Bildung in Berlin : Warum die Lehrer an den jüdischen Schulen streiken

In dieser Woche gab es an drei Tagen Warnstreik an zwei jüdischen Schulen in Berlin. Der Konflikt besteht seit 2014. Worum geht es?

Jüdische Kinder bei einer Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin.
Jüdische Kinder bei einer Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin.Foto: IMAGO

In den vergangenen drei Tagen haben erneut Dutzende Lehrkräfte an der jüdischen Heinz-Galinski-Schule in Charlottenburg und am Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn in Mitte gestreikt. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nahmen rund 40 Lehrkräfte teil, etwa zwei Drittel der dort angestellten Lehrer. Es war nicht der erste Streik – der Konflikt besteht seit 2014 – und es wird vermutlich auch nicht der letzte gewesen sein.

Jüdische Gemeinde kritisiert die GEW

Denn die Jüdische Gemeinde, die Trägerin der Schulen ist, zeigt sich bisher wenig gesprächsbereit. In einem Schreiben, das auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht wurde, schreibt der Vorsitzende Gideon Joffe, dass er kein Verständnis für den Streik habe und sich die GEW, die zu den Warnstreiks aufgerufen hat, als Gesprächspartner für die Gemeinde disqualifiziert habe. Er wirft der GEW vor, dass sie an den jüdischen Schulen im Gegensatz zu Schulen anderer freier Träger, wo schlechtere Bedingungen herrschen würden, „überaktiv“ sei und außerdem zu wenig gegen Antisemitismus an Schulen unternehme.

Lehrer weisen Vorwürfe zurück

Davon distanzieren sich die streikenden Lehrkräfte in einem Brief an die Eltern. Die GEW sei aktiv geworden, weil sich die Lehrkräfte an die Gewerkschaft gewandt haben, nachdem die Jüdische Gemeinde ihre Anliegen über Jahre ignoriert habe. Es sei keinesfalls so gewesen, dass die GEW an sie herangetreten sei „um der Jüdischen Gemeinde zu schaden, wie Herr Dr. Joffe angedeutet hat, oder gar aus antisemitischen Beweggründen.“

Elternvertreter der Heinz-Galinski-Schule solidarisierten sich mit den Lehrern und schrieben in einem Offenen Brief an Joffe, dass seine Argumentation „völlig an der eigentlichen Thematik vorbeiging“. Sie kritisieren zudem, dass Joffe in seinem Schreiben die Elternvertreter persönlich angreife und sprechen von "manipulativen und einseitigen Aussagen".

Ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde sagte, die Vorwürfe Joffes an die GEW seien „völliger Quatsch“, die viele auch deshalb so verärgerten, weil jüdische Bürger oft genug mit tatsächlichem Antisemitismus konfrontiert seien.

Die GEW weist ihrerseits darauf hin, dass sie auch mit anderen freien Schulträgern Verhandlungen führe.

GEW kritisiert "intransparente Bedingungen"

Doch was fordern die Lehrer? An den beiden Schulen herrschten intransparente Arbeits- und Entgeltbedingungen, sagt die GEW. Lehrer würden auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung ganz unterschiedlich bezahlt, aber man wisse nicht, nach welchen Kriterien. Es gebe keine klaren Regelungen zur Arbeitszeit und keine betriebliche Altersversorgung. Absprachen würden nicht eingehalten, Anfragen ignoriert. Zahlreiche Lehrkräfte hätten die Schulen bereits verlassen. Elternvertreter sprechen von „chaotischen Zuständen aufgrund des Personalmangels“. Die Lehrer fordern einen Tarifvertrag, der sich an den Regelungen des öffentlichen Dienstes orientiert.

Die Elternsprecher weisen zudem darauf hin, dass die Lehrer auch mit einem hausinternen Vertrag einverstanden gewesen wären, doch die Gemeindeführung sei nicht zu Verhandlungen bereit gewesen.

Die Jüdische Gemeinde teilte mit, Gespräche mit Lehrervertretern seien im Schulausschuss der Gemeinde möglich. Dieser werde sich mit der Thematik befassen und entscheiden, ob eine Arbeitsgruppe einberufen werden soll.

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