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Hört, hört. Ante Covic trainiert jetzt Herthas Profis.

© Soeren Stache/dpa

Sieben Bundesliga-Klubs setzen auf neue Trainer: Wir sind die Neuen

Die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison läuft. Gleich sieben Mannschaften müssen sich dabei auf einen anderen Coach einstellen. Ein Überblick.

ANTE COVIC (HERTHA BSC): Der Überraschende
Viele waren verwundert, als Herthas Manager Michael Preetz den neuen Cheftrainer der Berliner vorstellte. Mit Pal Dardai musste zuvor ein Ur-Herthaner gehen. Er hatte zwar gute Arbeit geleistet, die Tabellenplätze neun bis zwölf reichen dem Manager mittelfristig aber nicht mehr aus. Hertha BSC und Michael Preetz streben nach Größerem. Es sei das Ziel „die Reichweite zu den internationalen Plätzen zu verringern“, hieß es, nachdem bekannt geworden war, dass Lars Windhorst 125 Millionen in den Verein investiert hat.

Wie passt da Ante Covic ins Konzept, der bisher die zweite Mannschaft verantwortet, aber keine Erfahrung im Profibereich vorzuweisen hat? Hertha hat sich durchaus mit anderen Trainern beschäftigt, jedoch soll Covic Preetz so überzeugt haben, dass letztlich kein anderer mehr in Frage kam. Mit Covic stellt Hertha auf jeden Fall sicher, dass der seit Jahren beschrittene Weg weitergegangen wird. Dabei steht die Ausbildung vielversprechender junger Spieler im Mittelpunkt. Dass der 43-jährige Covic mit Talenten umgehen kann, bewies er bereits während seiner Zeit bei der U 23. Er sagt, er wolle die jungen Spieler „von der Leine lassen“. Mit U-21-Nationalspieler Eduard Löwen und Deishawn Redan (18, Chelsea), stehen zwei neue Spieler bereit, die in dieses Anforderungsprofil passen. Covics Aufgabe wird es sein, sie ins Team zu integrieren und aus dem vorhandenen Potenzial eine erfolgreiche Bundesliga-Mannschaft zu formen.

Auffällig oft greift er im Training in die Übungen ein, erklärt viel, redet mit einzelnen Spielern, vor allem mit den Veteranen Vedad Ibisevic und Salomon Kalou, auf deren Erfahrung es in der nächsten Spielzeit besonders ankommen wird. Bei Spielformen hört man ihn immer wieder von der Seite aus rufen:" Nicht zum Torwart zurück spielen, findet spielerische Lösungen!".

Covic ist ein Verfechter dessen, was oft als „moderner Fußball“ bezeichnet wird: Nach Ballverlusten soll direkt gepresst werden, die Abwehr steht hoch und die Umschaltbewegung in den Angriff erfolgt schnell. Auch gegen vermeintlich große Namen soll sich die Mannschaft nicht verstecken, sondern mutig Covics Spielphilosophie umsetzen. Die starken Auftritte der letzten Saison gegen Bayern, Gladbach, Dortmund und Schalke dürfen hierfür als Lehrbeispiele dienen. Bei Hertha BSC erhofft man sich von Covic also einen neuen Impuls in Richtung Spielkultur, den es so unter dem alten Trainer nicht mehr hätte geben können. Ziel soll es sein, dass die Fans auch nach einer Niederlage zufrieden mit dem Auftritt von Hertha sein können und eine Entwicklung erkennen, die dann langfristig zum Erfolg führt.

ACHIM BEIERLORZER (1. FC KÖLN): Der Ehrliche
Sein Handwerk gelernt hat Achim Berierlorzer bei einem Klub, der nicht bei allen Kölner Fans gut ankommt. Er arbeitete in der Saison 2015/2016 als Co-Trainer von Ralf Rangnick bei RB Leipzig, damals noch in der Zweiten Liga. Ein Jahr zuvor hatte der studierte Mathe- und Sportlehrer den Titel des Fußballlehrers erworben, die höchste Trainerlizenz. Und Beierlorzer war der Beste seines Jahrgangs. Dass er sein Wissen auch als Cheftrainer Profimannschaft anzuwenden weiß, bewies er zuletzt bei Zweitligist Jahn Regensburg, wo er trotz verhältnismäßig geringer Mittel sogar um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielte. Der 51 Jahre alte Coach formte in Regensburg eine offensivstarke Mannschaft, die in der vergangenen Saison unter anderem den Hamburger SV und seinen neuen Arbeitgeber aus Köln bezwang.

Breit machen, bitte. Kölns frischer Taktikgeber ist Achim Beierlorzer.
Breit machen, bitte. Kölns frischer Taktikgeber ist Achim Beierlorzer.

© dpa

Klar, dass sich nach einer solchen Bilanz auch Klubs aus der höchsten Spielklasse für ihn interessierten. Der Herausforderung Bundesliga darf sich Beierlorzer nun erstmals beim 1. FC Köln stellen. Der hatte Vorgänger Markus Anfang erst kurz vor Saisonende entlassen, als der Aufstieg des FC schon so gut wie feststand. Doch ergebnisbezogener Erfolg allein reicht eben nicht mehr, wie das Beispiel Anfang zeigt. Es muss auf allen Ebenen stimmen, um nachhaltigen Erfolg zu haben. So hoffen die Verantwortlichen jetzt, dass der neue Trainer vor allem die zuletzt verlorengeglaubte Nähe zu den Spielern wiederherstellen kann. Armin Veh, der als Geschäftsführer Sport hauptverantwortlich für Beierlorzers Einstellung war, lobt dessen „authentische Ausstrahlung“. Beierlorzer selbst spricht gerne über die Wichtigkeit einer guten Kommunikation mit seinen Spielern und pflegt ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Profis, wie zu hören ist. „Ich will Begeisterung und Freude vorleben“, sagt er.

Marco Rose fordert Dominanz

Der mit den Wölfen heult. Oliver Glasner heißt der neue Coach des VfL Wolfsburg.
Der mit den Wölfen heult. Oliver Glasner heißt der neue Coach des VfL Wolfsburg.

© dpa

OLIVER GLASNER (VFL WOLFSBURG): Der Höfliche
Ein Lautsprecher war Oliver Glasner noch nie. So kam er auch bei seinen ersten Auftritten in Wolfsburg rüber: Der 44-Jährige Salzburger wirkte bodenständig, sympathisch und höflich. Stilgerecht legten er und sein österreichisches Trainerteam die Strecke nach Wolfsburg im Bulli des neuen Arbeitgebers zurück. Glasner bezeichnet sich selbst als „Teamplayer“. Als eine seiner ersten Amtshandlungen ließ er eine Trennwand zu seinem Büro einreißen. Ist er in Deutschland bisher noch weitgehend unbekannt, so hat er in Österreich doch umso größeren Eindruck hinterlassen. Zunächst als Spieler in der österreichischen Ersten Liga, als er hauptsächlich für den SV Ried aktiv war.

Seine ersten Trainererfahrungen machte Glasner 2012 bei RB Salzburg als Co-Trainer von Roger Schmidt, bevor er 2015 den Linzer ASK hauptverantwortlich übernahm. Hier gelang es ihm schnell, seine Interpretation des modernen Fußballspiels zu etablieren und dadurch gute Resultate zu erzielen. Er entwickelte Linz innerhalb von drei Jahren von einem durchschnittlichen Zweitligisten zum Vizemeister Österreichs, der nur von RB Salzburg übertroffen werden konnte. In der nächsten Saison wird Glasners alter Klub aus dem beschaulichen Linz also um die Teilnahme an der Champions League mitspielen.

In Wolfsburg hoffen Fans und Verantwortliche auf ähnliche Wunderdinge. Kurz- bis mittelfristig strebt der VfL – gemäß der zur Verfügung stehenden Mittel – wieder Platzierungen unter den besten Fünf der Liga an. Mit dem 21-jährigen zentralen Mittelfeldspieler Xaver Schlager steht dafür nun eines der begehrtesten Talente der Bundesliga zur Verfügung. Der Österreicher, der von RB Salzburg nach Wolfsburg wechselt, entschied sich trotz Interesses aus Leipzig und seines ehemaligen Trainers Marco Rose aus Gladbach für Oliver Glasner und den VfL Wolfsburg. Er freue sich darüber unter einem österreichischen Trainer zu arbeiten, sagte er. Außerdem kommt ihm Glasners Spielstil zu Gute, der dem von RB Salzburg in wesentlichen Teilen ähnelt.

JULIAN NAGELSMANN (RB LEIPZIG): Der Musterschüler
Man mag es kaum glauben, aber Julian Nagelsmann wird an diesem Dienstag tatsächlich erst 32 Jahre jung. Trotzdem ist er bereits einer der begehrtesten Trainer im professionellen Fußball. Mit Rasenballsport Leipzig übernimmt er nun einen Champions- League-Teilnehmer, der mit hohen Ambitionen in die neue Saison startet. Die Laufbahn von Nagelsmann im Fußball liest sich wie ein Drehbuch: Verletzungsbedingt muss er seine aktive Karriere schon im Alter von 20 Jahren abbrechen. Doch Nagelsmann zerbricht nicht an diesem Schicksal. Er weiß, dass er alle Qualitäten besitzt, die ein guter Coach mitbringen muss und wechselt nahtlos auf die Trainerbank. Bereits im Alter von 25 Jahren übernimmt er die U19 in Hoffenheim. Dort arbeitet er so erfolgreich, dass die Vereinsführung ihm schon zweieinhalb Jahre später den Posten als Cheftrainer der ersten Mannschaft zutraut, die zu diesem Zeitpunkt mitten im Abstiegskampf steckt. Im Februar 2016 gibt Nagelsmann als jüngster Trainer der Geschichte sein Bundesliga-Debüt. Die riskante Entscheidung zahlt sich aus.

Da geht's lang. Bei RB Leipzig gibt nun Julian Nagelsmann (r.) das Kommando vor.
Da geht's lang. Bei RB Leipzig gibt nun Julian Nagelsmann (r.) das Kommando vor.

© Jan Woitas/AFP

Nagelsmanns Erfolg spricht für ihn. Durch seine genauen Vorstellungen, die er den Spielern unmissverständlich klarmacht und bis hin zur Perfektion trainieren lässt, führte er TSG in den zurückliegenden Jahren wieder in die Reichweite der europäischen Plätze. Nun ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, den nächsten Karriereschritt zu gehen. Die Möglichkeiten in Leipzig sind um einiges größer, die Ambitionen sind es ebenso. Sowohl Nagelsmann auch auch die Klubverantwortlichen wünschen sich in naher Zukunft Titel. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sagte bei Nagelsmanns Vorstellung: „Er verkörpert alles, was RB Leipzig auszeichnet.“ Der neue Trainer muss nur noch zeigen, dass er auch Spieler weiterentwickeln und von seinen Konzepten überzeugen kann, die schon Champions-League-Qualität haben, weiterentwickeln und von seinen Vorstellungen überzeugen. Bedenkt man aber, dass Trainer teilweise bis in die hohen 70er Jahre ihrem Beruf nachgehen, ist Julian Nagelsmann sicherlich noch der ein oder andere Titel zuzutrauen.

MARCO ROSE (BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH): Der Dominante
Auf seiner ersten Pressekonferenz machte Mönchengladbachs neuer Trainer direkt klar, was er will. Die direkten Worte klangen für viele Anwesende neu, zumindest im Zusammenhang mit der Borussia. Marco Rose sagte, er könne zwar vom sehr guten Fundament seines Vorgängers Dieter Hecking profitieren, möchte dem Spiel der Gladbacher aber eine gewisse „Gier, Emotionalität und Aggressivität“ verleihen. Auf die Profis dürfte also schon in dieser frühen Phase der Saison viel Arbeit zukommen. Roses Spielidee verlangt den Spielern körperlich und mental viel ab. Sie sollen viel laufen im Spiel, hart dagegenhalten und an den Prinzipien festhalten, die Rose für die richtigen hält. Man erkennt schnell, wo er sie her hat: aus der sogenannten „RB-Schmiede“.

Trägt auch Verantwortung. Trainer Marco Rose, der Borussia Mönchengladbach übernommen hat.
Trägt auch Verantwortung. Trainer Marco Rose, der Borussia Mönchengladbach übernommen hat.

© dpa

Als Trainer von RB Salzburg hat er stets einen dominanten und aggressiven Stil spielen lassen, ähnlich dem von RB Leipzig. Damit war er unglaublich erfolgreich – gemessen an dem, was in Österreich möglich ist. Durchschnittlich hat der Trainer 2,5 Punkte in 207 Spielen im Jugend- und Männerbereich geholt. Nachdem er 2017 mit der U19 Salzburgs ungeschlagen die Youth League gewonnen hatte, übernahm er die erste Mannschaft in Salzburg und wurde mit ihr zweimal souverän Österreichischer Meister. Nicht umsonst war Marco Rose in diesem Sommer zusammen mit Julian Nagelsmann der begehrteste Trainer auf dem Markt. Borussias Sportdirektor Max Eberl hat es geschafft, ihn von der Aufgabe bei Borussia Mönchengladbach zu überzeugen. Eberl hofft, dass Rose dem Gladbacher Spiel genau die Dominanz zurückgeben kann, die in der vergangenen Rückrunde abhanden gekommen ist.

Alfred Schreuder formte zuletzt Ajax Amsterdam

Eurofighter mit Esprit. Schalke setzt auf David Wagner als Cheftrainer.
Eurofighter mit Esprit. Schalke setzt auf David Wagner als Cheftrainer.

© Tim Rehbein/dpa

DAVID WAGNER (SCHALKE 04): Der Leidenschaftliche
David Wagner hat sich bei irgendwem erkundigt, wohin er wechseln soll. „Kloppo sagte, dass Schalke absolut zu mir passt. Es ist schließlich ein hoch emotionaler Klub, mit Leidenschaft und Wucht“, sagte der neue Trainer des FC Schalke 04 im Interview mit Sport 1. Gemeint war natürlich der große Jürgen Klopp vom FC Liverpool, den Wagner aus Mainzer Zeiten kennt. Mehr noch, Jürgen Klopp war der Trauzeuge von Wagner – und offenbar ein guter Ratgeber. Denn eigentlich hatte Wagner gar nicht vor, seine Trainerkarriere außerhalb Englands fortzusetzen. Wenn aber ein Klub wie Schalke anfragt, ist das für ihn etwas anderes. Der 47-Jährige spielte in den 1990ern schon für Schalke und Mainz. Sein Weg als Trainer führte ihn später über Hoffenheims Jugendmannschaften und Borussia Dortmund II zur Zweiten Liga in England.

Mit Huddersfield Town gelang ihm der Aufstieg in die Premier League. Doch dann entließ ihn der Verein vor dem Start der Rückrunde, als man nur Tabellenletzter war. Trotz seines letztlich unrühmlichen Abschieds bei Huddersfield Town mangelte es ihm nicht an Angeboten, Wagner hatte gut gearbeitet. Auch sein Nachfolger Jan Siewert konnte den Verein nach einer schwachen Saison nicht mehr vor dem Abstieg bewahren.

Jetzt also Schalke: einer der traditionsreichsten und zugleich unruhigsten Klubs der Liga. Wagner liebt jedoch genau diese Emotionalität. Er beschreibt sich selbst als leidenschaftlich. Aber Wagner sollte dabei nicht vergessen, dass es seine Aufgabe sein wird, Schalke wieder in eine Tabellenregionen zu führen, die man selbst als angemessen betrachtet. Der erste Schritt dürfte darin bestehen, die schwache Vorsaison mit den Niederlagenserien erfolgreich zu verarbeiten.

ALFRED SCHREUDER (TSG HOFFENHEIM): Der Seriöse
An der Seitenlinie der TSG Hoffenheim wird zur neuen Saison jemand stehen, den sie im Kraichgau gut kennen. Der 46-jährige Alfred Schreuder aus den Niederlanden (gesprochen: „Skroider“) war zwischen 2015 bis 2018 Co-Trainer der TSG unter Julian Nagelsmann. Jetzt kehrt er als Chef zurück. Schreuder ist ein Taktiker, der den Fußball detailorientiert durchdenkt und eine ganz genaue Vorstellung davon hat, wie zu spielen ist. Bereits zu seiner aktiven Zeit verstand er es, das Spiel zu lesen und zu lenken, sodass er sich den Ruf erarbeitete, der verlängerte Arm des Trainers zu sein. Als Co-Trainer hielt er sich meist zurück und arbeitete im Stillen seriös und intelligent. Abwehrspieler Kevin Voigt erinnert sich in der „Bild“ an die Zeit: „Alfred ist jemand, der dir mit dem Laptop hinterher läuft. Der trichtert dir das so lange ein, bis du es verstanden hast.“

Ajax-Schule. Trainer Alfred Schreuder (gesprochen: "Skroider") wechselte von Amsterdam nach Hoffenheim.
Ajax-Schule. Trainer Alfred Schreuder (gesprochen: "Skroider") wechselte von Amsterdam nach Hoffenheim.

© Stringer/Reuters

Schreuder kommt von Ajax Amsterdam, wo er seine bisher erfolgreichste Saison erlebte. Er erreichte mit Ajax überraschend das Halbfinale der Champions League und gewann souverän die niederländische Meisterschaft. Zusammen mit Trainer Erik ten Hag gelang es ihm, aus den vielen talentierten Spielern um Matthijs de Ligt und Frenkie de Jong eine Einheit zu formen, die am Ende der Saison zurecht als Europas Mannschaft der Stunde gefeiert wurde. Dass er nun die TSG Hoffenheim übernimmt, wirkt wie der nächste logische Schritt für beide Seiten. Er kennt die Beteiligten und die Strukturen und kann auf Nagelsmanns Arbeit aufbauen. Beide haben eine ähnliche fußballerische Philosophie, auf die der Hoffenheimer Kader natürlich bereits ausgelegt ist. In Hoffenheim wünschen sich die Verantwortlich nach dem Abgang von Julian Nagelsmann zu RB Leipzig nicht mehr als einen reibungslosen Übergang.

Sebastian Behrens

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