Wenn heute der indonesische Präsident Abdurrahman Wahid Bonn und Berlin besucht, sind seit dem letzten Treffen zwischen einem deutschen Kanzler und einem indonesischen Staatsoberhaupt über drei Jahre vergangen. Im Oktober 1996 besuchte Helmut Kohl Präsident Suharto.
Helmut Kohl
Ja, achten Sie mal drauf: Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Helmut Kohl tut es noch immer.
Frisst die CDU-Krise nun auch ihre Aufklärer? Kann Wolfgang Schäuble nach seinem letzten Eingeständnis noch der Mann sein, der die Partei aus dem Sumpf führt, in dem sie ratlos herumrudert?
Die von Ex-Kanzler Helmut Kohl ausgelöste Spendenaffäre der CDU hat die übrigen Bundestagsparteien zum Nachdenken über Folgerungen für ihre eigene Arbeit sowie die Organisation des demokratischen Systems gebracht. Dabei greifen vor allem FDP und Grüne Vorschläge zur Einführung plebiszitärer Elemente wieder auf.
Helmut Kohl liebt es ebenso wie sein Nachfolger als Bundeskanzler, Gerhard Schröder, mit einer Frau eng zu tanzen. Nach der gestrigen Betrachtung im Tagesspiegel über den Tanzstil Schröders lief Kohl gestern mit dem Zitat über die Nachrichtenagenturen, Tango sei sein Lieblingstanz.
Politik: Schlimmes Schweigen - Warum die Affären von CDU und SPD nicht vergleichbar sind (Kommentar)
Sachthemen sind in den Hintergrund getreten. Erschreckende Meldungen über tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten von Politikern folgen in kurzen Abständen.
Alt-Kanzler Helmut Kohl hat erneut vehement bestritten, durch den Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie 1992 an den französischen Konzern Elf Aquitaine Geld bekommen zu haben. "Um es noch einmal klar zu sagen: Ich habe zu keinem Zeitpunkt Geld erhalten und auch keinerlei Kenntnisse von anrüchigen Finanzmachenschaften gehabt", sagte der frühere CDU-Chef der "Welt am Sonntag".
Walther Leisler Kiep (74) war von 1971 bis 1992 Schatzmeister der CDU. Gegen ihn ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft.
Was, auch da haben die beiden unter einer Decke gesteckt? Gedeckt durch die Blankovollmacht der geheiligten deutsch-französischen Freundschaft soll die staatliche Elf-Acquitaine auf Anweisung von Präsident Mitterrand der CDU 30 Millionen Mark Wahlkampfhilfe gespendet haben, auf dass "Freund Helmut" 1994 gewinnt.
Der Druck ist groß, das Herz ist voll, da schwingt die Feder wie von selbst. Der Text, den Richard von Weizsäcker in der FAZ, dem Zentralorgan des deutschen Bürgertums, zur aktuellen Spendenaffäre und zu Helmut Kohl verfasst hat, ist der Rede wert.
Kurt Biedenkopf wird 70. In einem politischen Amt.
Ein Vorstoß von Bündnis 90 / Die Grünen im Abgeordnetenhaus, Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) möglicherweise die Berliner Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, ist bei den anderen Fraktionen auf Ablehnung gestoßen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte am Donnerstag erklärt, man müsse über diesen Schritt nachdenken, sollte Kohl in der CDU-Spendenaffäre weiter schweigen und die Verfassung missachten.
Der ehemalige Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der CDU, Horst Weyrauch, und der Kohl-Vertraute und CDU-Funktionär Hans Terlinden werden die ersten Zeuge sein, die der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre am 16. März vernehmen will.
Nach den Vorwürfen wegen der CDU-Spendenaffäre ist Altkanzler Kohl nun durch Flüge auf Kosten des Münchner Filmhändlers Leo Kirch zusätzlich unter Druck geraten. Kohl nahm nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt fünf Mal die Dienste von Kirchs Charterflug-Gesellschaft Transalpina in Anspruch, wie ein Sprecher des Altkanzlers am Mittwoch in Berlin bestätigte.
Über Brandenburg ist oft kritisches zu hören, über Hemmnisse und Hürden zum Beispiel. Aber manches läuft hier auch unkomplizierter ab als anderswo.
Die rheinland-pfälzische CDU hat aus den schwarzen Kassen Helmut Kohls insgesamt 146 000 Mark zur Finanzierung des Landtagswahlkampfes 1996 erhalten. Dies teilte der Landesvorsitzende Christoph Böhr als Ergebnis des Berichts der unabhängigen Wirtschaftsprüfer für die Bundespartei für die Zeit zwischen 1993 und 1998 mit.
Frankreichs Manager des Jahres 1999, Totalfina-Chef Thierry Desmarest, wird eben dieses Erfolgsjahr noch so manch schlaflose Nacht bereiten. Desmarest, ein umgänglicher und nüchterner Typ, der sich ungern in den Vordergrund stellt und daher unter Kollegen "Monsieur Passe-par-tout" genannt wird, hatte erst vor einem Jahr seinen Ölkonzern Total mit dem belgischen Wettbewerber Petrofina vereinigt.
Das Gerücht, einer der Wahlkampfhelfer der CDU sei niemand geringerer als Kohls Freund François Mitterrand gewesen, beherrscht auch die französischen Schlagzeilen. Sollte es sich bewahrheiten, wäre Kohls Schweigen besser zu verstehen als bisher.
Kurt Biedenkopf (69), sächsischer Ministerpräsident, gehört seit Jahrzehnten zu der kleinen Schar innerparteilicher Kritiker von Altkanzler Helmut Kohl. Er fordert von seiner Partei nicht nur eine Aufklärung der illegalen Geldspenden, sondern auch eine gesellschaftspolitische Neubesinnung.
Das Schlimmste ist die Angst vor dem Unbekannten. Sobald der Schrecken einen Namen erhält, wird es besser.
Manche Hoffnungen hatte die CDU mit dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young verbunden. Wenn die Zahlen ordnungsgemäß geprüft vorliegen, dann könne die Partei reinen Tisch machen.
Unabhängige Ermittler sollen nach dem Willen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Fall der im Kanzleramt verschwundenen Leuna-Akten aufklären. Die Regierung bemühe sich darum nachzuvollziehen, was geschehen ist, sagte Schröder am Montag in Berlin.
Für den früheren Fußball-Bundestrainer Berti Vogts bleibt Helmut Kohl trotz der Parteispendenaffäre "sein ganz großer politischer Freund". Er habe mehrmals probiert, den Ex-Kanzler über dessen Büroleiterin Juliane Weber zu erreichen und werde es weiter versuchen, sagte Vogts der "Bild am Sonntag".
Nein, sie sind nicht miteinander fertig. Nicht Helmut Kohl mit der CDU, nicht die CDU mit Helmut Kohl.
Die Welt wartet, jedenfalls die CDU, dass Helmut Kohl sein Schweigen bricht - und dann, am späten Nachmittag, eine Erklärung, auf Fraktionspapier verbreitet: "Um Schaden von der Christlichen Demokratischen Union abzuwehren, habe ich mich entschlossen, die Namen der Persönlichkeiten, die meine Arbeit in der CDU finanziell unterstützt haben, vor einem hochrangigen Ausschuss zu nennen." Die CDU, mindestens die, atmet auf.
Kann die CDU Altkanzler Helmut Kohl vor den Kadi bringen? Sie kann - jedenfalls theoretisch.
Der Stammtisch, sowohl ein realer wie ein symbolischer Ort, hat es schon immer gewusst und fühlt sich auf das Schönste bestätigt: Politik ist ein schmutziges Geschäft; Macht korrumpiert; Politiker sind käuflich, bestechlich, handeln nur im eigenen Interesse, mauscheln, lügen und betrachten den Staat als Selbstbedienungsladen. Es ist klar, warum der Stammtisch so denkt, so denken muss: aus Selbstachtung.
Erst schüttelt Helmut Reul den Kopf, dann verdreht er die Augen und schließlich hebt er die Hände, als wenn er irgendeinen Angriff abwehren wollte. "Nein, das kann ich mir nicht vorstellen", sagt er schließlich und wiederholt dieses "Nein" in kurzen Abständen gleich mehrfach.
Im alten Rom warf man, damit das Volk etwas zu lachen hatte, Christen hungrigen Löwen zum Fraß vor. Heutzutage, im modernen Berlin, werfen Christdemokraten ihre eigenen Führer in die Arena.
Wolfgang Hüllen hatte Angst. Wolfgang Hüllen wusste, dass etwas auf ihn zukam und dass es für ihn keinen Ausweg gab.
Die Spendenaffäre lässt die Union in der Wählergunst einbrechen. Die rot-grüne Regierung profitiert davonDas ZDF-Politbarometer stellt die Haupttrends der Befragung vom 17.
Angesichts der CDU-Spendenaffäre hat sich unterdessen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, zu Wort gemeldet. In der Sonntagsausgabe der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" ruft er zur Wiedergewinnung einer politischen Kultur auf.
Mit seiner eigenen Partei redet er zur Zeit wohl nicht. Selbst diejenigen in der CDU, die versuchen, an Helmut Kohl heranzukommen, müssen feststellen: Der blockt ab.
Die Ereignisse überschlagen sich. Was wir gerade erleben, sind aber nicht nur schlicht weitere Akte im Drama über den Fall der CDU.
Das Verhalten vom Ex-Kanzler Helmut Kohl beschäftigt auch die CDU-Basis. Im Folgenden einige Stimmen.
Schon wieder eine Parteispende. Ein junger Mann in Freizeitkluft, der sich als CDU-Ortsvorsitzender und Unternehmer vorstellt, überreicht einen Barscheck.
Die Regierungsfraktionen beabsichtigen, den Auftrag des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu erweitern, um auch die in Hessen bekannt gewordenen Finanzverwicklungen einbeziehen zu können. Das kündigte der Vorsitzende des Gremiums, Volker Neumann (SPD), am Donnerstag in Berlin an, nachdem der Ausschuss zu einer dritten Arbeitssitzung zusammengekommen war.
Hat Schäuble sich nichts weiter vorzuwerfen, als die Spende Schreibers zu spät zugegeben zu haben?Was steckt wirklich hinter dem Spenden-System Helmut Kohls - womöglich Millionen aus der Flick-Affäre?
"Er ist wieder der Alte", beschreibt ein Vertrauter Wolfgang Schäubles die Stimmung des CDU-Vorsitzenden und setzt hinzu: "Er ist mit sich im Reinen." Das war nicht immer so in den vergangenen Tagen.
Reicht das Opfer, das die CDU sich selbst und der Öffentlichkeit gebracht hat? Was vor drei Wochen ganz undenkbar schien, ist jetzt nicht genug.