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Thema

Helmut Kohl

Der Bundesrat hat sich am Freitag erstmals mit einer Verschärfung des Parteiengesetzes als Konsequenz aus den Finanzaffären der CDU beschäftigt. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) brachte einen Gesetzesentwurf seines Landes ein, der eine persönliche Haftung bei Verstößen gegen das Parteiengesetz vorsieht.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat die vom früheren Kanzleramtschef Friedrich Bohl eingeräumte Vernichtung von Dateien nach der Wahl 1998 als einen "ungeheuerlichen Vorgang" bezeichnet. In einem Tagesspiegel-Interview mit Friedrich Bohl hatte Bohl (CDU) auf den Vorhalt des Tagesspiegels, er habe im Kanzleramt Dateien löschen lassen, wörtlich geantwortet: "Dazu stelle ich fest, dass dies keine Aktenbestände waren.

Wolfenbüttel, Recklinghausen, Bremen, Berlin, Kaiserslautern, Eisenach und Stuttgart - das sind nicht die Tournee-Orte einer Popgruppe, sondern jene Städte, in denen sich in den kommenden vier Wochen das Schicksal der CDU entscheiden wird. Es sind die Orte, in denen, nach dem Auftakt am vergangenen Freitag, die Regionalkonferenzen der Union stattfinden.

Der CDU-Finanzskandal ist schon seit langem auch ein Fall für die Justiz: Bundesweit ermitteln zurzeit vier Staatsanwaltschaften im Zusammenhang mit anonymen Parteispenden, schwarzen Konten und angeblichen Schmiergeldzahlungen. Im Folgenden eine kurze Übersicht der ErmittlungenBonn: Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem 3.

Die CDU-Führung befreit sich: von Helmut Kohl, von Wolfgang Schäuble, von ihrer gemeinsamen Ära, und dazu von den Ritualen der Macht, die sie über Jahrzehnte eingeübt hat. Die Führungsgremien waren folgsam aufs Wort: Nur der eine gab die Kommandos.

Von Stephan-Andreas Casdorff

Die Spendenaffäre der CDU und die Flugaffäre der SPD machen den Büttenrednern in den Karnevalshochburgen an Rhein und Main mächtig Arbeit. "Ich muss täglich Radio hören, damit ich am Abend auf der Sitzung nicht irgendeine Pointe bringe, die durch die aktuellen Ereignisse in Berlin, Wiesbaden oder Düsseldorf vielleicht schon wieder veraltet ist", berichtet ein Profi-Narr aus der Domstadt.

Der Bundestagspräsident hat sein Urteil gesprochen. Bilanzieren wir kurz den Schaden für die CDU: 41 Millionen Mark beträgt die Strafe für einen falschen Rechenschaftsbericht, wie ihn die Partei für das Jahr 1998 vorgelegt hat.

Von Stephan-Andreas Casdorff

Da ist die PDS schneller als gedacht in die Enge gekommen. Weil Helmut Kohl die CDU zu lange geführt hat, muss die SED-Nachfolgepartei überstürzt eine Personaldebatte führen: Kann Lothar Bisky nach der CDU-Parteispendenaffäre über 2001 hinaus Vorsitzender bleiben, obwohl sich die PDS eine Amtszeitbegrenzung der eigenen Funktionäre von acht Jahren vorgenommen hat?

Die Bundestagsabgeordneten haben nach Artikel 38 des Grundgesetzes eine herausgehobene Stellung: Ihnen darf grundsätzlich niemand vorschreiben, wie sie zu handeln haben. Deshalb sind die am Dienstag geäußerten Mahnungen an den Abgeordneten Helmut Kohl, sein Mandat abzugeben oder ruhen zu lassen, nur Appelle.

Seien wir einmal so gutgläubig wie der joviale, langjährige Kohl-Vertreter Norbert Blüm und glauben dem Altkanzler, dass es anonyme Groß-Spender gegeben hat. Norbert Blüm fordert sie nun auf, der Partei einen weiteren Dienst zu leisten und zu offenbaren, dass sie Helmut Kohl tatsächlich Bares haben zukommen lassen.

Der frühere CDU-Bundesschatzmeister Walther Leisler Kiep, der langjährige CDU-Steuerberater und Kohl-Vertraute Horst Weyrauch sowie Kieps "rechte Hand" Uwe Lüthje - das waren die zentralen Finanzakteure der CDU in der Ära des früheren CDU- Vorsitzenden Helmut Kohl.Walther Leisler Kiep: Der frühere CDU-Bundesschatzmeister war dabei, als Weyrauch von dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber 1991 eine Million Mark in bar als Spende entgegen nahm.

Ein gruseliges Schlaraffenland: Scheibe für Scheibe wird abgeschnitten von der großen Salami; doch mögen noch so viele Happen aufgetischt werden - die Wurst nimmt kein Ende. Die Öffentlichkeit wird Zeuge des taumelnden Versuchs einer großen Volkspartei, den Skandal aufzuklären, der unter ihrem Supervorsitzenden Helmut Kohl zum System geworden ist: Immer neue Details einer illegalen Finanzierungspraxis werden deutlich.

Die CDU behandelte die Weyrauch-Aussage am Mittwoch wie eine delikate Geheimsache: Die Partei wollte die Öffentlichkeit so lange wie möglich im Unklaren darüber lassen, wo und mit wem der Finanzberater der Partei und Herr über die geheimen Konten Helmut Kohls, Horst Weyrauch, ihr Rede und Antwort stehen würde. Weyrauch sagte stundenlang im Konrad-Adenauer-Haus in Bonn aus, nachdem er am vergangenen Wochenende hoch und heilig versprochen hatte, der Auskunftspflicht, die ihn noch immer an seine frühere Partei bindet, nachzukommen und auch über Details Auskunft zu geben.

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