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Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens füllt eine Spritze mit einer Dosis des Corona-Impfstoffs von Moderna für eine Auffrischimpfung.
© REUTERS/Arnd Wiegmann

Impfschutz, Auffrischung und Impfstoffanpassung: Spezial-Booster gegen Omikron? Was Experten gegen die neue Virusvariante empfehlen

Impfstoff-Hersteller wollen ihre Vakzine an die Omikron-Variante anpassen. Wie lange das dauert und welchen Schutz Booster-Impfungen bieten.

Von Thomas Sabin

Die neue Coronavirus-Variante mit der Bezeichnung Omikron ist erstmals am vergangenen Donnerstag von Behörden in Südafrika gemeldet worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sie als „besorgniserregend“ ein. Seitdem wurden Omikron-Fälle in zahlreichen Ländern, darunter auch Deutschland und Österreich, bestätigt.

In Deutschland werden aktuell noch nahezu alle Neuinfektionen von Delta verursacht. Eine Anpassung der Impfstoffe an die Delta-Variante gab es bisher nicht. Laut Studien schützen die derzeit verfügbaren Impfstoffe sehr gut vor Delta beziehungsweise vor schweren Verläufen verursacht durch Delta.

Doch wie verhält es sich bei der Omikron-Variante? Wie gut schützen die verfügbaren Impfstoffe gegen sie? Sind Anpassungen bei den Impfstoffen nötig? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was unterscheidet die Omikron-Variante von anderen Coronavirus-Varianten?

Vieles ist bisher unklar was die neue Variante angeht, auf der ganzen Welt untersuchen Virologen derzeit Omikron und seine genetischen Bausteine. Was als gesichert gilt: Die Omikron-Variante weist eine besonders hohe Anzahl an Mutationen des Spike-Proteins auf. SARS-CoV-2 nutzt das Protein, um an die Zellen anzudocken und die Aufnahme des Virus in die Zelle zu ermöglichen. Ohne das Spike-Protein könnte das Coronavirus keine Zelle befallen.

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Gegen dieses Protein sind viele Impfstoffe gerichtet. Laut Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, gibt es nun einige Mutationen an Stellen, an die neutralisierende und therapeutische Antikörper binden. Das könnte ihre Schutzwirkung gegen eine Infektion reduzieren.

Sorgen bereitet neben der höheren Ansteckungsgefahr der Variante die Möglichkeit, dass Omikron in der Lage sein könnte, den Impfschutz auszuhebeln. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb dazu kürzlich auf Twitter: „Die neue Variante scheint zum ersten Mal eine echte massive Durchbruchsvariante zu sein.“

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Ähnlich besorgt äußerte sich der auf Zellforschung spezialisierte Biologe James Naismith von der Universität Oxford in der Radiosendung „BBC 4 Today“. Er geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe „mit ziemlicher Sicherheit“ weniger wirksam gegen die neue Virusvariante sind.

Wirken die aktuellen Impfstoffe noch ausreichend gegen die Omikron-Variante?

Doch wie viel Sorge ist gerechtfertigt? Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), ist der Auffassung, dass der Schutz vor einer Infektion gegen Omikron möglicherweise etwas abgeschwächt sein könnte. Der Schutz vor einer schweren Erkrankung sei aber wahrscheinlich immer noch sehr hoch.

Der Charité-Immunologe Leif Erik Sander ist zuversichtlich, dass die bisherigen Impfstoffe auf dem Markt auch gegen Omikron wirken. Zwar könne man dies noch nicht abschließend sagen, weil dies noch erforscht werden müsse, sagte Sander bei einer Veranstaltung des Bundesgesundheitsministeriums. Er sei aber optimistisch, dass man bei dieser Variante nicht bei Null anfangen müsse.

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Die Münchner Virologin Ulrike Protzer sagte im „Deutschlandfunk“, dass es möglich sei, dass Antikörper das Virus nicht mehr so effizient neutralisierten. Sie sagte aber auch, dass nach einer frischen Impfung genug Antikörper vorhanden seien, um am Ende auch mit Varianten fertig zu werden.

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„Nach derzeitigem Ermessen sollte man davon ausgehen, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich weiterhin schützen“, erklärte Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité am Sonntagabend im ZDF "heute-Journal". Gerade der Schutz gegen schwere Erkrankungen sei besonders robust gegen Virusveränderungen.

Auch bei verringerter Wirksamkeit bleibe die Impfung die beste Option, betonte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). „Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben.“ Sie hätten auf jeden Fall schon einen gewissen Impfschutz, das sei entscheidend zu wissen.

Mehr zum Thema auf Tagesspiegel Plus:

Booster gegen Omikron: Schützt besonders eine dritte Impfung vor der neuen Virusvariante?

Experten zeigen sich bei der Frage des Booster-Schutzes gegen die Omikron-Variante durch eine dritte Impfung zuversichtlich. Im „Deutschlandfunk“ erklärte Virologin Protzer, dass die derzeit verfügbaren Impfstoffe – und das sei die einhellige Meinung internationaler Experten auf dem Gebiet – mit einer Auffrischimpfung das Immunsystem stärken und weiterhin auch gut gegen die neue Corona-Variante schützen würden. So rät sie dazu, Booster-Impfungen mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen vorzunehmen.

Auffrischungsimpfungen könnten das Immunsystem „hochpushen“, erklärte Protzer. Ob man später eine weitere Impfung brauche oder einen angepassten Impfstoff, könne man jetzt noch nicht sagen.

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Drosten betonte am Sonntag im ZDF-„heute Journal“: „Das Einzige was man wirklich mit Sicherheit sagen kann ist: es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist.

Wie hoch ist das Risiko durch Omikron für eine erneute Corona-Infektion?

„Die Genom-Veränderungen weisen darauf hin, dass dieses Virus einen Immunescape zeigen könnte“, erklärte Drosten weiter. Das Fallgeschehen in Südafrika lasse plausibel erscheinen, dass Omikron eine gegen andere Sars-CoV-2-Versionen aufgebaute Immunabwehr teilweise umgehen könnte: Die derzeit nachgewiesenen Infektionen fänden in sehr großem Maße bei Genesenen statt - es stecken sich also Menschen an, die schon mit Delta oder einer anderen Variante infiziert waren.

[Lesen Sie mehr zum Thema: Vor allem Junge infiziert - Wie die neue Coronavirus-Variante Südafrika trifft (T+)]

Wichtig zu wissen ist aber auch, wie Drosten betont: Für einen kompletten Ausfall des Immunschutzes wären nach wissenschaftlichem Kenntnisstand noch „bedeutend viel mehr Mutationen“ im Spike-Protein erforderlich.

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Passen Impfstoffhersteller jetzt die Impfstoffe an die neue Virus-Variante an?

Ob Impfungen verändert werden müssten, würden die nächsten zwei bis drei Wochen zeigen, sagte Drosten im „heute Journal“ weiter. Eine Anpassung der mRNA-Impfstoffe sei möglich. „Das wird man technisch relativ einfach machen können. Aber wir sprechen hier doch von Monaten.“

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Impfstoffhersteller haben bereits mit ihren Untersuchungen und Tests begonnen. Johnson & Johnson, Astrazeneca, Biontech und Moderna prüfen derzeit ihre Impfstoffe auf die Wirksamkeit gegen die neue Virus-Variante. Dabei geht es vorwiegend um die Frage, ob eine Anpassung der Vakzine tatsächlich nötig ist. Die mRNA-Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer und Moderna haben bereits angekündigt, Anpassungen vorzunehmen.

[Mehr zum Thema lesen Sie auf Tagesspiegel Plus: Vakzin gegen Variante - So gehen Impfstoffhersteller gegen Omikron vor (T+)]

Warum müssen die Impfstoffe vermutlich angepasst werden?

Die Omikron-Variante, so der Verdacht der Experten, könnte sich der Wirkung der bisher zur Verfügung stehenden Impfstoffe entziehen, wenn nicht gänzlich, dann zumindest teilweise.

Wie stark der Immun-Escape bei Omikron ist, wird derzeit von den Herstellern der Impfstoffe und Virologen untersucht. So rechnet Biontech in etwa zwei Wochen mit den ersten Forschungsergebnissen. Bei Moderna experimentiert man bereits mit einem höher dosierten Booster. Auch hier werden erste Ergebnisse „in einigen Wochen“ erwartet.

ZDF-„heute“ sagte Virologe Drosten, dass die neue Variante wahrscheinlich nicht in der Lage sei, den Immunschutz völlig lahmzulegen und die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich weiter schützen.

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Ähnlich schätzt Friedemann Weber, Leiter des Instituts für Virologie an der Gießener Justis-Liebig-Universität, die Wirkung ein. Er geht davon aus, dass der Schutz der bisher genutzten Impfstoffe etwas reduziert sein könnte, es aber noch einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen geben werde.

Wann ist mit angepassten Impfstoffen gegen Omikron zu rechnen?

Friedemann Weber erklärte ZDF-„heute“, dass die technische Anpassung bei mRNA-Impfstoffen relativ einfach und schnell gehe und in ein bis zwei Wochen machbar sei. Moderna-Chef Paul Burton sagte im BBC-Interview, dass Anfang des kommenden Jahres ein angepasster Impfstoff „in großem Maßstab hergestellt werden“ könne.

Vorausschauend hat sich Biontech aufgestellt. Das Unternehmen teilte mit, sich schon vor Monaten auf eine „Escape-Variante“ vorbereitet zu haben. So könne man nun den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anpassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen ausliefern.

Bei der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) ist man zurückhaltender. „Die EMA hält es zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht, die Notwendigkeit eines angepassten Impfstoffs mit einer anderen Zusammensetzung zur Bekämpfung dieser neuen Variante zu sehen“, erklärte die Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP. (mit Agenturen)

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