• Berliner Spätibetreiber über Gerichtsurteil : „Die Stadt lässt uns nicht atmen“

Berliner Spätibetreiber über Gerichtsurteil : „Die Stadt lässt uns nicht atmen“

Das Verwaltungsgericht hat klargestellt, dass Spätis sonntags geschlossen bleiben müssen. Spätibetreiber in Kreuzberg sind uneins, ob das problematisch ist.

Lebensgefühl oder Ladenschluss? Spätis müssen auch in Kreuzberg sonntags geschlossen bleiben.
Lebensgefühl oder Ladenschluss? Spätis müssen auch in Kreuzberg sonntags geschlossen bleiben.Foto: Pierre Adenis/laif

„Reiche werden noch reicher und die Kleinen gehen unter“, sagt Mehmet Sen. Der Besitzer eines Spätkaufs in Kreuzberg findet, dass es am Ende den großen Supermärkten nützt, wenn Berliner Spätis an Sonntag schließen müssen. Immer wieder heißt es: Sonntag ist der umsatzstärkste Tag, der darf nicht fehlen. Nicht weit von Tas’ Laden gibt es eine Rewe-Verkaufsstelle in der Tankstelle. „Da kostet alles doppelt so viel wie hier“, sagt er, vor dem Laden sitzend.

Spätis stehen für Berlin“, meint der Verkäufer eines Spätis ein paar Straßen weiter. Er sei in letzter Zeit schon zweimal kontrolliert worden, in letzter Zeit.

Das ist nicht überall im Bezirk so: Im nächsten Späti macht sich der Verkäufer weniger Sorgen, weil er vermutet, dass es im grün regierten Kreuzberg nicht so streng gehandhabt werde, auch in Zukunft. Nur weil sich jetzt alle beschweren, werde die Sonntagsöffnung zum Thema: „Tankstellen, die Supermärkte, aber auch konkurrierende Spätis.“ Als Klein- oder Familienunternehmen stehen sie oft alleine da. Sie haben keine gemeinsame Lobby. Das müsste sich ändern, damit sie sich für ihre Interessen einsetzen könnten, sagt auch Sen.

Und was sagt die Kundschaft?

Eine junge Eisverkäuferin findet es unzeitgemäß, dass Läden generell an Sonntagen geschlossen sind. Ihre Kundinnen sind sich uneins. Eine findet, das Verbot gehöre endlich durchgesetzt, die nächste, dass Spätis einfach zu einer Großstadt wie Berlin dazugehören. Dabei kaufe sie selbst dort gar nicht ein, fügt die elegant gekleidete Dame hinzu. Selbst ein Mann vom Ordnungsamt, der gerade Parkverbote kontrolliert, ist gegen die harte Linie. Gerade Leute, die viel draußen unterwegs sind, freuten sich über Spätis als Ort für die Pause.

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