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Die Bristol Rovers schafften das beinahe Unmögliche und stiegen nach einem Sieben-Tore-Sieg am letzten Spieltag noch auf.
© Shutterstock/Imago

Von der Bundesliga bis zur Regionalliga: Worum es am letzten Spieltag der Saison noch geht

Im Saisonfinale geht es für einige Klubs noch um viel. In England zeigte sich, dass alles möglich ist. Hier die Ausgangslagen in den deutschen Ligen.

Vergangener Samstag, vierte englische Liga (League Two), letzter Spieltag. Exeter City und die Forest Green Rovers stehen als Aufsteiger fest. Die besten Chancen auf den dritten Aufstiegsplatz hat Northampton Town, das punktgleich mit den Bristol Rovers das um fünf Treffer bessere Torverhältnis besitzt. Northampton gewinnt 3:1 beim AFC Barrow – und steigt doch nicht auf. Weil in Bristol der Wahnsinn Realität wird: 7:0 gegen Schlusslicht Scunthorpe United, fünf Tore fallen ab der 53. Minute. Der Blick nach England zeigt mal wieder: Im Fußball ist immer alles möglich, auch und erst recht am letzten Spieltag. In Deutschland enden an diesem Wochenende in den obersten vier Spielklassen fast alle Ligen. Wir sagen, wo das Hinschauen besonders lohnt.

BUNDESLIGA

Hochspannung? War einmal. 1999 etwa wird noch ein Absteiger gesucht, fünf Teams müssen zittern. Der Rest ist Legende: Es erwischt den 1. FC Nürnberg, der als Zwölfter mit drei Punkten Vorsprung und dem besseren Torverhältnis als Eintracht Frankfurt (16.) ins Saisonfinale gegangen war. Radioreporter Günther Koch ruft kurz vor dem Ende: „Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund.“ Oder zwei Jahre später: Schalker Meisterjubel – doch das Spiel vom Konkurrenten aus München läuft noch in Hamburg. Freistoß Patrik Andersson, Tor für Bayern, Schock für Schalke.

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Solche Dinge passieren nur höchst selten, klar. Aber dieses Mal ist es in der Tat ziemlich dünn, was die Liga am letzten Spieltag in Sachen Spannung anzubieten hat. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass der Vorletzte Arminia Bielefeld (Heimspiel gegen Leipzig) drei Punkte und sieben Tore auf den VfB Stuttgart (gegen den 1. FC Köln) aufholt?

Einen dritten Direktabsteiger gibt es längst nicht mehr. Daher stellt sich nur die Frage: Wer muss in die Relegation, Stuttgart oder Hertha? Die Berliner erwischt es im Falle einer Niederlage bei Borussia Dortmund – und der VfB gewinnt.
Was die Spannung angeht, ist Berlin sogar privilegiert, denn auch für die andere Mannschaft aus der Stadt geht es um viel: Union (54 Punkte/47:42 Tore) zieht mit einem Sieg gegen Bochum in die Europa League ein. Eventuell auch mit einem Remis oder einer Niederlage, das hängt vom Ergebnis der Kölner (52/51:47) ab.

Ein wenig offen ist noch der vierte Startplatz für die Champions League. Hier reicht Leipzig dank des deutlich besseren Torverhältnisses gegenüber Freiburg (+35 zu +13) ein Unentschieden in Bielefeld. Verliert Leipzig, würde Freiburg mit drei Punkten bei Bayer Leverkusen auf Platz vier springen.

ZWEITE LIGA

Kürzlich kämpften noch fünf Teams um den Aufstieg. Schalke 04 hat es am vergangenen Samstag geschafft, durch ein 3:2 gegen St. Pauli, das damit praktisch raus ist aus dem Rennen. Bleiben drei Teams für einen Aufstiegsplatz und den Relegationsrang. Bremen hat die besten Chancen: Für Werder reicht ein Punkt gegen Regensburg. Drei Zähler hinter den Bremern liegen der HSV (bei Hansa Rostock) und Darmstadt 98 (gegen Paderborn). Beim Torverhältnis hat Darmstadt deutlich das Nachsehen (+22 zu +31).
Das Ganze birgt durchaus einen hohen Nervenkitzel-Faktor. Weil die Zweite Liga in dieser Saison andauernd überraschende Ergebnisse geliefert hat. Und weil sie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder aufregende Geschichten auf Lager hatte: 2021 beispielsweise rutscht Holstein Kiel nach einer Heimniederlage gegen Darmstadt (2:3 nach 1:0-Führung) am 34. Spieltag von Platz zwei auf drei. 2020 kommt Heidenheim trotz eines 0:3 in Bielefeld in die Relegation, denn der HSV verliert zu Hause 1:5 gegen Sandhausen. 2019 steigt Paderborn mit einem 1:3 in Dresden auf, weil Union nicht in Bochum gewinnt.

Nach dem Sieg im letzten Heimspiel muss der HSV in Rostock nachlegen, wenn er dieser Saison noch häufiger feiern will.
Nach dem Sieg im letzten Heimspiel muss der HSV in Rostock nachlegen, wenn er dieser Saison noch häufiger feiern will.
© Michael Schwarz/Imago

Und dann sind da noch die länger zurückliegenden Dramen um Mainz 05, beide Male mit Jürgen Klopp als Trainer. 2002 ist Mainz vor dem abschließenden Spiel Zweiter, verliert dann 1:3 bei Union und muss Bochum und Bielefeld den Vortritt lassen, schon ein Unentschieden hätte gereicht. Ein Jahr später ist die Partie von Mainz in Braunschweig vorbei (4:1 für den FSV), die von Eintracht Frankfurt gegen Reutlingen nicht. Die Eintracht hat in der 90. Minute das 5:3 gemacht, ehe Alexander Schur in der 93. Minute das 6:3 nachlegt. Aufstieg Frankfurt, wieder Tränen bei Mainz, ein Tor macht den Unterschied.

DRITTE LIGA

Die einen jubelten am vergangenen Spieltag in der Dritten Liga, ohne selbst einzugreifen: Braunschweig stieg als zweites Team nach dem 1. FC Magdeburg auf, weil der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag bei Viktoria Köln verlor. Da war es egal, dass Braunschweig tags zuvor in Meppen ebenfalls punktlos geblieben war. Kaiserslautern – das unter der Woche Dirk Schuster als Nachfolger von Trainer Marco Antwerpen präsentierte – trifft in der Relegation auf Dresden.

Viktoria 89 war am vorigen Wochenende aufgrund des Rückzugs von Türkgücü München komplett spielfrei – und erlebte das genaue Gegenteil der Braunschweiger. Der Spieltag hätte schlimmer nicht laufen können: Alle vier Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt gewannen, der SC Verl, der MSV Duisburg, Köln und der Hallesche FC. Die drei Letztgenannten sind gerettet, Verl rückte an Viktoria vorbei auf den ersten Nichtabstiegsplatz.

Die Berliner müssen am Samstag nicht nur gegen Meppen gewinnen (13.30 Uhr, Jahnsportpark, live bei Magentasport), sondern auch auf eine Niederlage von Verl gegen Duisburg hoffen. Nur der Vollständigkeit halber: Spielt Verl unentschieden, wäre Viktoria bei einem Sieg mit acht Toren Unterschied vorbei. Das würde sogar die Bristol Rovers toppen.

REGIONALLIGA

Blick auf die West-Staffel: Zwei der sieben dort vertretenen ehemaligen Bundesligisten liefern sich ein enges Rennen um den Aufstieg. Da wäre zum einen Preußen Münster, 1951 Vizemeister mit dem sogenannten „100.000-Mark- Sturm“ (Felix „Fiffi“ Gerritzen, Jupp Lammers, Alfred „Adi“ Preißler, Siegfried Rachuba und Rudi Schulz). Der SC Preußen 06 war zudem Gründungsmitglied der Bundesliga. Und zum anderen Rot-Weiss Essen, Pokalsieger 1953 und Deutscher Meister 1955. Münster war von 2011 bis 2020 Drittligist, RWE war 2007 letztmals aus der Zweiten Liga abgestiegen, verpasste 2008 den Sprung in die neu gegründete Dritte Liga und schaffte ihn bis heute nicht.

Rot-Weiss Essen möchte endlich zurück in die Dritte Liga.
Rot-Weiss Essen möchte endlich zurück in die Dritte Liga.
© Markus Endberg/Imago

Seit Dezember vorigen Jahres hieß der Spitzenreiter immer Münster – mit dem ehemaligen Hertha-Kapitän Peter Niemeyer als Sportdirektor – oder Essen. Im Februar war das direkte Duell an der Essener Hafenstraße beim Stand von 1:1 wegen eines Böllerwurfs in den Bereich der Ersatzspieler der Gäste abgebrochen und später für Münster gewertet worden. Die Preußen führten die Tabelle in den letzten Wochen an, leisteten sich jedoch am Freitag ein 0:0 in Wiedenbrück. Einen Tag später gewann RWE 3:0 in Rödinghausen und liegt nun vorn. Punktgleich mit Münster, jedoch zwei Tore besser. Am Samstag ab 14 Uhr spielt Essen gegen Ahlen und Münster gegen Köln II. Wer Meister wird, steigt auf.

Das gilt auch für den Südwesten und die Regionalliga Bayern. Im Südwesten ist die SV Elversberg vor dem letzten Spiel so gut wie durch. Allerdings gab es nach dem 1:1 beim FSV Frankfurt, der dadurch die Klasse fast sicher hielt, viel Aufregung. In den letzten zwölf Minuten hatte Elversberg nur noch den Ball gehalten und Frankfurt nicht angegriffen. In Bayern hat zwei Spieltage vor Saisonende die SpVgg Bayreuth eindeutig die besten Karten.

Die Diskussion um die fragwürdige Regelung, dass nicht alle Meister aufsteigen, ist lang. Diesmal trifft es die Tabellenersten aus dem Nordosten und dem Norden (Meister wird sehr wahrscheinlich der VfB Oldenburg), die in der Relegation gegeneinander spielen. Im NOFV-Bereich verfügt der BFC Dynamo vor dem Spiel bei der VSG Altglienicke (Sonntag 13 Uhr, Jahnsportpark) über ein dickes Polster auf Carl Zeiss Jena (drei Punkte, 13 Tore), das zu Union Fürstenwalde reist.

Große Ungewissheit herrscht bei den Abstiegskandidaten im Nordosten. Mindestens drei Teams müssen runter. Vielleicht sogar fünf, abhängig von Viktoria 89 (Abstieg oder nicht?) und dem BFC (Aufstieg oder nicht?). Fürstenwalde ist als Drittletzter derzeit auf einem Auf-jeden-Fall-Abstiegsplatz, Rathenow und Eilenburg sind auf Vielleicht-Abstiegsplätzen. Ganz sicher drin bleibt Halberstadt als 15. der 20er-Liga.

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