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Der Impfstoff wird Potsdamer Klinikum gelagert. 
© Sven Hoppe/dpa

Affenpocken in Brandenburg: Betroffen sind bislang nur Männer

45 Affenpocken-Fälle wurden bislang in Brandenburg gemeldet. Impfen lassen kann man sich bislang nur in Potsdam und Blankenfelde-Mahlow. Eine dritte Impfstelle in Cottbus ist geplant.

Potsdam - Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten sind typische Symptome. Vor allem aber ein Hautausschlag in Form von Flecken bis Pusteln kann darauf hindeuten: Affenpocken. In Brandenburg wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang 45 Fälle der Viruserkrankung registriert. Die jeweiligen Krankheitsverläufe seien soweit bekannt nicht schwerwiegend gewesen, sagt Ministeriumssprecher Gabriel Hesse auf PNN-Anfrage. Betroffen waren seinen Angaben zufolge Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren.
Der erste Affenpocken-Fall im Land war im Mai aus Potsdam gemeldet worden, ein 40-Jähriger hatte sich infiziert. Inzwischen kamen Fälle fast aus ganz Brandenburg dazu: aus Cottbus, Brandenburg/Havel, Potsdam-Mittelmark, Barnim, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Havelland, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree, Ostprignitz-Ruppin, Spree-Neiße und Teltow-Fläming. „Weitere Fälle sind nicht ausgeschlossen“, so Hesse. Gerade nach dem Ende der Urlaubszeit erwarten Experten weitere Infektionen.

Die Hälfte des Impfstoffs ist schon verbraucht 

„Aktuell ist der Impfstoff noch knapp“, sagt Hesse. Die Länder warteten auf die zweite Impfstoff-Lieferung durch den Bund, ein genauer Liefertermin sei aber noch nicht bekannt. Bis zum 10. August erhielt das Land Brandenburg 240 Dosen des Pockenimpfstoffes Imvanex/Jynneos, von denen laut Hesse bereits die Hälfte verimpft worden sei. In den Impfstellen gebe es eine kontinuierliche, bislang aber überschaubare Nachfrage. Schwieriger ist die Situation im Nachbarland Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat Bundesländer mit nur wenig Fällen von Affenpocken am Freitag zur Abgabe von Impfstoff an die Hauptstadt aufgerufen. Er würde sich freuen, wenn dieser Impfstoff „in den Brennpunkt Berlin verlagert werden könnte, weil wir hier eine überproportionale Belastung haben“, sagte er. Zuvor hatte unter anderem der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg mehr Affenpocken-Impfstoff für die Hauptstadt gefordert. Beim Hersteller gebe es Produktionsengpässe, erläuterte Lauterbach. Deutschland habe 40 000 Impfstoffdosen beim Hersteller direkt gekauft und etwa 5000 Dosen aus EU-Kontingenten erhalten. Man habe damit mehr Dosen bekommen als jedes andere europäische Land. Die Bundesregierung habe zudem weitere 200 000 Dosen für Deutschland bestellt. Diese sollten spätestens Anfang September kommen. Für ganz Europa habe die EU-Kommission nur 70 000 Impfstoffdosen bestellt, berichtete Lauterbach. In Potsdam kamen die ersten 240 Dosen für Brandenburg am 20. Juni an. „Eine besondere Herausforderung für die Logistik ist, dass der Impfstoff bei minus 20 Grad gelagert werden muss“, hatte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärt. Das Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann“ hat die zentrale Lagerung übernommen. Impfen lassen kann man sich in Brandenburg bislang nur an zwei Orten. Die vom Land beauftragten Impfstellen sind aktuell das Gesundheitsamt Potsdam und die HIV-Schwerpunktpraxis der Ärztin Ines Liebold in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming). Eine weitere Impfstelle ist in Cottbus geplant. 

Nur bestimmten Risikogruppen wird die Impfung derzeit empfohlen 

Geimpft wird in Brandenburg seit Anfang Juli. Aber nicht jeder, der eine Impfung gegen Affenpocken wünscht, bekommt derzeit eine. „Angesichts der bislang zur Verfügung stehenden Anzahl von Impfstoffdosen sollen zunächst vor allem enge Kontaktpersonen von Infizierten das Angebot einer Pockenimpfung erhalten“, so Ministeriumssprecher Hesse. Eine Impfung zum Schutz vor einer Ansteckung wird insbesondere Männern empfohlen, die Sex mit Männern haben und häufig den Partner wechseln, weil sich nach bisherigen Erkenntnissen das Virus auf diesem Weg besonders leicht überträgt. Auch Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten und Personal von Speziallaboren rät die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) zur Impfung. „Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung wird nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt“, hatte Brandenburgs Gesundheitsministerin Nonnemacher im Juni erklärt. Anders als bei Corona verbreiten sich Affenpocken-Viren nur bei sehr engem Kontakt. „Wir mahnen aber zur Vorsicht“, so die Ministerin. Personen, die möglicherweise Kontakte zu Infizierten hatten, werde empfohlen, genau auf Symptome zu achten und Kontakte vorsorglich zu reduzieren. „Wer unsicher ist, sollte sich ärztlich beraten lassen“, so Nonnemacher. Für die Bekämpfung der Affenpocken sei es neben der Impfung vor allem wichtig, Fälle und deren Kontaktpersonen frühzeitig zu identifizieren, Isolations- und Quarantänemaßnahmen einzuleiten, mögliche Verdachtsfälle zeitnah diagnostisch abzuklären sowie die betroffenen Risikogruppen aufzuklären.

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