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Thema

Griechenland

Europa hat es derzeit nicht leicht. Aber woher rührt eigentlich der Irrglaube, die Deutschen hätten es leichter ohne Europa? Die politische Überheblichkeit und strategische Kurzsichtigkeit wirkt nachgerade beunruhigend.

Von Robert Leicht
Jean-Claude Trichet wurde am Donnerstag mit dem Karlspreis ausgezeichnet.

Der EZB-Chef Jean-Claude Trichet wünscht sich ein EU-Finanzministerium, das die Länder-Etats kontrolliert. Krisenländern wie Griechenland soll notfalls sogar die Souveränität entzogen werden können.

Und jetzt alle: Finanzminister Schäuble will die privaten Gläubiger an der Rettung Griechenlands beteiligen. Damit das Land aber wieder auf eigenen Füßen stehen kann, ist mehr nötig.

Millionen und Milliarden sind nicht alles. Das Land braucht die Solidarität Europas - ob beim Sparen, beim Einkaufen oder im Urlaub. Was den Griechen wirklich hilft: Ein Überblick.

GEGRÜNDET Der Internationale Währungsfonds (IWF, im Amerikanischen IMF) wurde 1944 bei den Verhandlungen zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft im US-Städtchen Bretton Woods gegründet, zeitgleich mit der Weltbank. AUFGABEN Während sich die Weltbank um die ärmeren Länder kümmert, schauen die rund 2700 Experten des IWF auf Währungspolitik und Wechselkurse, um die Zahlungsbilanzen und damit die Entwicklung der Weltwirtschaft zu stützen.

Von Rolf Obertreis

Wer den Griechen wirklich helfen will, besucht sie am besten: der Tourismus steuert etwa 18 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, sorgt für jeden fünften Arbeitsplatz und ist damit eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft. 2010 brachten ausländische Besucher 9,6 Milliarden Euro nach Griechenland – rund 800 Millionen weniger als im Vorjahr.

Am Ende des Tunnels kommt meist Licht in Sicht. Aber damit das Ende des Tunnels überhaupt erreicht wird, braucht Griechenland noch viel Unterstützung.

Wir halten zusammen. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker begrüßt den griechischen Premier Georgos Papandreou in Luxemburg. Foto: dpa

Griechenland hofft auf weitere Hilfskredite – und muss noch härter sparen

Von
  • Gerd Höhler
  • Christopher Ziedler

Schwache US-Arbeitsmarktzahlen haben am Freitag dem deutschen Aktienmarkt einen neuen Dämpfer versetzt. Die Stimmung hellte sich am Nachmittag allerdings wieder auf, nachdem die EU, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) Griechenland ein positives Zeugnis über die Sparpolitik ausstellten.

Am Ende des Tunnels kommt meist Licht in Sicht. Aber damit das Ende des Tunnels überhaupt erreicht wird, braucht Griechenland noch viel Unterstützung.

Von Albrecht Meier

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag an seine Verluste vom Vortag angeknüpft. Neben den zuletzt enttäuschenden Daten zur US-Konjunktur lastete in einem insgesamt ruhigen Feiertagshandel auch die neuerliche Abstufung Griechenlands auf dem Markt.

Berichte, wonach der Internationale Währungsfonds die nächste Teilzahlung für Griechenland nicht mittragen werde, sorgen für Verunsicherung. Teile der FDP drohen bereits mit einem Ausstieg Deutschlands aus der Rettungsaktion.

Von Christian Tretbar

Neue Hoffnungen auf eine Rettung des von einer Staatspleite bedrohten Griechenlands haben der Wall Street am Dienstag Auftrieb gegeben. Schon zuvor war der Deutsche Aktienindex (Dax) kräftig gestiegen.

Athens "Empörte Bürger" versammeln sich allabendlich auf dem Syntagmaplatz. Immer mehr Menschen strömen zusammen. Wogegen sie sind, ist klar – wofür, weniger.

Von Gerd Höhler

Gestern waren es die "Wahren Finnen", heute sind es die stolzen Dänen, die den Europamotor stottern lassen. Nichts ist derzeit so unpopulär wie die europäische Integration. Europa würde abgewählt werden.

Von Alexander Gauland

Auf einmal steht Berlin in Deutschland wieder so ähnlich da wie Griechenland in Europa, als verschwenderischer, fauler und ein bisschen auch asozialer Nachbar, der zwar gerettet wird, zähneknirschend, aber nur um den Preis seiner Haushaltskapitulation.

Von Lorenz Maroldt

Einen Moment lang hatte ich Angst, Klaus Wowereit könnte wegen der Aschewolke in Moskau stranden. Ganz allein, ohne Journalisten, und das in diesem strategisch wichtigen Moment, kurz vor Beginn des Wahlkampfsommers, eine brutale Unterbrechung seines Dialogs mit den Wählern.

Von Roger Boyes
Dagegen. Wütende Griechen demonstrieren vor dem Parlamentsgebäude in Athen. Die gespreizten Finger gelten in Griechenland als Beleidigung.

Athen kann sich nicht auf einen Sparkurs einigen: Nach einem dreieinhalbstündigen Krisentreffen unter Vorsitz von Staatspräsident Karolos Papoulias gingen die Führer der im Parlament vertretenen Parteien am Freitagnachmittag ohne Einigung auseinander.

Griechenland bekommt gut sieben Jahre Zeit, die Kredite von EU und IWF zurückzuzahlen.

Schäuble will von Schuldenschnitt für Athen nichts wissen – auch EU-Ratschef Van Rompuy ist dagegen. Griechenland tut sich indessen weiterhin schwer damit, die Auflagen der Troika zu erfüllen.

Von Albrecht Meier

Die deutschen Aktienmärkte haben am Donnerstag wieder Verluste verzeichnet. Der Leitindex Dax ging mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 7114 Punkten auf dem tiefsten Stand seit mehr als einem Monat aus dem Handel.

Die deutschen Aktienindizes haben sich am Mittwoch trotz leichter Abschläge weiter stabilisiert. Der Dax startete im Minus, holte aber auf und lag gegen Abend 0,3 Prozent im Plus bei 7171 Punkten.

Skepsis. Der geplante Verkauf von staatlichem Eigentum könnte bei den Gewerkschaften auf Widerstand stoßen.

Ausverkauf in Griechenland: An den geplanten Privatisierungen von Häfen, Gas- und Wasserwerken könnten sich auch deutsche Unternehmen beteiligen.

Von Gerd Höhler
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