Checkpoint Charlie : "Kernvorgaben" sollen die künftige Bebauung steuern

Künftiger Gedenkort am ehemaligen Kontrollpunkt erhält bessere Chancen. Die Entwürfe des Ideenwettbewerbs werden nicht umgesetzt

Lieblingsort der Touristen. Am Checkpoint Charlie wird geplant - und über die Pläne gestritten
Lieblingsort der Touristen. Am Checkpoint Charlie wird geplant - und über die Pläne gestrittenFoto: Mike Wolff

Ein Hochhaus mitten auf der Kreuzung am Checkpoint Charlie wird es nicht geben. Stattdessen maximal 60 Meter hohe Neubauten, und einen neuen Platz rechts und links der Friedrichstraße, als Vorraum für ein Museum über die Konfrontation der Großmächte im Kalten Krieg, das zudem durch „skulpturale und expressive“ Gestaltung den Gedenkort markieren soll. Auch bleibt der Blick frei auf die Häuser, von denen aus CIA und Stasi das Geschehen am früheren Grenzkontrollpunkt beobachteten. Das sind wichtige Ergebnisse aus der Sitzung der Gutachter für die Bebauung der rund 3000 Quadratmeter großen Freiflächen an dem weltberühmten historischen Ort.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sprach von „Kernvorgaben“, die nun von den Beteiligten, den Bürgern und vom Abgeordnetenhaus „diskutiert und gebenenfalls auch ergänzt werden, um eine belastbare Grundlage für die nächsten Planungsschritte zu erreichen“. Das von Experten, Grünen, CDU und FDP scharf kritisierte Verfahren wird demnach doch nicht in aller Eile zu Festlegungen zugunsten des Entwicklers Trockland führen und berücksichtigt vorerst Forderungen der Kritiker.

Theresa Keilhacker vom Rat für Stadtentwicklung Berlin, als Sachverständige an dem Verfahren beteiligt, sprach von einer „positiven Entwicklung“ und einem „guten Input für das Parlament“. Berlins Abgeordnete müssten die künftigen Nutzungen am Checkpoint Charlie in den Ausschüssen diskutieren und vor allem die Frage, ob das Areal in privater oder öffentlicher Regie entwickelt wird.

Keines der sieben Entwürfe zum Ideenwettbewerb der ausgewählten Architekturbüros wird nach dieser Entscheidung umgesetzt. Unverändert beugt sich der Senat allerdings dem Willen von Trockland, auf den Brachen ein Hard-Rock-Hotel zu errichten, obwohl der Entwickler nicht mal Eigentümer der Grundstücke ist. Auch der bevorzugte Standort für die Filiale der Hotel-Kette, östlich der Friedrichstraße, bleibt bestehen. Das Hotel soll aber gemäß der neuen „Leitlinien“ überarbeitet werden.

„Architektonisch sollen die Gestaltungen der West- und der Ostseite der Friedrichstraße miteinander korrespondieren“, so die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Was wie eine Vorentscheidung zugunsten der Pläne des Büros Grafts klingt, das von Trockland als Planer des Hard-Rock-Hotels gesetzt ist und gleiche Baukörper beidseitig der Straße vorsieht, relativiert die nun erklärte Hervorhebung des Museumsbaus, die doch „seine Auffindbarkeit“ erhöhen und die „Besonderheit des Ortes“ unterstreichen soll.

Trockland beansprucht mit dem Erwerb von Schulden, die auf dem Grundstück seit einer Firmenpleite lasten, Rechte auf das Bauland und hat dazu geheime Absprachen mit Senatsverwaltungen getroffen.

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