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Thema

Helmut Kohl

Frisst die CDU-Krise nun auch ihre Aufklärer? Kann Wolfgang Schäuble nach seinem letzten Eingeständnis noch der Mann sein, der die Partei aus dem Sumpf führt, in dem sie ratlos herumrudert?

Von Hermann Rudolph

Helmut Kohl liebt es ebenso wie sein Nachfolger als Bundeskanzler, Gerhard Schröder, mit einer Frau eng zu tanzen. Nach der gestrigen Betrachtung im Tagesspiegel über den Tanzstil Schröders lief Kohl gestern mit dem Zitat über die Nachrichtenagenturen, Tango sei sein Lieblingstanz.

Ein Vorstoß von Bündnis 90 / Die Grünen im Abgeordnetenhaus, Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) möglicherweise die Berliner Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, ist bei den anderen Fraktionen auf Ablehnung gestoßen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte am Donnerstag erklärt, man müsse über diesen Schritt nachdenken, sollte Kohl in der CDU-Spendenaffäre weiter schweigen und die Verfassung missachten.

Nach den Vorwürfen wegen der CDU-Spendenaffäre ist Altkanzler Kohl nun durch Flüge auf Kosten des Münchner Filmhändlers Leo Kirch zusätzlich unter Druck geraten. Kohl nahm nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt fünf Mal die Dienste von Kirchs Charterflug-Gesellschaft Transalpina in Anspruch, wie ein Sprecher des Altkanzlers am Mittwoch in Berlin bestätigte.

Frankreichs Manager des Jahres 1999, Totalfina-Chef Thierry Desmarest, wird eben dieses Erfolgsjahr noch so manch schlaflose Nacht bereiten. Desmarest, ein umgänglicher und nüchterner Typ, der sich ungern in den Vordergrund stellt und daher unter Kollegen "Monsieur Passe-par-tout" genannt wird, hatte erst vor einem Jahr seinen Ölkonzern Total mit dem belgischen Wettbewerber Petrofina vereinigt.

Das Gerücht, einer der Wahlkampfhelfer der CDU sei niemand geringerer als Kohls Freund François Mitterrand gewesen, beherrscht auch die französischen Schlagzeilen. Sollte es sich bewahrheiten, wäre Kohls Schweigen besser zu verstehen als bisher.

Für den früheren Fußball-Bundestrainer Berti Vogts bleibt Helmut Kohl trotz der Parteispendenaffäre "sein ganz großer politischer Freund". Er habe mehrmals probiert, den Ex-Kanzler über dessen Büroleiterin Juliane Weber zu erreichen und werde es weiter versuchen, sagte Vogts der "Bild am Sonntag".

Die Welt wartet, jedenfalls die CDU, dass Helmut Kohl sein Schweigen bricht - und dann, am späten Nachmittag, eine Erklärung, auf Fraktionspapier verbreitet: "Um Schaden von der Christlichen Demokratischen Union abzuwehren, habe ich mich entschlossen, die Namen der Persönlichkeiten, die meine Arbeit in der CDU finanziell unterstützt haben, vor einem hochrangigen Ausschuss zu nennen." Die CDU, mindestens die, atmet auf.

Der Stammtisch, sowohl ein realer wie ein symbolischer Ort, hat es schon immer gewusst und fühlt sich auf das Schönste bestätigt: Politik ist ein schmutziges Geschäft; Macht korrumpiert; Politiker sind käuflich, bestechlich, handeln nur im eigenen Interesse, mauscheln, lügen und betrachten den Staat als Selbstbedienungsladen. Es ist klar, warum der Stammtisch so denkt, so denken muss: aus Selbstachtung.

Im alten Rom warf man, damit das Volk etwas zu lachen hatte, Christen hungrigen Löwen zum Fraß vor. Heutzutage, im modernen Berlin, werfen Christdemokraten ihre eigenen Führer in die Arena.

Von Roger Boyes

Angesichts der CDU-Spendenaffäre hat sich unterdessen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, zu Wort gemeldet. In der Sonntagsausgabe der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" ruft er zur Wiedergewinnung einer politischen Kultur auf.

Die Regierungsfraktionen beabsichtigen, den Auftrag des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu erweitern, um auch die in Hessen bekannt gewordenen Finanzverwicklungen einbeziehen zu können. Das kündigte der Vorsitzende des Gremiums, Volker Neumann (SPD), am Donnerstag in Berlin an, nachdem der Ausschuss zu einer dritten Arbeitssitzung zusammengekommen war.

Von Tissy Bruns

Hat Schäuble sich nichts weiter vorzuwerfen, als die Spende Schreibers zu spät zugegeben zu haben?Was steckt wirklich hinter dem Spenden-System Helmut Kohls - womöglich Millionen aus der Flick-Affäre?

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