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Streit in der Nahost-Frage: Verfeindete Linke treffen in Leipzig aufeinander – Polizei plant Großeinsatz
Pro-palästinensische und pro-israelische Aktivisten demonstrieren am Samstag in Connewitz gegeneinander. Auch Rechtsextreme interessieren sich dafür.
Stand:
In der linken Subkultur mobilisieren derzeit verfeindete Strömungen nach Leipzig – was auch die Sicherheitsbehörden interessiert. Wenn am Samstag dieser Woche zehn Hundertschaften der Polizei und zudem eine erhebliche Zahl an Zivilfahndern in der sächsischen Stadt im Einsatz sind, sollen sie zuvorderst Angriffe zwischen Linksradikalen verhindern.
Am 17. Januar wollen im als autonomes Szeneviertel bekannten Connewitz vor allem Anhänger der „Migrantifa“ demonstrieren: Der Sammelbegriff wird meist für jene verwendet, die ablehnen, was gesellschaftlich als „Westen“ gilt. Anders als der Name suggeriert, besteht die Migrantifa nicht überwiegend aus Einwandererkindern.
Verfeindete Linke, Neonazis und ein Fußballspiel
Gemeinsam ist den Migrantifa-Anhängern, dass sie sich positiv auf die muslimischen Massen im globalen Süden beziehen. Auch die Islamisten von Hamas und Hisbollah werden als antiimperialistische Kräfte verklärt.
Ein Ziel des Marsches am Samstag ist das Kulturzentrum „Conne Island“, in dem sich jene treffen, die als pro-israelisch eingestuft werden. Zudem will man am Bürgerbüro der Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (Linke) vorbeilaufen, die ebenfalls dem pro-israelischen Lager zugerechnet wird.

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In Connewitz wiederum dominieren Linke, die als proisraelisch, jedenfalls islamkritisch gelten. Sie betonen, dass die islamische Erweckung nicht nur im Nahen Osten eine reaktionäre Gefahr und kein Ausdruck progressiven Aufbegehrens sei.
Schlägereien in Leipzig, Hamburg und Berlin
Dass in einzelnen Foren auch Rechtsradikale nach Leipzig mobilisieren, erschwert die Lage – nach vorläufigen Informationen erwägen einige Neonazis, sich dem Migrantifa-Aufzug anzuschließen. Zudem spielt am Abend noch RB Leipzig gegen Bayern München: Tausende Fußballfans werden unterwegs sein. Leipzigs Polizei bereitet sich auf einen stadtweiten Großeinsatz vor.
Seit 25 Jahren gibt es bundesweit Auseinandersetzungen zwischen den genannten Linken‑Strömungen. Insbesondere in Leipzig, Hamburg und Berlin gab es dabei auch Schlägereien. Anzeigen innerhalb der Szene sind selten, mit Polizei und Justiz zu kooperieren, gilt fraktionsübergreifend als illegitim.
Plakate rufen zur Jagd auf „Zionisten“ auf
Seit dem 7. Oktober 2023, als die Hamas im Süden Israels diverse Massaker verübte und fast 240 Geiseln entführte, eskalierten die Auseinandersetzungen. In Berlin wurde die in Neukölln gelegene Kneipe „Bajszel“ öfter angegriffen, die Betreiber persönlich bedroht: Ihre Namen und Portraitbilder wurden auf Plakaten verbreitet, unter dem Slogan „Make Zionists Afraid“ („Macht Zionisten Angst“) und mit dem roten Dreieck der Hamas riefen Unbekannte zur Jagd auf die Gastronomen auf. Indirekt drohten Migrantifa-Aktivisten auch der Neuköllner Integrationsbeauftragten Güner Balci.
Palästina-solidarische Linke verweisen darauf, dass etwa in Leipzig die Besucher eines zur Lage in Gaza errichteten Infostandes vor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur von Vermummten angegriffen wurden.
Zudem sollen Connewitzer Linke unmittelbar nach dem Hamas-Überfall auf Israel im Herbst 2022 die Scheiben des als pro-palästinensisch geltenden Hausprojektes „Casa“ im Leipziger Westen zerschlagen haben.
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