Fridays for Future : Klimaforscher unterstützen Schulstreik

Die Schüler-Initiative „Fridays for Future“ bekommt Verstärkung – durch Wissenschaftler.

Am Freitag streiken wieder Schüler: Diesmal wollen Schüler in 80 Länder auf die Straße gehen.
Am Freitag streiken wieder Schüler: Diesmal wollen Schüler in 80 Länder auf die Straße gehen.Foto: Christophe Gateau/dpa

Vom FDP-Vorsitzenden Christian Lindner bekamen die jungen Klimaschützer der Schülerinitiative „Fridays for Future“ eine Portion Halb und Halb: „Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“

Ein wenig Schulterklopfen, gemischt mit herablassender Belehrung. Auf Lindners Twitter-Kommentar folgte am Sonntag der erwartbare Shitstorm: „Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, Herr Lindner, hier noch mal für Sie: Profis beim Thema Klimaschutz sind Wissenschaftler*innen. Nicht Politiker*innen! Die Wissenschaft steht auf unserer Seite“, antwortete „Fridays for Future“.

Lindner leistete unfreiwillig Werbung für den großen internationalen Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung, der an diesem Freitag in 80 Ländern stattfinden soll – diesmal mit Unterstützung der Profis. Mehr als 700 Wissenschaftler haben sich in einer Initiative „Scientists for Future“ zusammengetan, um Solidarität mit den jungen Aktivisten zu zeigen.

Das Sinnvolle und Machbare zur Bekämpfung des Klimawandels soll umgesetzt werden

„Uns geht es bei der Initiative darum, klar zu signalisieren, dass die Proteste der jungen Leute vollkommen gerechtfertigt sind“, sagt Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), die zu den Organisatoren der Initiative zählt. Zu Lindners Kommentaren sagt sie: „Genau die beiden Faktoren, also das technisch Sinnvolle und ökonomisch Machbare, sind doch verhandelbar.“

Dazu rufen die Streikenden und die Wissenschaftler jetzt gemeinsam auf: das Sinnvolle und Machbare zur Bekämpfung des Klimawandels umzusetzen. „Als es darum ging, die Banken zu retten, ging das ja auch“, sagt Maja Göpel.

Scientists for Future sammelt seit Anfang des Monats Unterschriften von Wissenschaftlern für eine Stellungnahme zu den Klimastreiks der Fridays-for-Future-Bewegung. Unter den Unterzeichnern sind prominente Namen aus allen Disziplinen, darunter Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. „Die Klimaprofis sind klar aufseiten der Schüler“, sagt der Klimaforscher. „Die Schüler gehen auf die Straße, weil die Politiker trotz schöner Worte die Klimaziele verfehlen“, sagt er. Ihre Initiative wollen die Wissenschaftler am Dienstag vorstellen – in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Organisatoren von Fridays for Future.

Eckart von Hirschhausen übergibt eine Unterschriftenliste an Fridays for Future

Bei der Großdemonstration am Freitag wird Göpel persönlich nicht teilnehmen können. Aber sie weiß, dass einige Wissenschaftler dabei sein werden, um die jungen Demonstranten zu unterstützen. „Damit zeigen wir auch noch mal unsere volle Unterstützung.“ Bei der Demonstration finde dann auch die symbolische Übergabe der Unterschriftenliste von Mitorganisator Eckart von Hirschhausen an Fridays for Future statt.

Lindner fügte später auf Twitter noch hinzu, dass er mit „Profis“ selbstverständlich Wissenschaftler oder Ingenieure meinte. Bei der Bundestagswahl 2017 war Lindners Zutrauen zu Schülern noch größer. Damals stand auf einem der Wahlplakate der FDP neben seinem Konterfei zu lesen: „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer.“

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