Die IFA: 1990 bis heute

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Technik im Wandel : Die Geschichte der IFA
1997: Zocken wird Mainstream. Der japanische Spielehersteller Nintendo stellte auf der 41. IFA seine neueste Konsole "N64" vor.
1997: Zocken wird Mainstream. Der japanische Spielehersteller Nintendo stellte auf der 41. IFA seine neueste Konsole "N64" vor.Foto: Messe Berlin


Die 90er Jahre: Mobil, digital und poppig

Die 90er wurden von einem kleinen Gerät dominiert, das künftig unser aller Leben verändern sollte: dem sogenannten Handy. Die beiden Mobilfunknetze D1 (Telekom) und D2 (Mannesmann Mobilfunk, später: Vodafone) nahmen bereits 1992 ihren Betrieb auf. Nokia stellte wenig später sein erstes GSM-fähiges Mobiltelefon “Nokia 1011” vor. Und Motorola schickte mit dem “International 3200” ein Funktelefon ins Rennen, das wegen seiner Länge von 33,4 cm später liebevoll als “der Knochen” bezeichnet wurde und für 3.000 DM zu haben war. Was das Schmuckstück zu einem echten Luxusartikel machte, waren die Grundgebühren von damals rund 2.000 DM monatlich - berücksichtigt man die Inflation, entspricht das heute einem Betrag von etwa 1.530 Euro.

Ab Mitte der 90er Jahre zeigte sich die IFA zunehmend als Multimedia-Messe. Der Fokus lag nicht mehr nur auf Rundfunk- und Fernsehgeräten, sondern wurde zunehmend auf digitale Medien und Geräte gelegt. Auf der IFA 1995 wurde das Pilotprojekt “Digital Audio Broadcasting” (kurz DAB) für Deutschland gestartet, welches die digitale, terrestrische Übertragung von Audiosignalen maßgeblich vorantreiben sollte. 1997 gaben ARD und ZDF den Startschuss für Digitales Fernsehen. Auch die Tagesschau thematisierte am 30.08.1997 die multimediale Kombination aus TV-Geräten mit Heimcomputern und fragte kritisch “Wird künftig ein Supergerät alle anderen ersetzen?”.

Die schrille Bespaßungskultur der 90er Jahre wurde auch auf der IFA zelebriert. Die Messestände wurden immer bunter, lauter und zeigten DVD-Player, digitale Camcorder sowie die ersten MP3-Player und Plasma-Fernseher. 1997 war mit dem japanischen Unternehmen Nintendo erstmals ein Videospiel-Hersteller auf der IFA vertreten, um seine neue Spielkonsole “N64” vorzustellen. Der Popkultur entsprechend flanierten die Synthie-Gruppe Depeche Mode sowie die Boyband N´SYNC im gleichen Jahr über das IFA-Gelände. Die neuesten Technik-Sensationen wurden fortan von Tanzgruppen in knallbunten Kostümen präsentiert, während von den Messeständen Eurodance-Musik wummerte.


2000er Jahre: Wer HD sagt, muss auch digital sagen.

Im neuen Jahrtausend widmete sich die IFA weiterhin der digitalen Übertragung von Video- und Radio-Inhalten - bei Kennern auch als “Digital Video Broadcasting” (kurz DVB) bekannt. Neben DVB-S (Satellitenfernsehen) und DVB-T (Antennenfernsehen) rückte vor allem DVB-H (der digitale Rundfunk via Mobilgerät) immer mehr in den Fokus. Die Übertragungskanäle wurden immer schneller und präziser, die Bildschirme immer flacher und die Bildschärfe dank HD-, LCD- und SED-Technologien immer schärfer. Zu all den futuristisch Abkürzungen gesellte sich bald die viel melodischer klingende “Blu-ray”-Disc (zu Deutsch: blauer Strahl), welche ihren Namen dem violetten Laserstrahl zu verdanken hat, mit dem das Speichermedium ausgelesen wird.


Während der 2000er Jahre war die digitale Revolution bereits im vollen Gange. Dank Social Media, ICQ, YouTube und Online-Games bewegten sich junge Menschen mit einer Selbstverständlichkeit im Netz, die ihnen später den Namen “Digital Natives” (zu Deutsch: digital beheimatet) einbringen sollte. Die breite Masse wollte vor allem mobil und vernetzt durchs Leben laufen und so diente die IFA während der Nullerjahre als Bühne für Digitalkameras, MP3-Player, Smartphones und E-Books. Anfang dieses Jahrtausends wurden die technischen Innovationen in einem Tempo entwickelt, das keine Zeit für Verschnaufpausen duldete: Ab 2006 fand die IFA im jährlichen Zyklus statt.

2010 bis heute: Schöne neue Welt

Seit 2010 setzte sich die IFA schließlich als innovative Messe für elektronische Haushaltsgeräte durch. Während im Home-Entertainment-Bereich neben HDTV vor allem 3D-Fernseher brillierten, wurde die “Weiße Ware” immer leistungsstärker, energieeffizienter und vor allem schlauer. Seit 2016 lassen sich intelligente Kühlschränke und Saugroboter mit Camcorder- und Lausch-Funktion im neu geschaffenen Ausstellungsbereich “Smart Home” bewundern.

In den letzten Jahren präsentierte die IFA vor allem kleine Lebensassistenten wie Smart Watches, Fitness-Armbänder oder Fernsteuergeräte für die eigenen vier Wände, die das digitale Leben perfektionieren sollen. Wer künftig nicht nur sein Haus, sondern auch seine Luftschlösser digital optimieren möchte, kann das via “Virtual Reality” (kurz: VR) tun und in traumähnliche oder wirklichkeitsnahe Welten eintauchen. Der Digitaltourist entscheidet, ob er lieber in eine Fantasy-Welt oder auf den Grund des Ozeans reisen möchte. Welche Möglichkeiten die neuen Technologien mit sich bringen und wie sich ein Kurztrip in die Welt der Nullen und Einsen anfühlt, erfahren interessierte Messebesucher meist im Ausstellungsbereich “IFA NEXT”.

Seit ihren Anfängen vor beinahe einem Jahrhundert diente die IFA als Bühne für die größten technischen Innovationen im Bereich Unterhaltungselektronik. Der Weg von den ersten Radiogeräten hin zur futuristischen VR-Brille war lang. Auch wenn das Erscheinungsbild und vor allem die Größe der technischen Geräte sich im Lauf der Zeit geändert haben - ihre Bestimmung blieb immer die gleiche: Entertainment. Wir dürfen gespannt sein, welche Unterhaltungselektronik uns die Zukunft beschert.

Die Geschichte der IFA
1926: Das Messegelände zwei Jahre nach der Eröffnung. Rechts neben dem erst am 3. September eröffneten Funkturm befindet sich das zwei Jahre zuvor entstandene "Haus der Funkindustrie", daneben der heutige Messedamm. Die Halle oben rechts wurde 1914 für Automobilausstellungen gebaut, durch den Ersten Weltkrieg verzögerte sich die Eröffnung bis 1921. Die Halle links daneben, auf dem Gelände des heutigen Zentralen Busbahnhofs, entstand 1924 ebenfalls für die Deutsche Automobilausstellung.Weitere Bilder anzeigen
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24.08.2018 14:271926: Das Messegelände zwei Jahre nach der Eröffnung. Rechts neben dem erst am 3. September eröffneten Funkturm befindet sich das...