Berlin-Mitte : Vergessenes Stück der Berliner Mauer wiederentdeckt

Wer auf Abwege gerät, kann in Berlin immer noch Entdeckungen machen: Bewohner von Mitte und ihr Bezirksbaustadtrat haben gegenüber vom BND ein vergessenes Stück Mauer wiederentdeckt.

Das wiederentdecke Mauerstück an der Ida-von-Arnim-Straße.
Das wiederentdecke Mauerstück an der Ida-von-Arnim-Straße.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Mauer muss bleiben! An der Panke, gegenüber vom Betonkoloss des Bundesnachrichten-Dienstes allemal. Zumal sie dort, unweit vom früheren Grenzübergang Chausseestraße, gerade erst wiederentdeckt wurde. Von den Bürgern in Mitte. Durch Zufall. Bei einem Kiez-Sparziergang mit dem Baustadtrat von Mitte Epraim Gothe (SPD).

Genau genommen wurde der Fund möglich, weil sich die kleine Bürgertruppe mal nicht ganz an Recht und Ordnung hielt. Sie hatten sich nämlich ins Gebüsch geschlagen, um den Zaun vor dem „Südpanke Park“ zu umgehen. Der Park harrt seit Jahren seiner Einweihung ist deshalb „noch nicht gewidmet“, wie Gothe sagt. Wer sich hereinwagt, tut das deshalb auf eigene Gefahr. Und das riskierte die kleine Gruppe und belohnt sich selbst durch die Entdeckung der Mauer.

Wo die Berliner Mauer heute noch steht
"Wenn man die Liesenstraße entlang geht und die Augen offen hält, kann man sogar noch 'wirklich schützenswerte' Reste der Mauer entdecken." Das schreibt uns Horst Baranowski, der diese Bilder 29 Jahre nach dem Mauerfall machte. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Horst Baranowski
30.08.2018 14:23"Wenn man die Liesenstraße entlang geht und die Augen offen hält, kann man sogar noch 'wirklich schützenswerte' Reste der Mauer...

Unter Denkmalschutz gestellt

Jubelschreie löste das zunächst nicht aus, sondern rätselraten, was diese Reihe auf Stoß gesetzten Betonelemente wohl mal begrenzten. Zu sehen sind nämlich nicht die bekannten L-förmigen Mauerteile mit der Rolle oben drauf. Andererseits ragen Maste empor, die Günther Schluchte von der Stiftung Berliner Mauer bei der Begutachtung des Fundes als DDR-typische Peitschen-Leuchten identifizierte. Amtlich ist nun, dass dort, an der Grenze der früheren Bezirke Wedding und Alt-Mitte, ein Stück „Vorfeld-Sicherungs-Mauer“ steht. Dabei handelt es sich gleichsam um den zweiten Sicherungsring, der auf dem Boden der früheren „Hauptstadt der DDR“ stand und Patrouillenweg sowie Todesstreifen zum Ostteil der Stadt hin abgrenzte.

Flugs hat der Bezirk die unverhoffte Entdeckung unter Denkmalschutz gestellt. Da sie im Bereich des Parks liegt, soll sie in die Grünanlage integriert werden. Wie genau das geschehen wird, muss noch mit den Planern und Denkmalschützern besprochen werden. Auch eine Tafel mit Erläuterungen zur Mauer und deren Verlauf kann sich der Baustadtrat des Bezirks gut vorstellen.

Vielleicht verirren sich ja sogar Touristen dort hin: Der BND-Bau als trauriger Höhepunkt der steinernen Neubau-Ideologie der späten 1990er Jahre ist jedenfalls ein städtebauliches Kuriosum. Und die Panke, mehr Rinnsal als Fluss, wurde sogar mal von Marlene Dietrich in einem Lied mit Spott belegt. Außerdem wird der der Lauf des Flüsschen ja renaturiert. So oder so: Die Mauer muss bleiben, denn viel ist eh nicht mehr von ihr geblieben.

So sah die Mauer vor dem Fall aus
Mauertourismus, vermutlich im Jahr 1971. Die Gruppe ging an den gesprengten Häusern der Bernauer Straße entlang, die der DDR als Vormauer dienten. Im Hintergrund knickte die Mauer scharf nach Norden ab. Das Haus im Hintergrund ist die Oderberger Straße 30, gegenüber ist heute der Eingang zum Mauerpark. - Foto: Hans Lachmann/Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland (CC: BY-SA 3.0)Weitere Bilder anzeigen
1 von 198Hans Lachmann
13.08.2018 08:08Mauertourismus, vermutlich im Jahr 1971. Die Gruppe ging an den gesprengten Häusern der Bernauer Straße entlang, die der DDR als...
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