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Im Anflug auf Tempelhof.

© picture alliance/dpa

70 Jahre Luftbrücke: "Die Flugzeuge gehören ins Herz der Luftbrücke, nach Tempelhof"

Im Sommer soll an die Luftbrücke erinnert werden. Rosinenbomber sind im Anflug, dürfen aber nicht in Tempelhof landen. Das finden viele Leser nicht gut.

Das Luftbrücken-Jubiläum rückt näher. Im Sommer soll erinnert werden an die Leistung der Alliierten und auch der Bewohner vor 70 Jahren – aber wie? Die Frage im Tagesspiegel-Newsletter für Tempelhof-Schöneberg, wo denn die Rosinenbomber landen sollten, traf einen Nerv. Etliche E-Mails erreichten uns. Sie haben überwiegend den Tenor: in Tempelhof – wo sonst?

Nur zwei Leser hielten dies für eine komplette Schnapsidee und verwiesen darauf, dass der innerstädtische Airport vor mehr als zehn Jahren aus guten Gründen geschlossen wurde. Bisher ist geplant, dass am 15. Juni 36 Rosinenbomber im niedersächsischen Faßberg starten, Berlin überfliegen, aber auf dem Flugplatz Schönhagen landen. Das liegt südlich von Berlin, hinter Ludwigsfelde in Brandenburg. In der Nacht auf den 12. Mai 1949 war die Blockade West-Berlins durch die Sowjets zu Ende gegangen.

Hier einige Stimmen der Leser: „Aus meiner Sicht bilden die ’Rosinenbomber’ und der Flughafen Tempelhof eine untrennbare Einheit. Deswegen sollten die Flugzeuge auch dort landen. Woanders würde diese Aktion stark an Symbolkraft verlieren. Ich habe die Zeit der Blockade als Siebenjähriger in Berlin bewusst miterlebt“, schreibt beispielsweise Helmut Pillau. „Die Flugzeuge gehören nicht nach Schönhagen, sondern ins Herz der Luftbrücke, nach Tempelhof“, schreibt ein anderer Leser.

Die Aussage des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, „dass eine Ausnahmegehmigung für Tempelhof nicht möglich ist, ist falsch. Auf dem ebenfalls stillgelegten Flughafen Gatow findet jedes Jahr ein Flugtag statt. Das heißt, eine Ausnahmegenehmigung ist auch für Tempelhof möglich. Die Startbahnen sind auch noch in einem ordentlichen Zustand.“

Oder: „Etwas Flexibilität würde Berlin guttun. Ausnahmsweise Rosinenbomber dort landen zu lassen, müsste wohl gehen“, schreibt Ursula Scherer. Und Uwe Freund meint: „Es wäre toll, wenn die Rosinenbomber in Tempelhof landen würden. Alles andere macht doch keinen Sinn. Muss bloß noch Platz für Zuschauer geschaffen werden. Das wird voll.“

Auch Thomas Keller, Hamburger Unternehmensberater und einer der Initiatoren des Projekts, meldete sich bei mir: Vielleicht brauche man jetzt eine konzertierte Aktion, „um aus einem einmaligen Ereignis ein großartiges, weltweit beachtetes einmaliges Ereignis zu machen. Das Drehbuch, die Hauptdarsteller und das Bühnenbild bringen wir ein“.

Die Chancen dürften nicht groß sein. Denn der Senat hält wenig davon. Und Senatssprecherin Claudia Sünder hat jüngst gesagt, dass noch nicht einmal ein Antrag für die Landung in Tempelhof gestellt worden sei.

Die Reaktionen der Leser zeigen, dass die Luftbrücke auch 70 Jahre später ein Thema ist, das viele Emotionen und Erinnerung hervorruft. Vergessen ist die Luftbrücke also noch lange nicht.

Lesen Sie mehr zur Luftbrücke

- Wie Mr. Airlift West-Berlin rettete: Die Versorgung West-Berlins drohte 1948 im Chaos zu enden. Dann funkte ein Mann an den Tower: William H. Tunner – der Luftbrücken-Chef. Hier der Tagesspiegel-Text.

- Wie Berlin in drei Monaten einen Flughafen eröffnete: Im August 1948 begannen die Bauarbeiten für den Flughafen Tegel. Nach 94 Tagen war die Landebahn fertig – 1948 die längste Europas. Wie alles begann - hier der Tagesspiegel-Text.

- Wie Berlin 1918 und 1948 Weihnachten feierte: Turbulentes Fest 1918: Erst wurde gekämpft, dann gefeiert. 1948 gab’s die Geschenke von den US-Soldaten. Ein Streifzug durch die Stadtgeschichte. Hier der Tagesspiegel-Text.

Lesen Sie mehr in unseren Newslettern zur Luftbrücke

- Steglitz-Zehlendorf: 70 Jahre Luftbrücke: Ausstellung des AlliiertenMuseums tourt durch die USA. Hier geht es zum Tagesspiegel-Text.

- Spandau: Bürgermeister will Rosinenbomber in Niedersachsen beladen - mit Kartoffeln. Hier geht es zum Tagesspiegel-Text.

- Gatow: Kaffeebohnen lagen im Wald. Hier geht es zum Tagesspiegel-Text.

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