Berlin-Mitte : Personeller Neustart am Berliner Großmarkt

Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Händlern des Großmarkts hat der Berliner Senat beschlossen, den Geschäftsführer Peter Stäblein zu entlassen.

Geschasst. Behala-Chef Peter Stäblein muss den Hut nehmen.
Geschasst. Behala-Chef Peter Stäblein muss den Hut nehmen.Foto: Mike Wolff

Nichts hatte der Senat unversucht gelassen, die heftigen Auseinandersetzungen mit vielen Händlern zu befrieden, sogar einen „Zukunftsdialog“ unter Leitung des Chefs vom Großmarkt (und Behala) Peter Stäblein gestartet. Genutzt hat es nichts, am Ende waren die Verwerfungen wohl zu groß, ein oder eine Andere(r) soll die beiden landeseigenen Firmen übernehmen. Der Aufsichtsrat unter Leitung von Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde hat Stäblein „mit sofortiger Wirkung abberufen“.

Der Abschied erfolgt nur wenige Monate nach der Verlängerung von dessen Dienstvertrag. Eine Millionenabfindung, wie Gerüchte besagten, hat der Endvierziger nicht zu erwarten. Alle Dienstverträgen des Landes sind kündbar jeweils bis zum 30. November eines Jahres, sehen dann aber eine Abfindung in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes von Maximal zwei Jahresgehältern vor – ungefähr 400.000 Euro müsste das Land dann zahlen. So oder so: der Manager ist raus, bis zum Ergebnis der Neu-Ausschreibung der Posten übernimmt Petra Nowaki, eine Juristin aus der Bau- und Immobilienwirtschaft.

„Wir haben die Belegschaft unterrichtet und uns bei Herrn Stäblein bedankt für dessen erfolgreiche Arbeit bei der Behala in den vergangenen mehr als zehn Jahren“, sagte Bunde auf Anfrage. Der Eigentümer, das Land Berlin habe beschlossen, die Neuausrichtung des Berliner Großmarktes „mit einem personellen Neustart zu verbinden“. Wie berichtet bietet das große Areal in Moabit gewaltige Entwicklungschancen, könnte nach Vorschlägen einer Händlerinitiative unter Beteiligung der Food-Erneuerer aus Kreuzbergs Markthalle Neun anlassbezogen für alle Berliner geöffnet werden und zum Berliner Beispiel der Ernährungswende mit regionalen und ökologischen Produkten ausgebaut werden.

Sanierungsstau und Flächenmangel

Wie aus Branchen-Kreisen zu hören ist, hatte Stäblein die Chance vertan, sich beim Zukunftsdialog an die Spitze der Bewegung zu stellen und die Graben zuzuschütten. Offensichtlich meinte der Senat es Ernst, alle Beteiligte an einen Tisch zu holen, um Kompromisse zu finden. Dabei habe sich der Manager nicht bewährt.

Der neue Manager soll wiederum beide Firmen, die Berliner Hafen- und Lagerstätten (Behala) sowie den Großmarkt, gemeinsam führen, um auch weiterhin „Synergien“ unter den benachbarten Liegenschaften zu nutzen. Beim Großmarkt besteht ein Sanierungsstau und Nachfrage nach Flächen. Hinzu kommen Probleme der Erschließung und Organisation des Verkehrs auf dem Areal. Ein Teil der Händler hatte die Fläche in Erbpacht übernehmen wollen. Das lehnt der Senat jedoch ab.

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