"Im zweiten Jahr wurde es leichter"

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Eltern erzählen vom ersten Kind : „Ich habe plötzlich ein richtiges Zuhause“

Ihr Sohn ist zwei Jahre alt. Welches Jahr war schwieriger, das erste oder zweite?
Das erste Jahr. Zunächst weil wir uns in der Elternrolle erst zurechtfinden mussten und wir privat noch sehr in einem Caféprojekt eingespannt waren. Außerdem mussten wir noch viel mehr erraten, welche Bedürfnisse unser Sohn gerade gestillt haben wollte. Im zweiten Lebensjahr konnte unser Sohn schon viel mehr kommunizieren. So war es leichter.

Was waren die glücklichsten Momente?
Die Geburt, das erste Lächeln, ebenso das erste Kennenlernen von Enkel und Großeltern. Und die glücklichen Momente füllen sich immer weiter auf, zum Beispiel an ganz normalen Spielenachmittagen zu dritt. Oder wenn mein Sohn uns von ganz alleine mit einem Küsschen beschenkt.

In Berlin gibt es den Trend zum Einzelkind. Fiel Ihnen die Entscheidung für ein zweites Kind leicht?

Die Entscheidung fiel uns nicht so leicht. Das lag zum einen am Alter meines Mannes und zum anderen an der Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Da ich in Teilzeit gearbeitet habe, wird das Elterngeld deutlich geringer ausfallen. Tatsächlich haben wir uns die Frage gestellt, was wir unseren Kindern später finanziell ermöglichen können.

Woran könnte es liegen, dass viele Eltern sich dagegen entscheiden?

Ich denke, das viele Familien bereits im Alltag mit einem Kind merken, wie schwierig es sein kann, Familie und Beruf zu kombinieren. Die Krankheitstage, die fehlende Möglichkeit länger auf Arbeit zu bleiben ebenso wie die finanziellen Einschnitte. Oft kann ein Elternteil nur in Teilzeit arbeiten. Ich persönlich arbeite im Schichtsystem, da fiel es mir besonders schwer, meinen Sohn auch einmal einen Tag oder länger nicht zu sehen. Für uns stellt sich jetzt auch die Frage, wie lange die kommende Elternzeit finanziell möglich ist. 

Was könnte sich in Deutschland ändern, damit mehr Leute sich für Kinder entscheiden?

Berufstätige Eltern sollten nicht als Nachteil für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes angesehen werden. Familienfreundliche Arbeitszeiten sind, wie in meinem Fall durch den Schichtdienst, auch nicht immer möglich. Ich fände es gut, wenn die Großeltern oder andere nahestehende Personen die Möglichkeit hätten bei Bedarf einzuspringen und dies mit ihrem Betrieb klären könnten. Außerdem hätte ich gerne in der Elternzeit geringfügig gearbeitet, da dies allerdings auf das Elterngeld angerechnet wird, habe ich mich dagegen entschieden. Und die Eingewöhnungszeit im Kindergarten erst einen Monat vor dem erneuten Berufseinstieg habe ich gerade im Winter durch Krankheiten als sehr knapp erlebt. Schlussendlich spielen natürlich finanzielle Überlegungen eine Rolle. Denn auch wenn das Kind im Kindergarten theoretisch bis zum frühen Abend betreut werden kann, wo bleibt dann die Familienzeit? 

Corinna M. (32) wohnt mit ihrem Mann und ihrem zweijährigen Sohn in Lichtenrade. Nach fast einjähriger Elternzeit arbeitet sie in Teilzeit als Sprachtherapeutin. Jetzt ist sie wieder schwanger und erwartet in Kürze ihr zweites Kind.

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