Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Erste Hilfe für die Wasserretter

Die Handwerksfirma RWD renoviert die Station der DLRG am Tegeler See. Denn den ehrenamtlichen Wasserrettern fehlt das Geld.

Milena Fritzsche
Renate Wilkening und ihr Sohn Philipp, Thiemo Klawa (DLRG-Bezirksleiter) und Aljoscha Schrage vom Rettungsdienst (v.li.).
Renate Wilkening und ihr Sohn Philipp, Thiemo Klawa (DLRG-Bezirksleiter) und Aljoscha Schrage vom Rettungsdienst (v.li.).Foto: Michele Galassi

Fast ihr ganzes Leben schon engagiert sich Renate Wilkening ehrenamtlich. „Aber ich wusste nicht, dass das auch als Firma geht“, sagt sie und fügt hinzu: „Das war für mich ein Aha-Effekt.“ Nun will sie mit ihrer kleinen Handwerksfirma eine Wasserrettungsstation am Tegeler See verschönern.

Dort drehen ein paar Schwimmer ihre abendlichen Runden im ansonsten spiegelglatten Wasser. In der Ferne ziehen Segelboote vorbei. Der Blick reicht über die ganze Bucht und quer über den See bis zur Villa Borsig. Es gibt Arbeitsorte, auf die Außenstehende neidisch sind. Die Wasserrettungsstation „Forsthaus“ der Deutschen Lebensretter-Gesellschaft (DLRG) am Tegeler See gehört dazu. Der Platz am Ufer ist nicht spektakulär, aber idyllisch. „Der Blick aufs Wasser entschleunigt“, sagt Thiemo Klawa, der die DLRG in Reinickendorf leitet. Die Lebensretter sind alle ehrenamtlich im Einsatz – jedes Wochenende von Mai bis September.

Für den freiwilligen Dienst haben sie ein kleines Haus. Dort hängen die Rettungsschwimmer ihre roten Jacken zum Trocknen auf. Im Sanitätsraum versorgen sie die Wunden der Patienten und in der geräumigen Küche sich selbst mit Essen. Für die Nachtwache gibt es Doppelstockbetten. Seit 54 Jahren steht das Gebäude in der Bucht. „Es war damals“, erzählt Thiemo Klawa, „die erste Wasserrettungsstation in Berlin, die aus Stein gebaut wurde.“ 3000 Mark habe der Bau gekostet.

Blick auf den Tegeler See bei Sonnenuntergang.
Blick auf den Tegeler See bei Sonnenuntergang.Foto: Soeren Stache/dpa/pa

"Die Lebensretter geben so viel Freizeit für das Leben andere Menschen"

Doch inzwischen fehle das Geld. „Für eine Sanierung müssten wir Spenden sammeln“, sagt Klawa. Dafür bräuchte es Zeit und jemanden, der sich darum kümmert. Wie gut, dass es Renate Wilkening gibt. Als Geschäftsführerin des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrums der alternativen Ufa-Fabrik in Tempelhof hat sie schon viele Projekte auf die Beine gestellt. „Bürgerschaftliches Engagement fördern und unterstützen“, das sieht sie als ihre Aufgabe.

Praktischerweise ist Renate Wilkening auch Geschäftsführerin der RWD, einer Gesellschaft für Beratung, Kommunikation und Dienstleistungen. Die Firma ist vor allem für Handwerks- und Renovierungsarbeiten zuständig. Dass die Handwerker nun gratis die Wasserrettungsstation auf Vordermann bringen wollen, liegt an „Gute Tat“. Die Berliner Stiftung bringt Unternehmen, die sich engagieren möchten, mit Initiativen, die Unterstützung benötigen, zusammen. „Das ging ganz unkompliziert“, freut sich Thiemo Klawa rückblickend.

„Die Lebensretter geben so viel Freizeit und Energie für das Wohl und Leben anderer Menschen. Ich habe eine große Hochachtung davor“, sagt Wilkening. Sie wollte die Arbeit gerne unterstützen, habe aber gar nicht gewusst, „dass sich auch eine Firma so engagieren kann“. Die geplante Aktion sei insofern eine Premiere. Das Unternehmen stellt nicht nur die Handwerker, sondern auch die benötigten Materialien. Ihre Angestellten würden aber trotzdem für jeden Einsatz bezahlt, betont Renate Wilkening. „Firmen müssen anständige Löhne zahlen“, sagt sie bestimmt.

Für die Handwerker kein Problem

Vor einiger Zeit ist ihr Sohn, Philipp Wilkening, der eigentlich Deutsche Philologie und Medienwissenschaften studieren wollte, in die Firma eingestiegen. Seit dem beschäftigt er sich mit Betriebswirtschaft und packt auch selbst mit an. Gemeinsam mit den Handwerkern und den Freiwilligen der DLRG inspiziert er das Innere der Wasserrettungsstation.

Die Lebensretter wünschen sich für ihr Haus einen neuen Anstrich und die Ausbesserung von kleineren Schäden an der Decke in der Küche. Außerdem benötigen sie ein neues Regal. Das ist für die Handwerker gar kein Problem. Aljoscha Schrage, der die Einsätze der Wasserrettungsstation „Forsthaus“ leitet, berichtet zudem von einem weiteren Problem: Bei Regen würden sie den Tisch, der draußen steht, immer rein tragen. Allerdings stünden die Maße von Tisch und Türrahmen in keinem günstigen Verhältnis zueinander. Entsprechend ist die Wand mit einigen Schrammen und Schleifspuren versehen. Auch darum, versprechen Philipp Wilkening und seine Kollegen, wollen sie sich kümmern.

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Unternehmen will weiteren Initiativen helfen

Währenddessen hat Renate Wilkening schon neue Ideen. Sie ist sich sicher, dass die DLRG noch mehr Unterstützung gebrauchen könnte. „Wir würden den Rettungsschwimmern gerne weiterhin helfen, wenn sie uns brauchen.“ Beispielsweise könnte ihre Firma auch neue Elektroleitungen verlegen oder die obligatorische Prüfung der elektronischen Geräte kostenlos übernehmen. „Die arbeiten hier alle komplett ehrenamtlich“, sagt Wilkening mit Blick auf die Lebensretter, „dann können wir das auch machen.“

Renate Wilkening will dabei sein, wenn ihr Sohn und die Kollegen die Wasserrettungsstation renovieren. „Handwerklich bin ich nicht begabt“, räumt sie lachend ein. Sie kümmere sich dann lieber um Brötchen und Kaffee. Die Aktion sei „unser Einstieg in die Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen“, sagt Wilkening. Das wolle sie mit ihrem Unternehmen in Zukunft fortsetzen und weiteren Initiativen Hilfe anbieten.

Die Wasserrettungsstation verschönern – daran können sich Interessierte am Aktionstag Gemeinsame Sache am Sonnabend, 8. September, von 9 Uhr an beteiligen. Materialien sind vor Ort am Tegeler See, Schwarzer Weg 69.

Machen Sie mit. Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin. Dort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Stolpersteineputzen in Reinickendorf

Zum wiederholten Mal putzen die Reinickendorfer Freien Demokraten am Freitag, 7. 9. von 16.30 - 19 Uhr Stolpersteine im Bezirk. Die FDP möchte der Opfer des NS-Regimes in Reinickendorf gedenken und ein Zeichen setzen für die Wichtigkeit des Asylrechts, Toleranz und ein weltoffenes und friedliches Miteinander.

Treffpunkt ist am Eichborndamm 238, 13469 Reinickendorf. Dort sind vier Stolpersteine für Kinder verlegt, die der Euthanasie zum Opfer gefallen sind. HelferInnen sind herzlich willkommen. Kontakt: 0 162 1388320. E-Mail: huettl@fdp-berlin.de. www.fdp-reinickendorf.de

Reinigung des Jungfernheideparks

SchülerInnen aller achten Klassen des Siemens-Gymnasiums reinigen am Freitag, 7. 9. von 9.30 - 11.30 Uhr bereits zum zweiten Mal die umliegenden Parks der Schule vom Müll und lernen dabei zugleich etwas über die Notwendigkeit der Müllvermeidung und werden für das Thema sensibilisiert. Als Umweltschule in Europa und Berliner Klima Schule ist dem Siemens-Gymnasium nachhaltiges Denken und Handeln und damit auch der Umgang mit Müll sehr wichtig.

Aktionsort: Jungfernheideweg, 13629 Spandau. Aktionsgruppe: Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium. www.cfvsiemens.de

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