Berlin-Kreuzberg : Myfest: Wie ist die Stimmung im Kiez?

Am 1. Mai wird gefeiert, getrunken und getanzt. Aber wie kommt das Myfest bei Anwohnern an? Das Bezirksamt führt dazu eine Umfrage durch.

Ella Simon
Das Myfest sollte helfen, die Mai-Krawallen einzudämmen. Nun ist es in den Straßen bunt und ausgelassen.
Das Myfest sollte helfen, die Mai-Krawallen einzudämmen. Nun ist es in den Straßen bunt und ausgelassen.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Menschenmassen auf den Straßen, Musik auf vielen Bühnen, Streetfood so international wie Kreuzberg – das Myfest und der neue MaiGörli haben den 1. Mai deutlich friedlicher gemacht. Aber viele Anwohner ärgern sich über die Begleiterscheinungen, die Dauerbeschallung und den Müll. Das Bezirksamt Friedrichshain- Kreuzberg möchte ein Stimmungsbild erstellen und hat deswegen kürzlich Fragebögen an 5000 zufällig ausgewählte Anwohner verteilt.

Rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor halfen Freiwillige bei der Verteilung der Fragebögen, etwa jeder sechste Haushalt sollte befragt werden. Die Fragen sind sehr allgemein verfasst: „Seit wann sind Sie in diesem Gebiet?“, „Kennen Sie die Feste zum 1. Mai?“, „Was gefällt Ihnen am Myfest/MaiGörli, was nicht?“. Zum Schluss darf noch angekreuzt werden, ob die Feste weiterhin stattfinden sollen.

Wer sich spontan auf der Straße umhört, erhält sehr unterschiedliche Einschätzungen. Anwohner Roman K. empfand das Myfest immer als „eine lustige Veranstaltung“. Über die Jahre sei es für viele Kneipen und Lokale zu teuer geworden, Bühnen aufzubauen und zu bespielen. Deshalb sei das Programm allmählich geschrumpft, meint der 55-Jährige. Kleinere Ausschreitungen und Streits gäbe es jedes Jahr, die seien aber nicht wirklich der Rede wert. Er findet, das Myfest, das seit 2003 veranstaltet wird, soll im Kiez bleiben.

Wenig Randale, viel Müll

Susanne Borchert, 43, arbeitet am Oranienplatz. Sie erlebt das Fest seit gut zehn Jahren als Bedienung im Café „Kuchen Kaiser“. Auch als Privatperson habe sie schon mitgefeiert. Von Randale habe sie nie etwas mitbekommen, aber viel Müll falle schon an, kritisiert sie. „Da müssen auch die Leute, die einen Stand betreiben, sorgsamer sein. Wir räumen schon am Abend vor unserem Laden auf.“

Weniger begeistert ist Angela Tallian. Sie betreibt das Café „Art en Chocolat“ am Oranienplatz. Es liegt unmittelbar neben dem Hotel Orania, das mehrfach von Gentrifizierungsgegnern angegriffen wurde und beim letzten Myfest durch einen Zaun von der Menge getrennt wurde. Der versperrte auch ihr Café. „Es gab vorher keine Form der Kommunikation. Weder das Festkomitee, noch Ordnungsamt oder Polizei haben Bescheid gegeben, dass es einen Schutzzaun für das Hotel geben soll“, sagt Tallian. Das Myfest habe immer viele Besucher ins Café gelockt, nun befänden sich die Massen auf der anderen Seite des Zauns.

Immerhin, seinen Zweck, Krawalle zu verhindern, habe das Myfest erfüllt. Sollte es nun verkleinert oder abgeschafft werden, so erwartet Angela Tallian nicht, dass es wieder Ausschreitungen am 1. Mai geben würde. Schließlich lebe man heute in einer ganz anderen Zeit und einem anderen politischen Kontext.

Bis zum 24. November können Anwohner den Fragebogen ausfüllen und kostenfrei einsenden.

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