Hundekot in Berlin : Hebt die Haufen eurer Hunde auf!

Er liegt auf Wiesen, an Häuserwänden, sogar mitten auf dem Trottoir. Wer Hundekot liegen lässt, verhält sich nicht nur gegenüber den Menschen rücksichtslos. Ein Kommentar.

Tütchen für den Ernstfall.
Tütchen für den Ernstfall.Foto: Manfred Thomas

Ich habe wieder einen Hund, auf dem Foto ist er vorne zu sehen. Er ist noch jung, zwölf Wochen alt, seit vier Wochen in Berlin, mit allen Vorteilen, „oh, ist der süß“, und mit allen Nachteilen. Er ist noch nicht stubenrein.

Zu Hause ist das mein Problem, wisch und weg. Draußen ist das natürlich auch mein Problem, anders als Katzen verbuddeln Hunde ihr Vermächtnis nicht. In den vergangenen drei Jahren war ich ohne Hund unterwegs, will sagen, ich habe einfach nicht hingeschaut. Vielleicht rege ich mich deswegen erst jetzt auf.

Seit ich mit dem Welpen durch Berlin ziehe, oder der Welpe mit mir, die Chefposition ist noch nicht fest definiert, seit ich also wieder Hundehalter bin, bin ich offensichtlich sensibilisierter. Ich sehe sie, ich sehe sie überall. Sie lagern auf Baumscheiben, auf Wiesen, am Straßenrand, am Wegesrand, an Häuserwänden und mitten auf dem Trottoir, der ein Bürgersteig ist und, verdammt noch mal, ihr Hundehalter, kein Hundekackplatz.

Ich komme in Rage. Dalser, so heißt mein Hund, der Name leitet sich ab von einer bayerischen Alm unterhalb der Kampenwand und ist hier nicht weiter wichtig, Dalser kommt auch in Rage. Nämlich dann, wenn er selber in so einen Haufen tritt und anschließend von mir unter der Dusche gewaschen wird. Nicht, dass er wasserscheu wäre, Golden Retriever sind mehr Fisch als Hund, aber gegen den Willen die Pfoten abgeduscht zu bekommen, das ist ja wohl die Höhe der hündischen Unterwerfung.

Vielleicht sind die Haufen auch mehr geworden in jüngster Zeit, weil auch in allen möglichen anderen Bereichen die alltägliche Rücksichtslosigkeit um sich gegriffen hat. Und das ist es doch, ihr Hundehalter, die ihr die Hinterlassenschaft einfach achtlos liegen lasst. Rücksichtslos seid ihr, Eure Gehirne sind kleiner als das des kleinsten Rehpinschers und hohler als die sprichwörtliche Nuss.

Helmut Schümann und Dalser.
Helmut Schümann und Dalser.Foto: Katja Demirci

Rücksichtslos seid ihr gegenüber allen, den Menschen, den Tieren. Ja, auch gegenüber den Hunden. Ihr macht nämlich die Preise kaputt. Ist es ein Wunder, dass Berliner Hundefreunde von Berliner Hundehassern angefeindet werden? Wegen der wenigen – oder sind es viele? – Dreckschweine müssten die anderen Hundehalter ein Schild mit sich rumtragen: „Bitte nicht meckern, ich entsorge auch die Kacke!“

Seid ihr zu gichtig, um euch zu bücken?

So schwer ist das schließlich nicht, Kotbeutel kosten kaum mehr als ein Leckerli, sind leicht mit sich zu führen, schnell zu handhaben: Mit einer Hand reinschlüpfen in den Beutel, Kot aufnehmen, Beutel umstülpen, zuknoten und ab damit in die orangene Kiste, die an jeder Ecke wartet. Nein, man kommt nicht in Berührung mit Lieblings’ Geschäft. Oder seid ihr zu gichtig, um euch zu bücken? Dann seid ihr auch zu gichtig, überhaupt einen Hund zu führen.

Hundekot: Kampf gegen rücksichtslose Halter
Vielleicht hilft dieser doch eher ungewöhnliche Appell, nachlässige Hundebesitzern an ihre Pflichten zu erinnern! Entdeckt in der Anklamer Straße, Mitte. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Berliner Zettel-Entdeckungen an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 72Foto: Katja von der Bey
11.06.2018 08:30Vielleicht hilft dieser doch eher ungewöhnliche Appell, nachlässige Hundebesitzern an ihre Pflichten zu erinnern! Entdeckt in der...

Wobei es ohnehin klar ist, dass Hundekotliegenlasser nicht einmal die Reife, den Verstand und Anstand besitzen, einen Hund zu halten. Immerhin scheint ihr Unrechtsbewusstsein zu haben, warum sonst vollzieht sich das frevelhafte Wegschauen immer nur heimlich?

Einmal habe ich so einen Typen gesehen. Das war vor ein paar Jahren auf der Kantstraße in Charlottenburg. Der Mann ließ seinen Hund aufs Trottoir kacken, wischte ihm dann mit Tempotaschentüchern den Hintern ab – und ließ Haufen und Tücher achtlos liegen. Damals war ich noch mit Dalsers Vorgänger Wilmer unterwegs, der war noch Welpe und wir beide auf der anderen Seite der befahrenen Straße. Wenn man hat hoffen dürfen, dass nach all den Streitigkeiten um Badeseen und Leinenzwang so etwas wie ein Umdenken im fiesen Teil der Hundehaltergilde eingesetzt hätte, dann war diese Hoffnung trügerisch.

Es ist im übrigen auch als Freund des Welpen im Speziellen und der Hunde im allgemeinen nicht erhebend, dem neugierigen schnüffelnden Kleinen ständig „Aus!“ zuzurufen. Eigentlich wollen ja Herr und Gscherr gleichermaßen Spaß aneinander haben, Befehlston ist definitiv nicht Teil des Spaßes. Immerhin, das ist jetzt erreicht, Dalser schnüffelt inzwischen nicht mehr, Dalser kackt. Ich hebe auf. Und ich schwöre, erwische ich einen Hundebesitzer, der das nicht macht, schleudere ich ihm den unverschlossenen Beutel hinterher.

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