• Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt? : Mit den USA skypen und die Russen warnen

Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt? : Mit den USA skypen und die Russen warnen

Deutschland hat wieder eine Regierung. Andernorts ist die Lage unklarer. Was macht die Welt?

Und jetzt? Ihren ersten Antrittsbesuch machte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Und jetzt? Ihren ersten Antrittsbesuch machte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron.Foto: imago/Starface

Merkel erst in Paris, dann in Warschau. Hätte WmdW dieselbe Route genommen?

Frankreich auf jeden Fall, weil es seit dem Elysee-Vertrag von 1963 unser „Erzfreund“, mithin die erste Adresse in Europa ist. Warschau gleich danach? Die autoritäre Regierung ist nicht gerade liebenswert, aber sie bleibt im Amt. Dagegen hat Italien gar keine, England eine auf Abruf, Spanien eine Minderheitsregierung. Also geht man dorthin, wo die Regierung Prokura hat. Und um zu zeigen, dass Polen uns wichtig ist, sich also in Europa nicht weiter isolieren möge. Eigentlich gehört auch Washington auf den Reiseplan. Bloß weiß man beim Abflug nie, wer einen dort empfängt. Plötzlich ist der Außenminister weg, der Sicherheitsberater McMaster wird ihm folgen. Erst einmal skypen.

War ja klar, dass Tillerson geht. Also wozu die Aufregung?

Den kommenden Abgang hat WmdW schon Anfang Dezember an dieser Stelle gemeldet. Die Aufregung hält sich in Grenzen, weil das „stabile Genie“ Trump inzwischen schon 20 Hochstehende gefeuert oder in den Rücktritt getrieben hat. Die Nr. 21 wird der Sicherheitsberater McMaster sein. Für die Zuschauer ist dieser superflexible Arbeitsmarkt mit null Kündigungsschutz ein dramaturgisches Vergnügen. Wie in jeder guten Soap müssen die Figuren ständig ausgewechselt werden, um die Spannung zu schüren und Trump glänzen zu lassen. Bei uns passiert das vor der Regierungsbildung; siehe Schulz, Gabriel, de Maizière, Dobrindt…

Gibt es ein Gegengift für die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland?

Leider gibt es kein Gegengift für „Nowitschok“, das in der Sowjetunion entwickelt wurde und schwer nachzuweisen ist. Das Standardmittel gegen Nervengift, Atropin, erfordert feinste Dosierung und komplizierte Apparaturen; andernfalls kommt es zu mörderischen Nebenwirkungen. Stirbt das Opfer nicht, wird es zum lebenslangen Pflegefall. Unbeteiligte werden ebenfalls kontaminiert. Die russische Botschaft im Fall Skripal lautet: Wir kriegen euch überall, auch im Ausland. Deshalb haben die Großen Vier des Westens, auch Berlin, richtig reagiert, als sie den „ersten Nervengift-Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg“ verdammten, derweil Amerika und England Sanktionen verhängt haben. Putin wird immer übermütiger; er sollte wissen, dass er überzogen hat und den Westen nicht spalten kann.

Ein erstes Wort zum neuen Außenminister

„Eiko“, wie ihn sein Pariser Kollege Le Drian nennt, setzt vorsichtig neue Akzente im Verhältnis zu Russland. Er warnt Moskau davor, „sich selbst in Abgrenzung, ja Gegnerschaft zu uns im Westen zu definieren“. Für Gabriel und die alte SPD galt Entspannung über alles, bloß nicht den Bären reizen. Maas denkt realistisch.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!