Berlin-Charlottenburg : Todesraser steht am Dienstag vor Gericht

Eine 22-jährige Studentin starb im Juni, als ein Wagen auf der Flucht vor der Polizei sie erfasste. Nun muss sich der Fahrer dafür verantworten.

Nachgezeichnete Schleifspuren: Das Fluchtauto der Diebe erfasste Johanna Hahn in der Kantstraße.
Nachgezeichnete Schleifspuren: Das Fluchtauto der Diebe erfasste Johanna Hahn in der Kantstraße.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Sie war auf dem Gehweg unterwegs, schob ihr Fahrrad. Johanna Hahn hatte keine Chance, als das Auto angerast kam. Die Studentin, 22 Jahre alt, wurde tödlich erfasst. Von einem Wagen, in dem drei mutmaßliche Diebe saßen. Die Beute der Männer im Alter von 27, 18 und 14 Jahren soll um die 300 Euro wert gewesen sein.

Knapp sechs Monate nach dem schrecklichen Unfall in Charlottenburg wird Milinko P. als Fahrer des Fluchtwagens ab heute der Prozess gemacht. Die Anklage gegen den Serben lautet unter anderem auf Mord.

Auf den Zuschauerbänken im Saal 700 des Landgerichts wird wohl kein Platz leer bleiben. Johanna Hahn studierte Soziale Arbeit. Sie engagierte sich für Flüchtlinge, Waisenkinder in Afrika und aidskranke Jugendliche. Sie reiste, sie ging offen auf andere Menschen zu. Am 9. Oktober, dem Tag, an dem sie 23 Jahre alt geworden wäre, kamen 150 Menschen zum Unfallort in der Kant-, Ecke Windscheidstraße zusammen.

Der 27-jährige P. sowie zwei serbische Brüder sollen am 6. Juni gegen 21.30 Uhr einen Kleintransporter aufgebrochen haben. Zivilpolizisten beobachteten den Angaben zufolge, wie das Trio in der Westfälischen Straße in Wilmersdorf gestohlene Werkzeuge in den Audi luden. Mehrere Koffer seien es gewesen, wohl in einem Wert von etwa 300 Euro.

Als die mutmaßlichen Diebe abfuhren, nahmen die Fahnder die Verfolgung auf. Kurz vor dem Stuttgarter Platz blockierten die Polizisten zusammen mit alarmierten Kollegen und deren Autos den Fluchtwagen. Die Lage schien unter Kontrolle. Ein Beamter stieg aus und ging auf das verdächtige Auto zu. Doch P. habe plötzlich Gas gegeben, sei vor und zurück gefahren, so die Anklage. Er habe dabei einen Polizisten in lebensbedrohlicher Weise weggeschoben und eingeklemmt – bis der Weg frei war.

Auch der 18-jährige Beifahrer starb wenig später in der Klinik

Nachdem das Fluchtauto die Polizeisperre durchbrochen hatte, gab P. Gas. Eine rasante Flucht durch die City West, völlig rücksichtslos, hochgefährlich. An einer für ihn roten Ampel stieß er mit einem anderen Wagen zusammen. Die Frau hinter dem Steuer wurde schwer verletzt. Das Auto der Diebe erfasste dann Johanna H. auf dem Gehweg. P. gab der Polizei zufolge ungerührt weiter Gas. Erst nach einigen weiteren Kollisionen sei er ausgestiegen. Der Versuch, zu Fuß zu entkommen, scheiterte schnell.

Für die Studentin kam jede Hilfe zu spät. Sie erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen. Auch der 18-jährige Beifahrer von P. starb wenig später im Krankenhaus. Die Anklage geht davon aus, dass P. den Tod der Passantin billigend in Kauf genommen habe. Für den Prozess sind 17 Tage geplant.

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