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Müll in Berliner Parks: "Früher gab es so was nicht im 'Görli'"

Die CDU will die Stadt mit ihrer Kampagne "Berlin SauberMann!" in der Stadt aufräumen, zugleich soll das Müllproblem in Parks durch Grillverbote eingedämmt werden. Was halten die Berliner davon? Wir haben uns in Berliner Parks umgehört.

Über dem Görlitzer Park scheint die Sonne, auf den Grünflächen stapeln sich die Müllberge. Neben den viel zu kleinen Mülleimern, immerhin tragen einige Parkgäste ihre Hinterlassenschaften noch bis dorthin. Andere lassen sie gleich auf dem Rasen stehen und liegen. Gani Özdil, 75, und Aytekin Özgenc, 52, stört das. Sie sagen: „So viel Müll liegt hier, das ist nicht schön." Özdil hat früher lange Jahre in Spandau in einem Park in der Grünflächenpflege gearbeitet, da kannte er solche Zustände noch nicht, sagt er. Zurück auf den Straßen in Kreuzberg SO 36 fallen die vielen Graffito an den Wänden auf. Auch hier will die CDU tätig werden, sie an öffentlichen Gebäuden innerhalb von 24 Stunden beseitigen. Asha Rowe findet das nicht richtig. Die Künstlerin kommt aus Australien, aus Newport an der Ostküste, und sie läuft durch Kreuzberg, weil sie hier für ihre viermonatige Zeit ein in Berlin ein Zimmer sucht. „Ich bin unter anderem extra wegen der Graffiti hier, das ist für mich vielfach Kunst, und gerade das macht das kreative Berlin attraktiv.“

Im Mauerpark in Berlin Prenzlauer Park wedeln Plastiktüten im Wind, verlorene Grillplatten säumen die Wiese, Verpackungen und Glasflaschen liegen im Rasen. Eigentlich kein schöner Ort zum Picknicken. Alke Tilly (38) ist mit ihren zwei kleinen Kindern am Sonntagvormittag im Park unterwegs. "Das Grillen an sich ist ja nicht das Problem, aber die Leute sollten mehr Eigenverantwortung zeigen und ihrem Müll wegräumen", so die zweifache Mutter. Die Aktion "Berlin SauberMann!" sieht sie mit gemischten Gefühlen. " Klar zu dreckig soll es nicht sein. Aber Berlin ist halt Berlin, ich möchte auch nicht in einer hypersauberen Stadt leben".

Vivien Rahn (23) aus Berlin Wedding sucht mit ihren Freundinnen einen freien Platz zwischen dem ganzen übrig gebliebenen Müll, um mit Picknickkorb und Decke in den Tag zu starten. "Ja wenn wir hier auch nicht mehr Grillen dürfen, bleibt ja nur noch der eigene Balkon", lachen die Mädels. "Oder der Flughafen Tempelhof" gehen die Überlegungen weiter. Eine wirkliche Alternative gibt es aber nicht. Dirk Schwarzart (39) genießt mit seiner Familie ebenfalls die ersten Sonnenstrahlen im Mauerpark, er begrüßt das Verbot "Wir picknicken hier nur, aber in dem Müll macht das kein Spaß mehr. Wenn die Leute das Zeug nicht wegräumen, dann muss es halt verboten werden. Allerdings sind die öffentlichen Müllbehälter absolut nicht ausreichend. Wir nehmen schon immer unsere eigenen Müllbeutel mit".

Eine junge Frau aus Kreuzberg stöbert auf dem angrenzenden Trödelmarkt. Sie hält nicht viel von dem bevorstehenden Verbot. "Es gibt einfach zu wenig Grünflächen, die Leute müssten einfach mehr sensibilisiert werden ihren Müll wegzuräumen, dann gäbe es da Problem auch nicht. Auch die Aktion "Berlin SauberMann!" passe nicht zu der Stadt, sagt die Frau. "Die Graffitis gehören einfach zur Hauptstadt, je mehr es verboten wird, desto mehr wollen die Sprayer erst recht ein Zeichen setzen. Man sollte eher in Richtung Legalisierung denken".
Auch Nadine Müller (21) witzelt über das zukünftige Grillverbot "Dann bleibt bald wirklich nur noch der Balkon oder vielleicht der Rosenthaler Platz oder das Spreeufer". Sie wohnt erst seit kurzem in Wedding, aber auch für sie prägen die Graffitis das Stadtbild.

Nach dem Grill-Aus im Tiergarten ab in den Volkspark Friedrichshain

Nils Karlsdorf (32) aus Weißensee hatte sich schon aufs Grillen im Mauerpark gefreut. "Tja dann muss ich wohl in den Volkspark Friedrichshain umsiedeln, aber der ist jetzt schon ganz schön dreckig". Die Ausweitung des Grillverbots auf den Mauerpark, kommt bei ihm gar nicht gut an. Die "Berlin SauberMann"- Kampagne begrüßt er schon: "Die Stadt ist teilweise schon ganz schön dreckig, da muss einfach mehr gemacht werden".

Die ersten Griller werden aus dem Tiergarten vertrieben. Zu ihnen gehört auch Sabrina Kutz-Morreale, die bepackt mit Grillkohle und Co. im Volkspark Friedrichshain ankommt. "Der Müll ist natürlich beachtlich, aber das könnte man ja auch anders regeln. Beispielsweise durch eine Anmeldung zum Grillen. Wenn das registriert ist können die Leute, die ihr Zeug nicht wegräumen direkt angesprochen werden. Es wär schon schön wenn man nicht durch die halbe Stadt fahren müsste, um ein Platz zum Grillen zu finden", so die 21-jährige. Außerdem ergänzt sie: "Ich komme von Rügen, da bin ich in punkto Umwelt anderes gewohnt. Die "Berlin SauberMann" Aktion werde der Stadt auf jeden Fall gut tun". Die Suche nach einer erlaubten Grillfläche wird langsam zum Wanderzirkus.

Karl Scholze (30) hat früher immer am Falkplatz seine Steaks zubereitet. Als dort das Grillverbot eingeführt wurde ist er nach Friedrichshein/Kreuzberg umgezogen. Die immer weiter ausgedehnten Grillverbote sieht er als kritischen Kreislauf. "Dann konzentrieren sich die Leute nur auf immer kleineren Flächen, und dort sammelt sich immer mehr Müll. Das bringt doch nichts". Seine Freundin Kristina Luban (32) bestätigt: "Man müsste die Leute mehr sensibilisieren, ihren eigenen Müll zu entsorgen, dabei wären auch schon mehr Mülltonnen hilfreich", dann wäre eine Kampagne wie die Aktion "Berlin SauberMann!" gar nicht nötig. Im Moment ist der Volkspark Friedrichshain noch fest in den Händen der Anwohner, die froh sind das hier noch ausgewiesene Grillflächen bestehen. Lorenz Erdmann (23) aus dem Bezirk ist trotzdem gespannt, wo die ganzen Brutzler jetzt hingehen. "Das Verbot wird sicherlich sehr strikt kontrolliert, mal sehen ob die Leute dann wirklich mehr zu uns kommen", so der Student. "Denn hier gibt es auch nur zwei Müllbehälter für die ganze Fläche, das reicht ja jetzt schon nicht aus".

Petra Aner kommt ursprünglich aus der Schweiz und lebt jetzt in Kreuzberg. Für sie ist beim Grillen das alte Flughafenarreal in Tempelhof die richtige Adresse, in den Volkspark Friedrichshain kommt sie hauptsächlich wegen der vielen Bäume- die eignen sich gut zum Slaklinen. Aber auch sie meint. "In der Schweiz hat man alle 20 Meter einen Mülleimer, hier muss man sein Zeug immer ewig tragen, ehe man es entsorgen kann". Das Programm "Berlin SauberMann" befürwortet sie trotzdem nicht. "Berlin hat dieses eigene Flair. Es wäre total schade, das durch solche Aktionen kaputt zu machen. Graffitis prägen die Stadt einfach", so die 26-jährige Schauspielerin.

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