Angst vor psychisch Kranken

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt

Angst vor psychisch Kranken: Woher kommt die Angst?

Täglich begegnen uns Menschen im Stadtraum, deren Verhalten von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Sie reden oder schreien laut vor sich hin, bewegen sich hektisch und verhalten sich manchmal auch aggressiv. Diese Symptome können darauf hinweisen, dass die Betroffenen an Psychosen und Schizophrenie leiden. „Was fremd und unerklärbar ist, macht uns Angst“, erklärt Arno Deister, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Angesichts nicht seltener Berichte über Gewalttaten im Stadtraum können psychisch Kranke zu Projektionsflächen für die Angst im öffentlichen Raum werden. Wer sich seltsam verhält, wirkt verdächtig. Nicht zuletzt in Filmen und Romanen begegnet uns das Bild des psychopathischen Mörders immer wieder. Deister kritisiert, dass dies die Stigmatisierung verstärkt.

Ist die Angst begründet?

Betroffene neigen laut Deister nicht per se zu erhöhter Gewaltbereitschaft. Psychosen und Schizophrenie sind allerdings schwere Erkrankungen. Psychotiker können den Realitätsbezug verlieren, leiden unter Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Häufig hören sie Stimmen oder fühlen sich verfolgt. Meist bezieht sich ihr Verhalten aber auf die erlebte Innenwelt und hat wenig mit Anwesenden zu tun. Laut Bundespsychotherapeutenkammer haben in Deutschland aktuell rund 800 000 Menschen Schizophrenie.

Was tun gegen die Angst?

Arno Deister empfiehlt, bei einer Begegnung ruhig zu bleiben und keineswegs mit Aggression zu reagieren, da dies psychotische Menschen überfordern könnte. Wer sich unwohl oder belästigt fühlt, sollte stets bedenken, dass das Verhalten Ausdruck einer Erkrankung ist. Der Kontakt mit psychotischen Personen ist in der Regel unproblematisch – man kann sie ansprechen und durchaus auch Hilfe anbieten. Sollte sich die Person allerdings grenzüberschreitend verhalten, rät der Fachmann dazu, die Polizei zu rufen und direkt über den Verdacht einer psychischen Erkrankung zu informieren. Gegenüber der Person gilt es dann, Abstand aufzubauen. Oft hilft es, Umstehende anzusprechen und einzubinden.

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