• Ehemalige Kinderklinik Berlin-Weißensee: Eigentümer überlassen das Baudenkmal dem Verfall

Trotz Wohnungsmangel liegt ein riesiges Grundstück brach - das ärgert den Pankower Bezirksstadtrat.

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Ehemalige Kinderklinik Berlin-Weißensee : Eigentümer überlassen das Baudenkmal dem Verfall
Anwohner Fabian Zschau und seine Freundin beobachteten und fotografierten die Brände rund um das Baudenkmal.
Anwohner Fabian Zschau und seine Freundin beobachteten und fotografierten die Brände rund um das Baudenkmal.Foto: Timo Kather

Die MWZ Bio-Resonanz GmbH hat ihren Sitz in einem elfstöckigen Betonriegel in der Leipziger Straße, zwei Gehminuten vom Gendarmenmarkt entfernt. Am Klingelschild stehen neben vier Familien- auch drei Firmennamen. Neben der MWZ Bio-Resonanz GmbH sind das die ZQM Bio-Quant GmbH und die NTI Quant GmbH. Die im Handelsregister eingetragene Geschäftsführerin Elena Dvoryadkina sei geschäftlich außer Landes, erklärt ein junger Mann, der die Tür öffnet. Er verweist an Sergey Danilov, den Bevollmächtigten der Geschäftsführung. „Wir hatten Probleme mit der Finanzierung“, gibt Danilov im Gespräch zu. „Seit dem Frühjahr haben wir aber einen neuen Partner und wollen das Projekt jetzt umsetzen. Spätestens Anfang nächsten Jahres geht es los.“

Danilov weiß um die Situation im Kinderkrankenhaus Weißensee, zeigt sich angesichts der Geschehnisse aber ratlos: „Wir sichern das Gelände alle zwei Wochen mit Ketten, die werden aber sofort wieder aufgebrochen.“ Auch habe man mehrfach Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs bei der Polizei gestellt, passiert sei aber nichts. Vorwürfe, die MWZ Bio-Resonanz GmbH sei ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen, weist Danilov von sich: „Das ist die Meinung des Liegenschaftsfonds. Die wissen, dass sie das Grundstück heute wesentlich lukrativer veräußern könnten und wollen es deshalb zurückhaben.“ Zum genauen Kaufpreis möchte Danilov aber nichts sagen.

Weißensee ist ein Boombezirk mit vielen zuziehenden Familien und liegt relativ nah am Zentrum: Mit der Tramlinie M4 braucht man eine Viertelstunde vom Kinderkrankenhaus zum Alexanderplatz. Dass trotz Wohnungsmangels ein riesiges Grundstück in Weißensee brachliegt, ist dem Pankower Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), ein Ärgernis. „Die ganze Sache erinnert an ein schlechtes B-Movie“, sagt er. Der Kaufvertrag sei inklusive Sanierungsverpflichtungen geschlossen worden, das „Sahnegrundstück“, wie Kirchner es nennt, ging daher unter Verkehrswert weg. Ihn als zuständigem Stadtrat habe nie eine Bauanfrage erreicht, auch sei seitens der Eigentümer nie das Gespräch mit ihm gesucht worden.

Kirchner jedenfalls kann sich im Prinzip auch vorstellen, dass die Gebäude nach einer Sanierung für Wohnungen genutzt werden – solange die denkmalgeschützte Substanz erhalten bleibt. „Wir halten an dem Ziel fest, dass wir das Krankenhaus sanieren wollen“, sagt Kirchner, „unser Interesse ist, dass das Gebäude nicht weiter verfällt und dort wieder Leben einzieht.“ Auch die Denkmalpflege werde sicher auf der Erhaltung des Ensembles pochen.

Im Raum steht die Frage, ob die MWZ Bio-Resonanz GmbH überhaupt an der Sanierung des Krankenhauses und einer medizinischen Nutzung interessiert ist oder längst einen anderen Verwendungszweck ins Auge gefasst hat – und den Gebäudekomplex deshalb verfallen lässt. Sergej Danilov jedenfalls sagt: „Unser Plan bleibt bestehen, dass alle denkmalgeschützten Gebäude erhalten werden.“

Am vergangenen Wochenende wurde der Eingang an der Hansastraße wieder mit Schlössern gesichert – Danilov will nun zusätzlich einen Zaun aufstellen, damit die Brandstifter nicht mehr so leicht auf das Gelände kommen. Nach mehr als sieben Jahren.

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