Vorstoß des Gesundheitsministers : Spahn will Abwerbung deutscher Ärzte erschweren

Viele dringend benötigte Ärzte und Pflegekräfte zieht es ins Ausland, vor allem in die Schweiz. Gesundheitsminister Spahn gefällt das gar nicht.

Ärzte gesucht. Gesundheitsminister Jens Spahn will ihre Abwerbung aus Deutschland erschweren.
Ärzte gesucht. Gesundheitsminister Jens Spahn will ihre Abwerbung aus Deutschland erschweren.Foto: Christian Charisius /AFP

Gesundheitsminister Jens Spahn will die Abwanderung deutscher Ärzte und Pfleger in die Schweiz und andere Länder durch neue EU-Regeln verringern. Klar sei, „dass diese Fachleute in Deutschland fehlen“, sagte der CDU-Politiker der Schweizer Zeitung „SonntagsBlick“. In Deutschland arbeiteten „dann polnische Ärzte, die wiederum in Polen fehlen.“ Das könne so nicht richtig sein. „Deshalb sollten wir darüber nachdenken, ob wir die Abwerbung von Fachleuten aus bestimmten Berufsgruppen innerhalb der EU nicht neu regeln müssen.“

WHO-Abkommen als Vorbild?

Allerdings wolle er die Freizügigkeit in Europa nicht grundsätzlich infrage zu stellen, versicherte der Minister. Entsprechende Abkommen gebe es bereits in der Weltgesundheitsorganisation. Das könne Vorbild sein. Auf jeden Fall hätte er die in die Schweiz abgewanderten Ärzte und Pfleger „gerne zurück“, sagte Spahn. Auch wenn er sie verstehe: Die Schweiz sei „ein schönes Land“.

Was Spahn nicht sagt: Dass Mediziner und Pflegekräfte in der Schweiz deutlich besser verdienen. Auch deshalb ist die Alpenrepublik für sie seit langem das mit Abstand beliebteste Auswandererland. Dazu kommen das Fehlen von Sprachbarrieren und – angeblich – deutlich bessere Arbeitsbedingungen.

Knapp 2000 Ärzte verlassen Deutschland pro Jahr

Im Jahr 2017 nahmen laut Bundesärztekammer 641 Ärzte, die vorher in Deutschland praktiziert hatten, in der Schweiz einen Job an. Nach Österreich wanderten 268 Mediziner ab, in die USA 84. Auf Platz Vier lag Griechenland mit 69 Abwanderern – wobei es sich vor allem um Rückkehrer handelt. Nach Großbritannien verabschiedeten sich 54 Mediziner. Insgesamt machten sich in dem genannten Zeitraum 1965 Ärzte ins Ausland davon. Allerdings betrug der Anteil der deutschen Ärzte unter den Abwanderern nur knappe 60 Prozent. Und im Jahr davor waren es mit 2050 Abwanderern noch etwas mehr.

Ein besonderes Problem ist die Abwanderung von Ärzten und Pflegekräften in die Schweiz für Baden-Württemberg. Grenznah gelegene Kliniken haben dort seit Jahren enorme Probleme, Personal zu finden.

Ohne deutsche Mediziner wäre Versorgung der Schweiz gefährdet

Der Schweizer Ärzteverband FMH meldete Anfang 2017, dass 17,7 Prozent der in dem Land arbeitenden Ärzte einen deutschen Pass hätten. Insgesamt wären das mehr als 6000 Personen. Ohne deutsche Ärzte, so berichteten Schweizer Medien, wäre die medizinische Versorgung in der Alpenrepublik mittlerweile gefährdet.

Tatsächlich profitiert Deutschland mengenmäßig aber deutlich stärker von zugewanderten Medizinern als es unter abgewanderten leidet. Die Zahl der hierzulande neu gemeldeten ausländischen Ärzte lag 2017 mit 4088 etwa doppelt so hoch wie die der verloren gegangenen.

Deutschland profitiert aber auch von zugewanderten Ärzten

Das Problem ist nur, dass diese Zuwanderung den Mangel an niedergelassenen Medizinern auf dem Land nicht zu beheben vermag, denn ausländische Ärzte praktizieren vorzugsweise in Krankenhäusern. Die größte Zahl ausländischer Ärzte hierzulande kommt aus Rumänien (4505), Syrien (3632) und Griechenland (3147), gefolgt von Österreich (2642). Allein im Jahr 2017 verließen wieder 220 ausgebildete Mediziner ihr Heimatland Rumänien, um zu wesentlich besseren Bedingungen in Deutschland zu arbeiten - ein enormes Problem für das EU-Land.

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