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Gemeinsame Sache in Mitte : Kiezgrün, Rest-Textilien und Handwerkskunst

Verschönert wurde die alte Fabrik an der Osloer Straße. An der Eulerstraße wird jetzt wieder mit Holz gespielt. Eindrücke aus Mitte.

Tim Spark Leonard Scharfenberg Milena Fritzsche Vivien Krüger
Freiwillige beim Ausmessen der Kissen für die Palettenmöbel und Pflanzendruck auf Textilien.
Freiwillige beim Ausmessen der Kissen für die Palettenmöbel und Pflanzendruck auf Textilien.Foto: Vivien Krüger

In der Fabrik Osloer Straße beginnt das bunte Treiben. Der große Innenhof soll verschönert und lebenswerter gemacht werden, erzählt Benjamin Vrucak von der Freiwilligenagentur Mitte. Dafür haben sich die freiwilligen Helfer und Helferinnen am heutigen Donnerstag viel vorgenommen. Als erstes sollen zwei Wegweiser gebaut werden, damit sich die Besucher und Besucherinnen in dem großen Gebäudekomplex zukünftig besser zurechtfinden. Die Richtungspfeile werden  ganz bunt nach hawaiianischem Vorbild angemalt und mit einem Solarlicht nachts beleuchtet, erzählt eine Helferin. In der Fabrik Osloer Straße ist neben einem Café, einer Werkstatt und einem Hostel auch die Nachbarschaftsetage beheimatet, dessen Träger die Freiwilligenagentur Mitte ist. Sie hat das heutige Projekt in Kooperation mit Vostel, die die Freiwilligen vermittelt und eine finanzielle Hilfe beigesteuert haben, ermöglicht.

Für den Innenhof sollen außerdem Palettenmöbel bunt angemalt werden und passende Kissen und Sitzauflagen genäht werden, erzählt Martina Stumpf, die Hausverwalterin, während sie die Maße nimmt. Außerdem wird Unkraut gejähtet und alte Pflanzen mit bienenfreundlicheren ausgetauscht.

Für die richtige Dekoration sorgt die Gruppe rund um Brigitte Lüdecke. Sie ist externer Gast und veranstaltet regelmäßig Tauschpartys und wertet alte Textilien auf, zum Beispiel mit Knöpfen zum Löcherkaschieren. Ihr Ziel ist es, ihre Freude an Materialien und Stoffen weiterzugeben und andere zu motivieren, diese wertzuschätzen. Dabei hilft Landschaftsarchitektin Janine Fornaçon. Mit spezieller Siebdruckfarbe paust sie beim heutigen Freiwilligentag Pflanzen aus dem Kiez auf gebrauchte Textilien und bastelt daraus eine Wimpelkette. Mit ihrer Arbeit möchte sie ein Bewusstsein für Pflanzen durch Kunst schaffen. 

Mittlerweile sind alle 20 Helferinnen und Helferinnen auf dem Hof der Fabrik eingetroffen - auf geht’s, an die Arbeit! Vivien Krüger

Garten des Kreativhauses auf der Fischerinsel

Frisch geschnittene Hecken, eine hergerichtete Boule-Bahn und eine neue “Klangoase“ - all das schafften 4 Freiwillige am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit Angestellten des Kreativhauses im Garten der Einrichtung in Berlin-Mitte. Das Ziel der Aktion: Ein “Facelifting“ für den Garten. Jan Tonnät, Tischler und Betreuer vom Kreativhaus ist enttäuscht: “Natürlich wär' es schön gewesen, wenn ein paar mehr da wären“, sagt er. Sein Kollege Thomas Kasper entgegnet dem: “Wir haben uns halt gesagt, wir machen so viel, wie wir schaffen“. Insgesamt ist das Team aber sehr zufrieden. Vor Allem mit der neu gebauten Klangoase ging es voran. Leonard Scharfenberg

 

Kreativhaus Fischerinsel Garten
Kreativhaus Fischerinsel GartenFoto: Leonard Scharfenberg

Gartenarbeit in der Blücherstraße  

Nachdem am Mittwoch bereits im Garten des Haupthaus des Vereins Vita mit Hochbeeten für Verschönerung gesorgt wurde, arbeiteten am Donnerstagvormittag 25 Freiwillige im Garten des Vita-Hauses in der Kreuzberger Blücherstraße. Gemeinsam bepflanzten sie neue Beete, rupften Unkraut und gossen den großen Garten. Die neue Besonderheit: ein viereckiges Sitzensemble - aus hölzernen Hochbeeten und Bänken gebaut. “Da haben wir ja schon fast ein Patent drauf“, sagt Dietrich Schüppel, Freiwilligenmanager bei Vita. Es ist bereits das siebte Jahr in dem eine Verschönerungsaktion mit Freiwilligen stattfindet - und auch die bepflanzte Sitzecke wurde heuer nicht zum ersten Mal gebaut.

Leonard Scharfenberg

Gemeinsam Bauen und Aufräumen mit den Spielplatzpaten.
Gemeinsam Bauen und Aufräumen mit den Spielplatzpaten.Foto: Milena Fritzsche

Holz von den Spielplatzpaten

Mit Harke und Hammer aus Holz bearbeiten die Kinder am Montagvormittag auf dem Spielplatz an der Eulerstraße den Sand, setzen Pfähle ein und lassen kleine Bauwerke entstehen. Die Werkzeuge und Spielsachen aus Holz verdanken sie Dietmar Stolpe und Thomas  Henschke die als Spielplatz-Paten für den gemeinnützigen Verein „Schildkröte unterwegs sind. „Die Kinder kennen ja kein Holz mehr, nur Plastik“, sagt Henschke. „Oder Handys“, fügt Stolpe hinzu.

Deshalb fertigen die beiden mit ihren Mitstreitern in der Werkstatt ein Riesenmikado oder Angel und Fische aus Holz an. „Die Kinder sind aber viel einfallsreicher als wir“, räumt Henschke lachend ein. „Es ist eine Freude ihnen zuzusehen“, sagt Stolpe, während im Sand gerade ein kleiner Turmbau entsteht.

Die Spielplatzpaten bringen nicht nur Spielzeug, sondern sammeln auch Müll auf. An diesem Montag ist es ein großer Eimer voll, der zusammenkommt. „Für unsere Kinder sind die Spielzeugpaten eine große Bereicherung“, sagt Erzieherin Janine. „Sie fragen schon immer, wann die Männer mit dem Holz wiederkommen.“ Milena Fritzsche

Sprengelhaus Ort des Engagements im Kiez.
Sprengelhaus Ort des Engagements im Kiez.Foto: Niklas Liebetrau

Wir verschönern den Eingang Max-Beer-Straße 48

Alles steht bereit: Weiße Farbe, Overalls und Farbroller, aber auch eine Schubkarre voll mit Schaufeln und Harken. Ein Teil der knapp 20 Freiwilligen streicht die Decken, Wände und Türen im Vorraum des Eingangsbereichs des Seniorenhauses in der Max-Beer-Straße 48. Die anderen gärtnern im Innenhof. Ein Großteil der Freiwilligen sind Geflüchtete aus Syrien, Irak und Afghanistan, die Teil des Patenschaftsprojektes „Hallo neue Nachbarn“ sind, dass von der WBM und HVD getragen wird. Ziel ist es, Geflüchtete und Berliner zusammenzubringen. Tim Spark

Sprengelhaus Ort des Engagements im Kiez

Im Sprengelhaus in Mitte ist heute kräftig was los. Mit gleich sechs Veranstaltungen, von offenem Sprachkurs bis hin zum runden Tisch zum Thema „Drogenkonsum im öffentlichen Raum im Kiez“ wartet das Gemeinwesen- und Nachbarschaftszentrum auf. „Wir wollen ein Ort sein, an dem die Nachbarschaft für ihre Aktivitäten einen Raum findet“, sagt der Leiter, Hans-Georg Rennert. Zudem wolle man den Anwohnern und allen denen der Kiez wichtig sei auch einen Rahmen bieten, für die Themen die hier wichtig sind, wie beispielsweise heute der Drogenkonsum, oder wie vor zwei Wochen, als Vertreter der Deutschen Bahn kamen und über den Bau der neuen S-Bahn-Linie 21 informierten.

Auch die Bürgerredaktion der Stadtteilzeitung Kiezbote hat hier ihre Räumlichkeiten. Im Nachbarschaftsladen werden Beratungen zu unterschiedlichsten Themen angeboten. Im Haus das merkt man, wird Gemeinschaft gelebt und das auf vielfältige Art und Weise. Niklas Liebetrau

Dietrich Schüppel vom Vita e. V. und eine Freiwillige.
Dietrich Schüppel vom Vita e. V. und eine Freiwillige.Foto: Leonard Scharfenberg

Silbernetz - gemeinsame Hofverschönerung

Sergej fragt zuerst nach einem Spaten. Diesen sticht er tief in die Erde, um auch die Wurzeln des Essigbaums zu erwischen. Sergej ist einer von 60 Ehrenamtlichen des Silbernetzes - einem anonymen und kostenfreien Gesprächsangebot für ältere Menschen, die sich einsam fühlen. „Ich will helfen und etwas in die Welt weitergeben“, erklärt Sergej sein Engagement.

An diesem Montagnachmittag sitzt Sergej allerdings nicht am Telefon, sondern steht gemeinsam mit Mitarbeitern und Freiwilligen im Hinterhof des Silbernetzes an der Wollankstraße. „Wir wollen den Garten verschönern, Blumen pflanzen und den Zaun neu streichen“, sagt Projektleiterin Julia Goldstein. Dafür liegen Metallschutzlack, Pinsel und Handschuhe bereit. Auch ein neuer Pavillon wurde gekauft. „Wir nutzen den Garten in unseren Pausen und für Teambesprechungen“, sagt Goldstein und fügt hinzu: „Bislang sieht es noch trist und eher behelfsmäßig aus, das ändern wir heute.“ Die ersten Blumen hat sie dafür bereits eingetopft. Milena Fritzsche

Hofverschönerung beim Silbernetz an der Wollankstraße.
Hofverschönerung beim Silbernetz an der Wollankstraße.Foto: Milena Fritzsche


Ein Heim für den Winter

Gekonnt schwingt Sylvie den Pinsel, um die Leinölfirnis aufzutragen. Der strenge Geruch des Öls mache ihr nichts aus: „Ich wollte mich heute einfach nützlich machen für die Stadt“, sagt Sylvie. Deshalb bohrt sie Löcher und schraubt Holzplatten zusammen, denn in den Räumen der Fabrik Osloer Straße entstehen Nistkästen für die Vögel des Soldiner Bezirks.

Die Aktion sei aus dem Wunsch der Anwohner entstanden, gemeinsam etwas zu bauen, erzählt Stadtteilkoordinatorin Maike Janssen. „Gemeinsam etwas für den öffentlichen Raum zu gestalten fördert den Zusammenhalt“, ist sie überzeugt. Tatsächlich sind die zehn Nistkästen schon mittags fertig - früher als geplant. Das ist den vielen helfenden Händen zu verdanken: das Team der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales ist ebenso mit dabei wie die Bildungseinrichtung „puk a malta“ und der Verein „Schildkröte“. Wenn das Leinöl getrocknet ist, sollen die Kästen schon bald im Bezirk verteilt werden. „Die Vögel können sie im Winter zum Schlafen nutzen“, erklärt Janssen. Milena Fritzsche

Nistkastenbau in den Räumen der Fabrik Osloer Straße.
Nistkastenbau in den Räumen der Fabrik Osloer Straße.Foto: Milena Firtzsche


Häkseln, graben, jähten

Die Sonne scheint, als die Gartenhandschuhe verteilt werden. Der Garten des SOS-Kinderdorfs in der Rathenower Straße in Mitte soll beim „Gemeinsame Sache“-Aktionstag am Freitag mit Schaufeln, Harken und Besen auf Vordermann gebracht werden.

Verstärkt werden die Mitarbeiter und Kinder von acht Mitarbeitern des Pharmaunternehmens Pfizer. Auch eine Häckselmaschine haben sie mitgebracht. Die entpuppt sich als sehr wichtig, denn schnell kommen viele Strauch- und Pflanzenreste zusammen.

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Gemeinsam wird gehäckselt, es werden drei Tonnen Erde umgegraben, Unkraut gejätet und Himbeersträucher gepflanzt. Entstehen soll ein Naschgarten aus Beerensträuchern. Dazu eine Grundbasis, um im Frühjahr Hochbeete anzulegen.

Nicht nur die Pfizer Mitarbeiter packen fleißig mit an, auch die Kinder. Zu zweit tragen sie Paletten vom Rasen und stapeln sie auf der Terrasse oder bauen alte Holztore auseinander. Tim Spark

Die Häckselmaschine entpuppt sich beim Aktionstag als ausgesprochen hilfreich.
Die Häckselmaschine entpuppt sich beim Aktionstag als ausgesprochen hilfreich.Foto: Tim Spark

Führung durch die Gleim-Oase

„Kleine grüne Lungen sind wichtig für die Stadt“, sagt Dunja Berndt und blickt zufrieden über die Verkehrsinsel an der Gleimstraße, Ecke Graunstraße. „Sonntags komme ich am liebsten hier her“, sagt sie und fügt erklärend hinzu: „Es ist der ruhigste Tag in der Woche. Dann ist es auf der Baustelle still und auch Autos fahren nur selten vorbei.“

Freiwillige erhalten die Natur in der Gleim-Oase in Berlin-Mitte.
Freiwillige erhalten die Natur in der Gleim-Oase in Berlin-Mitte.Foto: Milena Fritzsche

Dennoch kommen Berndt und ihr Mitstreiter Holger Eckert von der Partnerschaftsinitiative Gleim-Oase täglich zu der grünen Anlage an der ehemaligen Berliner Mauer. Zu tun gibt es immer etwas auf dem 550 Quadratmeter großen Areal. Die Erde um den Hibiskus sieht noch frisch aus – die beiden hatten ihn erst an diesem Sonntagvormittag eingesetzt.

Nun freuen sich die beiden über Interessierte, die die Natur an dieser Stelle mit erhalten wollen. „Wir sehen hier manchmal sechs verschiedene Hummel-Arten am Tag“, erzählt Eckert begeistert. „In den Komposthaufen übernachten Igel und nachts kommt manchmal der Fuchs vorbei“. Gerne würde er das Brunnenlebermoos zeigen, das passend zum Brunnenviertel hier wächst, aber es ist nirgends zu sehen. „Dafür war der Sommer zu trocken“, erklärt er. Milena Fritzsche

Rettet das Engelbecken

Freiwillige fischen Glasflaschen aus dem Wasser.
Freiwillige fischen Glasflaschen aus dem Wasser.Foto: Wieland Giebel

Wieland Giebel ist überrascht, als um neun Uhr bereits 25 Freiwillige vor ihm stehen, die mit ihm das Engelbecken in der Luisenstadt reinigen wollen. Mit der Zeit kommen dann noch mehr: Mit über 40 Helfern wird das kleine Gewässer an der Michaelkirche von Plastik, Flaschen und anderem Unrat befreit.

„Ein voller Erfolg“, findet Giebel, der die Aktion schon seit mehreren Jahren organisiert. So viele seien es noch nie gewesen, erzählt er. In nur vier Stunden sind sie fertig. Einige der Helfer stapfen sogar mit Neoprenanzug ausgerüstet durch das trübe Engelbecken und ziehen den Müll aus dem Wasser. Leonard Scharfenberg

Die Helferinnen Frauke Meyer und Claudia Hertel vor der Michaelkirche.
Die Helferinnen Frauke Meyer und Claudia Hertel vor der Michaelkirche.Foto: Wieland Giebel

Moabit sammelt und grillt

Beim Moabiter Kinderhof haben sich 15 junge und alte Kiezanwohner die bereitliegenden Gartenhandschuhe übergezogen und starten damit, den angrenzendem Fritz-Schloß-Park vom Müll zu befreien.

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Wiebke Köker und Jana Bareiß sind zufrieden. „Wir hatten mit weniger Menschen gerechnet“, erklären die Leiterinnen der Nachbarschaftsinitiative Gemeinsam für Moabit, die zusammen mit dem Kinderhof die Aktion organisierten. Nach anstrengendem Müllsammeln stärken sich die Freiwilligen im Kinderhof beim „fairen Grillen“ vor dem Hof. Eine Helferin freut sich:  man lerne hier tolle Menschen kennen. Leonard Scharfenberg

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