• „Ich bin 12 Stunden im Laden, das hält man nicht aus”: Was Verkäufer zur neuen Maskenpflicht in Berlin sagen
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„Ich bin 12 Stunden im Laden, das hält man nicht aus” : Was Verkäufer zur neuen Maskenpflicht in Berlin sagen

Auch Beschäftigte im Einzelhandel müssen künftig einen medizinischen Mundschutz tragen. Hier erzählen vier von ihnen, was sie davon halten.

André Dér-Hörmeyer
Nach der neuen Berliner Regelung müssen nicht nur Kunden medizinische Masken tragen, sondern auch Verkäuferinnen und Verkäufer.
Nach der neuen Berliner Regelung müssen nicht nur Kunden medizinische Masken tragen, sondern auch Verkäuferinnen und Verkäufer.Foto: Sven Hoffe/dpa

Nach sieben Stunden Arbeit sei es ein schönes Gefühl die Maske auch mal auszuziehen, meint Furkan Cay. Gerade als Brillenträger, „da beschlagen die Gläser ständig."

Und während er das sagt, legt sich ein milchiger Schatten vor seine Augen. Er lacht, lüftet die Brille, und sieht wieder klar. „Man gewöhnt sich dran”, sagt er.

Spätestens ab Sonntag müssen sich auch alle anderen Beschäftigten im Berliner Einzelhandel an das Maske-tragen bei der Arbeit gewöhnen. Denn ab dann ist es für sie Pflicht, eine medizinische Maske zu tragen.

Für viele Berliner:innen war das schon seit längerem ein Streitthema. Man fragte sich, warum Kund:innen einen Mund-Nasenschutz tragen müssen, die Verkäufer:innen aber nicht. In einer Sondersitzung am Mittwoch hat der Senat nun beschlossen, dass Kund:innen und Verkäufer:innen während des Aufenthalts im Geschäft medizinische Masken tragen müssen.

Davon betroffen sind auch Angestellte in Handwerks-, Dienstleistungs- und anderen Gewerbebetrieben mit Publikumsverkehr. Bislang waren in diesen Bereichen entweder überhaupt keine Masken erforderlich oder es reichten einfach Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff.

Furkan Cay findet die neue Regelung sinnvoll. Er arbeitet bei einem Schlüsseldienst am Kottbusser Damm.
Furkan Cay findet die neue Regelung sinnvoll. Er arbeitet bei einem Schlüsseldienst am Kottbusser Damm.Foto: André Dér-Hörmeyer

Furkan Cay findet die neue Regelung sinnvoll. Er arbeitet bei einem Schlüsseldienst am Kottbusser Damm. An den Wänden hängen Schlüssel in allen Formen und Farben, viel Platz ist nicht im Laden. Als Verkäufer trage er auch Verantwortung. Schließlich berühre er ständig die Verkaufsflächen. „Wenn sich da später ein Kunde abstützt, soll er sich nicht infizieren.”

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Seit für seine Kund:innen Maskenpflicht gilt, trägt auch er eine. Dass es nun eine medizinische Maske sein muss, ist für ihn nicht weiter schlimm. Die trägt er sowieso schon. Ob sich auch andere Verkäufer an die neue Maskenpflicht halten werden, weiß Cay nicht. Trotz aller Maßnahmen gebe es immer noch Kunden, die ohne Maske den Laden betreten, sagt er. Die weist er dann freundlich darauf hin. "Das sind aber nur noch ungefähr fünf Prozent."

„Soli-Masken“ für Kunden, die sich sonst keine leisten können

Nicht immer sind Ignoranz oder Rücksichtslosigkeit der Grund dafür, dass Menschen in Geschäften keine Maske tragen. Speziell jetzt, mit der Pflicht für medizinische Masken, könnten einige Menschen, sich diese einfach nicht leisten, sagt Emilia von Senger vom feministischen Buchladen „She Said” ein paar Schritte weiter. Sie plane deshalb „Soli-Masken” zu besorgen. Die können Kunden sich dann kostenlos am Eingang abholen. Trotz Coronakrise scheint der neu eröffnete Laden gut zu laufen.

Vor der Tür gibt es fast immer einer Schlange. Trotz – und wegen Corona. Denn maximal fünf Personen dürfen gleichzeitig durch den Buchladen schlendern, der ausschließlich weibliche und queere Autorinnen führt. Von Senger begrüßt die Maskenpflicht für Verkäufer. Schließlich würden sie und ihre Kollegen jeden Tag vielen verschiedenen Menschen begegnen. „Deshalb tragen wir schon seit längerem FFP2 Masken”, sagt sie.

Fatma Tekin von der Bäckerei Bonjour am Hermannplatz hingegen trägt keine Maske. „Ich bin 12 Stunden im Laden”, sagt sie, „das hält man nicht aus.” In der Bäckerei würden sie sich bereits an alle Hygienemaßnahmen halten, sich häufig die Hände waschen, alles desinfizieren. Aus Sicht von Tekin reicht das. Aus Sicht des Senats nicht.

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Nun muss auch sie bei der Arbeit eine Maske tragen. „Ich glaube nicht, dass das wichtig ist, aber ich werde mich daran halten”, sagt sie „natürlich”. Kunden gibt es in der Bäckerei ohnehin zur Zeit nicht viele. Deshalb sitzt sie die meiste Zeit im Pausenraum hinter der Verkaufsfläche.

Ähnlich leer sieht es auch in Aydin Cayirs Späti auf der anderen Straßenseite aus. Caydir steht lächelnd hinter der Trennschutzscheibe an der Kasse. Ohne Maske. Acht Stunden am Stück eine Maske zu tragen, werde sehr schwierig, sagt er. „Ich sehe das bei meinen Kindern. Wenn die acht Stunden mit Maske in der Schule waren, gehts denen schlecht. Man atmet ganz anders dadurch.” An die neue Vorschrift werde er sich aber trotzdem halten.

Beim Handelsverband Berlin-Brandenburg kennt man diese Sorgen. Der stellvertretende Geschäftsführer Günther Päts rät Unternehmern deshalb dazu, über Änderungen bei den Pausenzeiten nachzudenken. In vielen Unternehmen gebe es bereits Kurzpausensysteme, sagt er, „etwa für Raucherpausen“. Man könnte Angestellten also die Möglichkeit bieten, häufiger kleine Pausen zu machen, um vor die Tür zu gehen und die Maske kurz auszuziehen. Wer für die Anschaffung der Masken verantwortlich ist, steht nicht in der Verordnung. Generell geht Päts aber davon aus, dass die meisten Unternehmen sich nun darum kümmern werden, Masken für ihre Angestellten zu besorgen. Das sei schließlich auch schon vor der neuen Verordnung häufig der Fall gewesen.

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