Von der "Umgruppierung der Wahrheit für beide Berichte" hätte wohl Karl Kraus gesprochen, wenn er die beflissenen Bilanzfälschungen aller Parteien zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit erlebt hätte. Da werden eifrig Verratslegenden gezimmert, Teilnehmerlisten frisiert und alte Streitpapiere gegen Milliardenkredite ausgespielt.
Helmut Kohl
"Einfach Normalität", das ist es, was sich Gregor Gysi zum Abschied wünscht. Er bezieht das auf die demokratische Kultur im Parlament - aber klar ist, dass für ihn selbst dieser Tag alles andere als normal ist.
Wenn in zehn Jahren ein mäßig fleißiger Schüler im Geschichtsunterricht gefragt wird, warum die CDU 1998 abgewählt wurde, dann wird er wahrscheinlich antworten: wegen der Spendenaffäre von Helmut Kohl. Für den Schüler wird diese Vermischung historischer Tatsachen wenig Folgen haben.
In Deutschland ist es noch ein streng gehütetes Geheimnis: Im Winter-Semester wird Helmut Kohl eine Geschichtsprofessur in Harvard übernehmen. Der Kanzler der Einheit ist müde von der Politik.
Seine politische Karriere begann ungewöhnlich - auf dem Land und in der Kirche. Als Pastor baute Joachim Gauck in Mecklenburg kleine evangelische Gemeinden auf, ehe er sich in der Rostocker Bürgerbewegung engagierte.
Ist Helmut Kohl ein großer Staatsmann? Was für eine Frage!
Kurt Biedenkopf (70) ist seit 1990 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, nachdem er als spektakulärer "Westimport" von der sächsischen CDU zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert worden war. Zuvor war er im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen gescheitert.
Politik, sagten schon unsere Großeltern, ist ein schmutziges Geschäft. Nichts ist dabei das, was es zu sein scheint, jede Geste bedeutet ihr Gegenteil.
Seit seiner Rückkehr aus dem Urlaub verfolgt Kurt Biedenkopf der Ärger mit den Feierlichkeiten zum Einheitstag. Gleich in der ersten Sitzung der CDU-Landtagsfraktion nach der Sommerpause gab es Zoff.
Jeder vierte Student soll künftig wieder Bafög bekommen. Dafür stellte das Bundeskabinett am Mittwoch die Weichen und verabschiedete den von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf.
Jede Gesellschaft, auch jede Partei, hat ihre Rituale. Sie dienen der Selbstbestätigung und der Abgrenzung.
Der frühere Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl will den zehnten Jahrestag der deutschen Einheit zu Hause verbringen. Er sei "überhaupt nicht" traurig darüber, dass er am 3.
Die Chronologie eines Zerwürfnisses, Teil II. Diesmal geht es um Großes, speziell: um die Einheit.
Ja, so etwa hat man sich das vorgestellt, jenes letzte Gespräch zwischen Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl am 18. Januar.
Er hat ihn nicht angeschaut, nicht eines einzigen Blickes würdigen wollen. Aber die hingestreckte Hand musste er ergreifen, um nicht auch die Feiern zum Zwei-plus-Vier-Vertrag wieder zur Affäre zu machen.
Was macht die rot-grüne Bundesregierung im Osten besser? Die Erwartungen an Gerhard Schröder waren gerade in den neuen Ländern sehr hoch, als die SPD vor zwei Jahren die Bundestagswahl gewann.
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Ludger Volmer hat dem CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Schmidbauer am Dienstag vorgeworfen, er habe die Bemühungen um die deutschen Geiseln auf den Philippinen erschwert und dadurch deren Freilassung verzögert. Schmidbauer, der unter Kanzler Helmut Kohl Geheimdienstkoordinator war, erklärte dazu in der Zeitung "Die Welt": "Wenn Volmer meine Initiative jetzt als schädlich bezeichnet, dann lügt er.
Lionel Jospin hat dem Benzin-Protest nachgegeben, der Brite Blair blieb hart. Wen soll sich Rot-Grün zum Vorbild nehmen?
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat die Justiz aufgefordert, Ermittlungsverfahren zum CDU-Spendenskandal nicht wegen Geringfügigkeit einzustellen. Damit löste Schily am Freitag in der Bundestagsdebatte zu seinem Haushalt heftigen Widerspruch der Opposition aus, die ihm eine Missachtung der Gewaltenteilung vorwarf.
Zwei Jahre Regierung Schröder, zehn Jahre deutsche Einheit: Das eine hat mit dem anderen, so scheint es, wenig zu tun. Die deutsche Vereinigung hat Sozialdemokraten und Grüne, die heute das Land regieren, damals eher in Verlegenheiten gestürzt.
Ob sie sich mit Werner Holzer duze, will der SPD-Abgeordnete Friedhelm Julius Beucher wissen. Aber Agnes Hürland-Büning, Ex-Staatssekretärin mit millionenschwerer Industrie-Beratertätigkeit, mag sich über ihr Verhältnis zu dem umtriebigen Rüstungslobbyisten überhaupt nicht mehr äußern.
Otto Schily ist "dankbar". Den Bundesinnenminister haben die Recherchen von Tagesspiegel und "Frankfurter Rundschau" zwar überrascht, wonach die Zahl der Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 mehr als drei Mal so hoch ist, wie offiziell angegeben.
Angela Merkel, CDU-Chefin, hatte für Mittwochnachmittag zur Einweihung der neuen Parteizentrale in Tiergarten geladen - und sie waren zahlreich gekommen. Nur einer fehlte: Alt-Kanzler und Parteipatriarch Helmut Kohl.
Angela Merkel hatte sich das so schön vorgestellt: Die CDU diskutiert neue Themen, während sie mit sicherer Hand moderiert. Helmut Kohl wird viel geehrt und wenig beachtet, während sie die Abwicklung der Spendenaffäre kontrolliert.
Es liegt eine gewisse gespannte Erwartung über dem Saal, wie das eben so ist bei Premierenvorstellungen. Offiziell heißt das Stück, das die FDP am Dienstagvormittag im Schiller-Theater inszeniert hat, "Zehn Jahre Zwei-plus-Vier-Vertrag" ; Hauptdarsteller: Hans-Dietrich Genscher und Michail Gorbatschow.
Schon als Bundeskanzler war er nie da. Es lag wohl immer was Wichtigeres an.
"Ich begrüße Helmut Kohl", hat Friedrich Merz gesagt, und die Unionsfraktion hat geklatscht. Nicht frenetisch, nicht unterkühlt - "geschäftsmäßig", sagt einer, der dabei war.
Manchmal schließt sich ein Kreis. Dabei ist es der pure Zufall, dass die Bundesmitgliederversammlung der "Lesben und Schwulen in der Union" (LSU) ausgerechnet an diesem Wochenende stattgefunden hat.
Die CDU hat dem Drängen der CSU entsprochen, in der Auseinandersetzung mit der Bundesregierung wieder kämpferisch die Initiative zu ergreifen und größere Normalität in ihrem Verhältnis zu Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) einkehren zu lassen. Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) sagte am Donnerstag nach einer Klausurtagung der Fraktionsspitze in Hildesheim, es gebe das berechtigte Anliegen in der Fraktion, jetzt wieder in die politische Offensive zu kommen und sich weniger mit sich selbst zu beschäftigen.
Erst hat Angela Merkel, die Parteivorsitzende, Helmut Kohl gebeten, bei irgendeiner CDU-Veranstaltung zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit zu sprechen. Und der Spendenschweiger hat Ja gesagt.
Aufgeräumt ist er, der Kanzler. Sichtlich aufgeräumt.
"Ich spreche zu Ihnen als Deutscher und Europäer." Mit diesen Worten begann Willy Brandt am 26.
Eigentlich hätte Roland Koch schon längst zurücktreten müssen. Seit November letzten Jahres gibt es fast jede Woche neue Erkenntnisse über die Finanzaffäre der CDU in Hessen, und die Konservativen können nicht im Ernst behaupten, ausgerechnet ihr Vormann sei so unwichtig, dass er von dem ganzen skandalösen Treiben nichts gewusst habe.
Historisches Ereignis oder Fußnote? Jedenfalls bemerkenswert, wenn zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein sozialdemokratischer Bundeskanzler auf einer großen Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen spricht.
Zehn Jahre sind nun bald seit der Vereinigung vergangen. Auf den Tag genau zehn Jahre war es am Donnerstag her, dass der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR paraphiert wurde.
Der frühere CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble hat am Donnerstag zum 10. Jahrestag der Unterzeichnung des Einigungsvertrags ausdrücklich die Verdienste von Altbundeskanzler Helmut Kohl gewürdigt.
Nehmen wir die Erdkruste als Beispiel. Die ist streng genommen auch peripher, aber niemand käme auf die Idee, sie deshalb in den Geografiebüchern nicht mehr zu erwähnen.
Wir müssen vor allem seine Augen sehen. Sein Sarkasmus lenkt ja doch immer nur ab.
Der Sonderstaatsanwalt Kurt Spitzer hat dem Bundesnachrichtendienst (BND) in seinem Abschlussbericht zur Unprofessionalität vorgeworfen. Der BND habe Fehlinformationen eines Kölner Anlagebetrügers und Erpressers über die Wirtschaftskriminalität im Fürstentum unkritisch übernommen, sagte der von der Liechtensteiner Regierung eingesetzte Spitzer am Donnerstag in Vaduz.