Mehr Hausgeburten wegen Pandemie : Wie sich Berlins Kreißsäle gegen Corona wappnen

Ohne Begleitung zum Kaiserschnitt, keine Familie auf der Wochenstation, weniger Besuch bei Frühchen: In den Kliniken gelten zum Teil strenge Regeln.

Die Krankenhäuser wollen Kinder, Patientinnen und Personal vor Ansteckung schützen.
Die Krankenhäuser wollen Kinder, Patientinnen und Personal vor Ansteckung schützen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Führt die Angst vor dem Coronavirus dazu, dass Gebärende keine Begleitperson mit in den Kreißsaal bringen dürfen? In manchen deutschen Krankenhäusern sei dies der Fall, warnte der Deutsche Hebammenverband vor wenigen Tagen und forderte, „für Väter oder eine andere Begleitperson für die Geburt eine Ausnahmeregelung zu finden, die einerseits die Begleitung ermöglicht, andererseits den Infektionsschutz im Auge behält.“

Grund genug für den Tagesspiegel, einmal in den 19 Berliner Geburtskliniken nachzufragen, wie sie es in Zeiten der Coronavirus-Pandemie mit Besuchen im Kreißsaal halten. Die für Schwangere, die bald ihr Kind bekommen, beruhigende Nachricht ist: In Berlin lassen alle Geburtsstationen in den Krankenhäusern weiterhin eine Begleitperson im Kreißsaal zu – solange diese keine Krankheitssymptome zeigt – und wollen dies in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

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Aber es gibt doch Unterschiede: Manche Kliniken beschränken den Zugang zum Kreißsaal auf Partner, zum Teil selbst das nur, wenn dieser im gleichen Haushalt lebt. Fast alle verbieten Besuche auf der Wochenbettstation. Und bis auf wenige Ausnahmen untersagen die Kliniken Begleitpersonen bei einem Kaiserschnitt, was einige Patientinnen betreffen dürfte – 2018 wurden immerhin 27 Prozent der rund 41.000 Berliner Geburten so durchgeführt.

Nur drei Kliniken lassen gesunde Begleitung in den OP: die beiden Geburtskliniken der Charité und das Krankenhaus Waldfriede, jeweils nur mit Mund-Nasen-Schutz. Die Begleitperson dürfe bis zur Geburt dabei sein – egal ob im OP oder im Kreißsaal, sagt der Chefarzt der Geburtsmedizin am Krankenhaus Waldfriede, Florian Müller. 

Die Begleitperson müsse volljährig sein und die ganze Zeit dabeibleiben. Ein Wechsel der Begleitperson sei nicht möglich.

An der Charité könne der Vater sogar bis zur Entlassung mit ins Familienzimmer, sagt Wolfgang Henrich, der Direktor der Klinik für Geburtsmedizin der Charité an den Standorten Mitte und Virchow-Klinikum. „Wir haben ausschließlich gute Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise gemacht.“

Einige entscheiden sich aus Angst vor Infektion für Hausgeburt

Doch offenbar gebe es einige Frauen, die sich aus Angst vor möglichen Infektionsgefahren im Krankenhaus für eine Hausgeburt entscheiden. „Leider erleben wir viele verunsicherte Schwangere und auch unter Notfallbedingungen abgebrochene Hausgeburten, die aufgrund falscher Vorstellungen der Patientinnen über die Zustände in Krankenhäusern begonnen werden“, sagt Henrich.

Dabei haben alle Krankenhäuser Begleit- und Besuchsregeln festgelegt, um Patientinnen und Personal zu schützen: In der Geburtshilfe der DRK-Kliniken Westend und Köpenick darf weiterhin eine Begleitperson während der Geburt in den Kreißsaal. „In Westend muss es immer ein und dieselbe Person sein“, sagt Kliniksprecherin Romina Rochow. 

In Köpenick darf das nur eine Begleitperson sein, die im selben Haushalt wie die Gebärende lebt. Besuche bei der Mutter und ihrem Kind auf der Wochenbett-Station seien in beiden Kliniken nicht möglich. Hier gelte wie in der gesamten Klinik ein Besuchsverbot. Im Sana Klinikum Lichtenberg werde während einer Geburt die Anwesenheit des im Haushalt lebenden Partners weiter ermöglicht, sagt Sprecher André Puchta.

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In den sechs Geburtskliniken des Vivantes-Konzerns gilt: „Um die geburtsmedizinischen Teams zu entlasten und zu schützen, wird nur der Vater oder eine andere Vertrauensperson im Kreißsaal zugelassen“, sagt Pressereferentin Astrid Steuber. 

„Alle Besucher und auch Patienten sollen einen Mund-Nasenschutz tragen.“ Bei einem Kaiserschnitt im OP-Saal sind jedoch keine Begleitpersonen gestattet. Ebenso wenig wie Besuche auf den Wochenstationen.

Im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe ist eine Begleitperson im Kreißsaal erlaubt. „Grundsätzlich ist der Kreis der Begleitpersonen auf die Partner der Gebärenden begrenzt“, sagt Kliniksprecherin Christina Lammers. „Bei alleinstehenden Frauen sind Ausnahmen möglich, jedoch auch in diesen Fällen wird nur eine Begleitperson zugelassen.“

Eine Begleitung lässt auch die Caritas-Klinik Maria Heimsuchung Pankow bei der Geburt zu – wenn es der Partner ist. So eng sieht man es in der Geburtsklinik des Helios Klinikums in Buch nicht. „Welche Begleitperson die werdende Mutter aussucht, steht ihr frei – also ob Mann, Partnerin, Schwester, Mutter oder beste Freundin“, sagt Sprecherin Anja Himmelsbach. „Die Person, die die Frau am meisten braucht, darf mit in den Kreißsaal, solange sie ohne Symptome ist.“

„Ein Kommen und Gehen gibt es aber nicht“

So hält man es auch im Sankt Gertraudenkrankenhaus: „Erlaubt ist eine gesunde Begleitperson freier Wahl“, sagt Sprecherin Ronja Witt. In den beiden Geburtskliniken der Johannesstift-Diakonie – im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau und im Martin Luther Krankenhaus – darf bei der Geburt eine gesunde Begleitperson, mit der die Gebärende zusammenlebt, anwesend sein. Besuche auf der Wochenstation sind nicht gestattet.

Auch im St. Joseph-Krankenhaus sind „werdende Väter oder eine Begleitperson aus dem häuslichen Umfeld zur Geburt zugelassen“, sagt der Chefarzt der Geburtsmedizin, Michael Abou-Dakn. „Wir planen nach wie vor und sehr gerne den Partner mit ein und werden dies sicherlich nicht ändern.“ Auch wenn ein Besuchsverbot gilt, nehme man in besonderen Situationen den Vater oder die Begleitperson mit auf. „Ein Kommen und Gehen gibt es aber nicht.“

Das Besuchsverbot für die Partner auf Wochenstationen ist in einigen der neun Berliner Kliniken, die Frühgeborene versorgen – sogenannte Perinatalzentren – auch auf den Frühchenstationen in Kraft. Für die Mutter gilt das aber nicht, denn Mutter und Frühgeborenes gelten als „Einheit“, die Mütter haben also meist unbeschränkt Zugang zu ihren Kindern.

Besuchsverbot auf der Frühchenstation

Für die Partner gilt das aber nicht. So hat das DRK-Klinikum Westend entschieden, dass auch auf der Frühchenstation Besuchsverbot bestehe. „Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn das Baby sehr krank ist, dürfen Väter die Mutter und das Kind besuchen“, sagt Sprecherin Rochow. Das Sana Klinikum Lichtenberg ermögliche täglich in mehreren Zeitfenstern einen einstündigen Besuch des Vaters auf der Frühchenstation, sagt Sprecher Puchta. „Der Besucher wird vorab in der Hände-Desinfektion sowie in den üblichen basis-hygienischen Maßnahmen unterwiesen, und er muss einen Mund-Nasen-Schutz auf der Station tragen.“
So hält es auch das Perinatalzentrum der Charité: Väter dürfen als „Begleitperson“ einmal am Tag für eine Stunde auf die Station. „Die Mütter aber haben 24 Stunden am Tag Zutritt zur Station“, sagt Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie der Charité. Die Eltern müssten Mundschutz tragen, ebenso das Personal. Auch das ist eine der Pandemie geschuldete Maßnahme, die vorher auf der Frühchenstation nicht nötig war.

Am St. Joseph-Krankenhaus werden die Mütter von Frühgeborenen gerne in den Rooming-in-Räumen mit stationär aufgenommen, sagt Chefarzt Michael Abou-Dakn. „Daher kann diese bei ihrem Kind nach Entlassung aus der Frauenklinik bleiben.“ Die Väter dürften täglich für eine Stunde auf die Intensivstation kommen. Zum Schutz des Personals bitte man aber, so wie auf der Wochenstation auch in der Kinderklinik, von Besuchen abzusehen.

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