Berlin-Mitte : Pavillons auf Karl-Marx-Allee: "Wir sind hier nicht am Kudamm"

Wie sollen die sechs neuen Pavillons, die in den kommenden Jahren an der Straße entstehen, genutzt werden? Anwohner und Planer diskutierten.

Eine Berliner Berühmtheit: die Karl-Marx-Allee.
Eine Berliner Berühmtheit: die Karl-Marx-Allee.Foto: Thilo Rückeis

Wie sollen die sechs neuen Pavillons, die in den kommenden Jahren auf der Karl-Marx-Allee entstehen, genutzt werden? Diese Frage stand im Zentrum der ersten Informationsveranstaltung zum Bauprojekt zwischen Alexanderplatz und Schillingstraße am Mittwochabend. Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat des Bezirks Mitte, hatte ins Rathaus hinter dem Kino International geladen, knapp 100 Interessierte aus der Nachbarschaft waren gekommen.

Der Abend stellte auch den Auftakt für die Bürgerbeteiligung am Projekt dar. Auf Postkarten, die auf den Stühlen im Veranstaltungsraum auslagen, sollten die Anwesenden ihre Ideen für eine Nutzung der neuen Pavillons notieren. Die Vorschläge würden dann in die Planung einbezogen werden. 

Wie berichtet planen der Bezirk Mitte und der Senat auf dem zweiten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Schillingstraße den Bau sechs neuer Pavillons nach Vorbild der dort bereits vorhandenen freistehenden gläsernen Bauten mit  Galeriegeschoss wie der Bar Babette (ehemals Kosmetiksalon Babette) oder dem Outdoor-Ausrüster Camp 4 (früher Modesalon Madeleine). Damit soll die ursprüngliche Planung, die elf solcher Pavillons auf dem rund 800 Meter langen Abschnitt der 125 Meter breiten Allee vorsah, vervollständigt werden. Entstanden sind nämlich bisher nur fünf, zwischen Schillingstraße und Strausberger Platz.

 Die Höhe? Etwa zwei Geschosse

Die vorgestellten Entwürfe der fünf Architekturbüros (MGHS, Brandlhuber, Kawahara Krause, Brenne, AFF) orientieren sich an der Optik der alten Pavillons, wollen aber moderne Interpretationen dieser sein. Sie unterscheiden sich voneinander unter anderem in der Form (T, L, C oder Zeile) sowie in der Tiefe der Pavillons zu den Plattenbauten hin. Bei der Höhe orientieren sich die Neubauten an den jetzigen Pavillons, was etwa anderthalb bis zwei Geschosse bedeutet. Eine besondere Funktion kommt den beiden geplanten Bauten am Eingang vom Alexanderplatz (Otto-Braun-Straße) zur Karl-Marx-Allee zuteil. Hier muss entschieden werden, ob sie sich mit ihrer Schauseite zum Alex oder zur Allee orientieren. Auch der neben dem Kino International geplante Pavillon soll so geplant werden, dass er den Platzcharakter rund um das Kino verstärkt. Einige Entwürfe sehen eine Integration des U-Bahnhofs Schillingstraße in den Pavillon vor. 

 

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Außer bei der Bar Babette, die im Oktober schließen muss, hätten die Anwohner nicht das Gefühl, dass sich das jetzige Angebot der Pavillons an sie richte, sagte Julia Dobbert vom Nachbarschaftsrat Karl-Marx-Allee, zweiter Bauabschnitt. In diesem Bereich leben etwa 10.000 Menschen in Plattenbauten, sogenannten Wohnscheiben, die in den 1960er und 1970er Jahren errichtet wurden. Deswegen schlägt der Rat ein Nachbarschaftszentrum mit Café oder Bar in einem der neuen Bauwerke vor. Dort könnten Anwohner miteinander ins Gespräch kommen. Außerdem setzen sich die Nachbarn für eine neue Bibliothek, eine Musikschule, Verkaufsflächen für lokale Kunst und Mode und einen Berlin-Pavillon als Anlaufstelle für Touristen ein.

Anwohner sind skeptisch 

Was davon tatsächlich entsteht, ist noch völlig offen. Der Bezirk realisiert den Bau der Pavillons mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), der einige der Grünflächen, auf denen die neuen Häuser geplant sind, gehört. Deren Vertreter Fred Sommermeier dämpfte die Erwartungen am Mittwoch schon einmal: Raum für Kultur und Soziales sei ja schön und gut, aber das müsse auch jemand bezahlen, sprich: Die Bauten müssen wirtschaftlich sein. „Wir sind hier nicht am Kudamm“, sagte er. Es könnte Einzelhandel entstehen, Gastronomie oder auch Galerien. Der WBM sei vor allem eine hohe Flexibilität bei der Nutzung der Pavillons wichtig, weil sie die Gebäude möglichst lange in ihrem Bestand sichern möchte. Sommermeier betonte auch, dass der Hauptauftrag der WBM der Wohnungsbau sei. Die Pavillons auf der Karl-Marx-Allee stünden deshalb „nicht auf der Prio-Liste eins“.

Umbau der Karl-Marx-Allee bis 2021

Baustadtrat Gothe gab sich nach der Veranstaltung dennoch optimistisch, dass mit dem Bau nach dem Umbau der Karl-Marx-Allee, also im Jahr 2021, begonnen werden könnte.

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