Reform-Marathon : Der RBB will sich nicht vom Netflix-Hype paralysieren lassen

Nach dem Fernsehen kommt das Radio. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg schraubt weiter am Programm.

RBB-Intendantin Patricia Schlesinger krempelt den Sender weiter um. 2019 steht das Radio im Mittelpunkt.
RBB-Intendantin Patricia Schlesinger krempelt den Sender weiter um. 2019 steht das Radio im Mittelpunkt.Foto: rbb/Oliver Ziebe

Wenn’s beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) trendig sein soll, ist Chris Guse gefragt. Im Stil der Apple-Präsentationen stellte der Fritz-Moderator am Donnerstag in einem Filmchen die Neuerungen im Radiobereich vor. Nachdem das vergangene Jahr vor allem durch den Umbau des Fernsehprogramms geprägt war, will sich der Sender 2019 verstärkt mit den Radiowellen beschäftigen.

Zwei Sender stehen im Fokus: Guses Heimatwelle bekommt mit „It’s Fritz“ einen neuen Claim und wird zur Digitalmarke umgebaut. Um die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen besser zu erreichen, baut Fritz neben dem linearen Radioprogramm die Angebote bei Instagram, Youtube oder Snapchat aus. Fürs Radio sind bereits ab Februar längere Sendestrecken, mehr Musik und ein neues Soundlayout vorgesehen.

Aus RadioBerlin 88,8 wird RBB 88,8. Ebenfalls ab Februar werden die Hörer mit Lydia Mikiforow um fünf Uhr in der „Früh-Früh-Show“ und im Anschluss von Tim Koschwitz in „Guten Morgen Berlin“ mit zwei neuen Moderatoren begrüßt. Zudem wird der musikalische Auftritt verbessert.

Obwohl eine weitere Reform des TV-Programmschemas für 2019 nicht geplant ist, gibt es vor allem für diesen Bereich viele Neuerungen. RBB-Intendantin Patricia Schlesinger kündigte eine weitere Stärkung des Programms sowohl im Informationsbereich als auch in der Fiktion an. Dazu gehören mehr Reportagen, die am Mittwochabend einen festen Sendeplatz bekommen, sowie mehr Spezialsendungen, die 2018 in der Liste der meistgesehenen Sendungen ganz oben standen. „Wenn etwas in Berlin und Brandenburg geschieht, können sich die Zuschauer darauf verlassen, dass wir da sind“, sagte Schlesinger.

"Schicksalsjahre" bekommen vierte Staffel

Ein besonders erfolgreiches Doku-Format sind die Berliner „Schicksalsjahre“, mit denen das RBB-Fernsehen den Marktanteil am Samstagabend verdoppelt hat. Inzwischen steht fest, dass es eine vierte Staffel über die 1990er Jahre geben wird. Zudem beteiligt sich der RBB zusammen mit Arte und anderen ARD-Sendern an der Großaufgabe „24 Stunden Europa“ mit 40 Protagonisten aus 26 Ländern.

„Die Akzeptanz des Senders steht und fällt mit dem Programm“, sagte Schlesinger und warnte davor, sich „von dem Netflix-Hype paralysieren zu lassen“. Einmal jährlich wird der RBB beginnend Ende 2019 eine Miniserie produzieren. 2020 wird es zudem eine Berlin-Serie  geben. Zudem geplant ist eine Comedy-Sitcom aus Brandenburg und als Zulieferung für den ARD-Vorabend werde an einem Format vergleichbar mit „Wapo Bodensee“ gearbeitet. In die Schnittmenge zwischen Dokumentation und Fiktion fällt der Agententhriller „Wendezeit“ über die Rosenholz-Akten. Der Fall Sürücü wird in einem Doku-Spielfilm aufgegriffen und über den Entertainer Harald Juhnke wird es sowohl eine Dokumentation als auch einen Film geben.

Kritik an der Quote des RBB-Fernsehens, die 2018 bei 5,9 Prozent stagnierte, wies RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus zurück. Dass der Sender trotz WM-Jahr und aller Programmveränderungen den Marktanteil gehalten hat, sei eine echte Leistung. „Die Richtung muss stimmen, für dieses Jahr erwarten wir mehr“, kündigte er an. Hoffnung setzt der Sender auch auf Thomas Baumann, den Ex-ARD-Chefredakteur, der nun im RBB unter anderem Jörg Thadeusz beim „Talk aus Berlin“ unterstützen und zudem im Superwahljahr mit Brandenburg- und Europa-Wahl einen regelmäßigen Bürgertalk aufsetzen soll.

Unterstützung erhalten aber auch die Moderatorenteams der Nachrichtensendungen. Die „Abendschau“ wird um Sarah Zerdick von RadioBerlin 88,8 und um Volker Wieprecht von Radioeins ergänzt. In „Brandenburg aktuell“ wird Franziska Maushake neben ihrer Tätigkeit für Antenne Brandenburg auch vor der Kamera zu sehen sein. Kurt Sagatz

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