Die meisten üben Hilfsjobs aus

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Integration von Flüchtlingen : Im zweiten Lehrjahr
Ohne Fachsprache geht es nicht. Morteza Modaber (vorne) ist aus Afghanistan geflohen und macht zurzeit ein Praktikum bei der S-Bahn.
Ohne Fachsprache geht es nicht. Morteza Modaber (vorne) ist aus Afghanistan geflohen und macht zurzeit ein Praktikum bei der...Foto: imago/Jens Jeske

Bei dem Unternehmen Gegenbauer machen 90 Geflüchtete ein Praktikum, 70 üben einen Hilfsjob im Reinigungs- oder Sicherheitsbereich aus. Fünf machen eine Ausbildung oder werden darauf vorbereitet. Einer ist Ingenieur. Diese Verteilung kommt dem, was den Geflüchteten zur Zeit möglich ist, weitaus näher.

„Eine Herausforderung wird sein, dass sie nicht nur prekäre Helfertätigkeiten übernehmen“, sagt Henning Paulmann, Leiter des Arrivo Servicebüros. „Der Markt dafür ist in Berlin auch begrenzt.“ Ähnlich sehe es mit Praktika aus. Sie seien zwar ein guter Einstieg, aber enden nach ein paar Monaten auch wieder. Das Arrivo Servicebüro wurde im vergangenen August eröffnet und ist die zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für alle Berliner Unternehmen, die Geflüchtete einstellen wollen. „Nach einem Jahr des Kuddelmuddels sind die Prozesse in Berlin viel besser geworden“, sagt Paulmann. Dennoch hätten Arbeitgeber nach wie vor asylrechtliche Fragen, würden wissen wollen, welche Fördermöglichkeiten es gibt und was sie im Miteinander beachten müssen.

Seit dem Spätsommer hätten sich mehr als 400 Betriebe in dem Büro in Mitte beraten lassen. Oft aus dem Handwerk. Mit der Unterstützung von Arrivo seien laut der Handwerkskammer Berlin – mit 30000 Mitgliedern – bis heute 150 Ausbildungsverträge mit Geflüchteten unterzeichnet worden. Zugute kommt den Neuankömmlingen, dass viele Berliner Betriebe Probleme haben, Lehrlinge zu finden.

Möglichkeiten für Gründer

Für jene, die in ihrer Heimat unternehmerisch tätig waren, bietet die IHK Berlin eine Beratung an – und Start-up- Klassen. Im vergangenen Jahr haben 165 Flüchtlinge daran teilgenommen. Auffallend sei auch hier das mittlerweile recht gute Sprachniveau. Als größte Hürden bezeichnen die potenziellen Gründer die Finanzierung und das deutsche Steuerrecht.

Andersherum hat sich auch die Berliner Gründerszene in der Arbeitsmarktintegration engagiert. Wie etwa das Start-up Workeer. Auf der Jobplattform für Geflüchtete sind aktuell 3385 Bewerber und 2392 Arbeitgeber mit einem öffentlichen Profil registriert. Noch weitaus mehr sind nicht-öffentlich angemeldet. Arbeitsministerin Nahles meinte im vergangenen September, dass dort 10 000 potenzielle Jobmöglichkeiten geschaffen werden könnten. Workeer-Gründer David Jacob hält das nach wie vor für machbar.

In der Ausbildungshalle von Siemens haben die Geflüchteten Mittagspause. Mohammad Bassam Manzljy, 23, hatte in Syrien Informatik studiert und zwei Jahre gearbeitet. Dass er jetzt nochmal eine Ausbildung machen muss, stört ihn nicht. "Ich mag das praktische Arbeiten", sagt er. "In Syrien gibt es nur Theorie." Auf der anderen Seite des Gangs legen auch die Azubis ihr Werkzeug aus der Hand. Dass Geflüchtete ein paar Meter von ihnen entfernt arbeiten, ist für sie noch etwas Besonderes. Für die kommenden Jahrgänge könnten Kollegen aus Syrien ganz normal sein.

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