. Er beschwert sich über „gezielte Indiskretionen". Andrea Nahles, die 2005 als „Münte-Meuchlerin“ fungiert, legt 2019 nach diversen Kränkungen nicht nur Partei- und Fraktionsvorsitz nieder, sondern auch ihr Bundestagsmandat.

Laschet sollte gewarnt sein. Er selbst mag sich an Kohls Tugend des Aussitzens und Merkels Tugend des Durchhaltens orientieren, aber um ihn herum stöhnen alle nur „Sturheit“. Sie verlangen eine „personelle Neuaufstellung“ und meinen seinen Rücktritt. Viele bemitleiden ihn, weil er es nicht schafft, aus seinem Tunnelblick herauszukommen. Aber ist Mitleid nicht die letzte Regung, die einen Politiker im Amt halten sollte?

Er verteidigt seine Ehre? Er scheint keine zu haben. „Ehre ist nicht das, was ich euch über mich zurufe, sondern was ihr euch über mich zuruft.“ Treffender als Brecht es schrieb, lässt es sich nicht sagen.

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